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20.09.2013

06:39 Uhr

Erstmals seit Frühjahr

Steuereinnahmen in Deutschland gesunken

Wegen höherer Abgaben an die EU-Kasse und Änderungen bei der Unternehmensbesteuerung sind die Steuereinnahmen von Bund und Ländern erstmals seit dem Frühjahr gesunken. Das Jahresziel soll dennoch erreicht werden.

Erstmals seit dem Frühjahr sind die Steuereinnahmen von Bund und Ländern 2013 gesunken. ZB

Erstmals seit dem Frühjahr sind die Steuereinnahmen von Bund und Ländern 2013 gesunken.

BerlinDie Steuereinnahmen von Bund und Ländern sind erstmals seit dem Frühjahr 2012 wieder gesunken. Im August ging das Aufkommen - ohne reine Gemeindesteuern - um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück, wie aus dem aktuellen Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums hervorgeht.

Ursachen sind auch Einmal- und Sondereffekte bei der Unternehmensbesteuerung sowie höhere Abführungen an die EU-Kasse. Trotz des Rückschlags liegen die Steuereinnahmen in den ersten acht Monaten insgesamt weiter im Plus - und zwar um 2,6 Prozent beziehungsweise 9,1 Milliarden Euro auf nunmehr rund 361,7 Milliarden Euro. Das Acht-Monats-Plus liegt auch knapp über dem für das gesamte Jahr geschätzten Zuwachs.

Dennoch dürfte kurz vor der Bundestagswahl die Debatte über die von SPD, Grünen und Linken geforderten Steuererhöhungen noch einmal aufleben. Kritiker der Erhöhungspläne argumentieren, der Staat habe kein Einnahmeproblem. Auch dürfe ein einzelnes Monatsergebnis nicht überbewertet werden. Steuerschätzer gehen weiter davon aus, dass die Prognose für 2013 erreicht werde.

Zuletzt waren die Steuereinnahmen von Bund und Ländern (ohne reine Gemeindesteuern) im Mai 2012 gesunken (minus 4,3 Prozent). Das August-Minus ist nach Angaben des Finanzministeriums auch darauf zurückzuführen, dass bei der nicht veranlagten Steuer vom Ertrag der Vorjahreswert nach einer Dividendenausschüttung in Folge eines Konzernumbaus überhöht gewesen sei. Die Körperschaftsteuer sei durch Nachzahlungen von Unternehmen für frühere Jahre niedriger ausgefallen. Es stehen aber noch Vorauszahlungen an, so dass unterm Strich keine Einbußen gegenüber der Schätzung erhofft werden.

Zudem hat die EU-Kommission im August weit mehr der ihr zustehenden Gelder eingezogen als im Vorjahresmonat. Das sei auf den höheren Mittelabfluss bei Strukturfondsmitteln zurückzuführen, der zum Ende einer Förderperiode - hier der Zeitraum 2007 bis 2013 - üblich sei, heißt es weiter. Das hohe Beschäftigungsniveau sowie Tariflohnsteigerungen begünstigten dagegen das Lohnsteueraufkommen, das von Januar bis August um 6,0 Prozent über dem Vorjahreswert lag.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich aus Sicht des Finanzministeriums auf Erholungskurs: „Der Aufwärtstrend der Auftragseingänge und vor allem die mehrmalige Verbesserung der Stimmung in den Unternehmen signalisierten, dass sich die konjunkturelle Erholung im 2. Halbjahr fortsetzen wird.“ Im laufenden Quartal dürfte das Plus jedoch geringer ausfallen als im zweiten Vierteljahr, das durch witterungsbedingte Nachholeffekte überzeichnet gewesen sei.

Von

dpa

Kommentare (16)

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Observer

20.09.2013, 02:18 Uhr

Wie, "Abfuehrung an die EU"? Ws ist denn das fuer eine Buchfuehrung?
Werden die Steuern erst gar nicht eingenommen und gehen direkt an die EU?
Der normale Vorgang ist, erst die Einnahme und dann ggf. Abfuehrung an die EU, oder wen auch immer!
Wollt ihr uns denn mit den einfachsten Dingen auch noch fuer umm verkaufen, oder seid ihr, was zu vermuten ist, selbst so Bescheuert?

Account gelöscht!

20.09.2013, 02:35 Uhr

"Werden die Steuern erst gar nicht eingenommen und gehen direkt an die EU?"


Natürlich!
Also ich zahle meine Steuern und Abgaben seit Jahren gleich direkt nach Brüssel! Ist doch viel einfacher und spart Bürokratie.
Wenn ich geahnt hätte, daß dadurch die Steuereinnahmen in DE so dramatisch einknicken, hätte ich doch noch ein paar Aufträge mehr angenommen als für die noch ca. 30Std./Woche.

gerohusen

20.09.2013, 03:17 Uhr

Da stellt sich wirklich die Frage: wer hat den Artikel geschrieben: ein Praktikant vom Handelsblatt oder die Propagandaabteilung vom Finanzministerium? Das ist schon hahnebüchen: höhere Ausgaben als Begründung für geringere Einnahmen verantwortlich zu machen. Das erinnert mich an die Zeit von Waigel: der hat auch unwidersprochen mal eine Steuererhöhung als Sparerfolg gewertet! Kompliment, erstklassiges Marketing! Leider glaubens die Leute, es klingt ja so plausibel. Schade allerdings, dass auch die Wirtschaftspresse sich solche Enten unterschieben lässt, ist aber wohl Standard im Zeitalter von "paste and copy".

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