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22.02.2013

10:47 Uhr

Erstmals seit fünf Jahren

Deutschland macht Staatsüberschuss

Der deutsche Staat hat 2012 einen Staatsüberschuss erzielt. Unterm Strich nahmen Bund und Länder vier Milliarden Euro mehr ein, als sie ausgaben. Vor allem bei den Sozialkassen lief es besser als erwartet.

Dank der Überschüsse der Sozialkassen kann sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) über einen Staatsüberschuss freuen. dpa

Dank der Überschüsse der Sozialkassen kann sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) über einen Staatsüberschuss freuen.

WiesbadenDie deutsche Staatskasse hat den Konjunktureinbruch zum Jahresende weggesteckt. Mitten in der Euro-Schuldenkrise sorgten niedrige Arbeitslosigkeit und sprudelnde Steuereinnahmen 2012 für einen Überschuss von 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Der Staat erzielte erstmals seit 2007 einen Überschuss, der zudem höher ausfiel als erwartet. Bei ersten Berechnungen war die Behörde von einem Plus von 0,1 Prozent ausgegangen.

Der Fiskus profitierte von der robusten Konjunktur im Gesamtjahr und nahm unter dem Strich mehr ein, als er ausgab (rund 4,2 Milliarden Euro). 2011 hatte Deutschland noch mit 0,8 Prozent gesamtstaatlichem Defizit abgeschlossen. Allerdings bremsten die Euro-Schuldenkrise und die Abkühlung der Weltkonjunktur die exportabhängige deutsche Wirtschaft zum Jahresende aus. Die Ausfuhren brachen um 2 Prozent ein. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie die Statistiker bestätigten.

Deutschlands reichste Städte nach Gewerbesteueraufkommen

Platz 10 – Ludwigshafen am Rhein

Mit Gewerbesteuereinnahmen von 1.166,39 Euro pro Einwohner kommt Ludwigshafen am Rhein auf Platz 10 des Rankings. Gegenüber 2010 konnte die Gemeinde damit die Brutto-Einkünfte um 7,7 Prozent steigern.

Platz 9 – Stuttgart

Trotz Absatzkrise haben die Autobauer und -zulieferer in Stuttgart 2011 mehr Gewerbesteuern gezahlt. Mit einer Rate von 74,8 Prozent stiegen die Einnahmen auf 1.260,31 Euro pro Kopf.

Platz 8 – Ingolstadt

Ähnliches gilt auch für die Audi-Heimat Ingolstadt. Hier entfielen 1.262,97 Euro aus der Gewerbesteuer auf jeden Einwohner – 36,8 Prozent mehr als noch 2010.

Platz 7 – Düsseldorf

Am Rhein hingegen sanken 2011 die Einnahmen aus der Gewerbesteuer, immerhin um 11,2 Prozent. Dennoch entfallen 1.301,81 Euro auf jeden Düsseldorfer, was Rang acht bedeutet.

Platz 6 – München

Auch in Bayerns Landeshauptstadt profitiert der Stadtkämmerer unter anderem von den aktuellen BMW-Absatzzahlen. Pro Kopf zahlten die Münchner Unternehmen 1.421,93 Euro an Gewerbesteuern, was einer Steigerung von 31,3 Prozent entspricht.

Platz 5 – Coburg

Während man in München fast zwei Milliarden Euro über die Gewerbesteuer einnimmt, sind es in Coburg nur 60 Millionen Euro. Auf die rund 41.000 Einwohner der oberfränkischen Kleinstadt heruntergerechnet macht das aber immer noch Pro-Kopf-Einnahmen von 1.461,56 Euro.

Platz 4 – Sindelfingen

Die Gewerbesteuereinnahmen im schwäbischen Sindelfingen stehen und fallen mit den Zahlungen von Daimler. In dem Stammwerk mit 23.000 Beschäftigten werden unter anderem C-, E- und S-klasse gefertigt. In der Absatzkrise hatte der Autobauer alle Zahlungen eingefroren. Jetzt sind Gewerbesteuer-Einnahmen der Sindelfinger um 215,8 Prozent explodiert – auf 1.714 Euro pro Einwohner.

Platz 3 – Frankfurt am Main

In Deutschlands Finanzmetropole Frankfurt am Main sind die Gewerbesteuereinnahmen um 9,0 Prozent gesunken. Trotzdem kommen noch 1.754,52 Euro pro Kopf aus der Untenehmensabgabe.

Platz 2 – Biberach an der Riß

Das beschauliche Biberach an der Riß ist wie Coburg nur über seine Einwohnerzahl in die besten zehn Städte dieses Rankings gerutscht. Weil die absoluten Einnahmen (66 Millionen Euro) etwas höher und die Einwohnerzahl (32.000) etwas niedriger ist als in Coburg, liegt die schwäbische Kleinstadt im Vergleich der beiden Exoten deutlich vorne. Mit Pro-Kopf-Einnahmen von 2.037,35 Euro aus der Gewerbesteuer müssen sich die Biberacher sogar in ganz Deutschland nur einer Stadt knapp geschlagen geben.

Platz 1 – Wolfsburg

Und dieser Stadt hilft mal wieder die Autoindustrie auf die Sprünge. Mit 2.045,77 Euro pro Kopf steht die Heimat des VW-Konzerns deutschlandweit am besten da. Auch wenn die Gesamteinnahmen aus der Gewerbesteuer mit 248 Millionen Euro im Vergleich mit den anderen Auto-Metropolen gering ausfallen.

Bund und Länder halbierten den Angaben zufolge ihre Defizite im vergangenen Jahr. Die Sozialkassen kamen dank niedriger Arbeitslosigkeit auf ein sattes Plus von 17,0 Milliarden Euro (Vorjahr: 15,9 Mrd) - es ist der höchste Wert seit Beginn der 1990er Jahre. Die Gemeinden verzeichneten einen Überschuss von 6,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,9 Mrd). Während andere Euroländer unter Rezession und Sparprogrammen ächzen, ist Deutschland somit weit entfernt von der 3,0-Prozent-Defizitmarke, die der Maastricht-Vertrag höchstens erlaubt.

Deutschlands ärmste Städte nach Gewerbesteueraufkommen

Platz 10 – Brandenburg an der Havel

In Brandenburg an der Havel sind im Jahr 2011 14,1 Millionen Euro an Gewerbesteuern angefallen. Umgelegt auf die Einwohnerzahl macht das 196,86 Euro pro Kopf. Dabei musste die Kommune noch einen Rückgang von 28,4 Prozent zum Vorjahr verkraften.

Platz 9 – Weimar

Vergleichbar ist die Lage in Weimar. Mit Pro-Kopf-Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Höhe von 195,54 Euro liegen die Weimarer auf dem Niveau von Brandenburg an der Havel. Nur der Rückgang war mit 9,6 Prozent geringer.

Platz 8 – Altenburg

Die ost-thüringische Kleinstadt Altenburg ist mit rund 34.000 Einwohnern zwar ähnlich groß wie Biberach an der Riß aus dem Top-Ten-Ranking. Hier wurden 2011 aber nur 6,7 Millionen Euro an Gewerbesteuern gezahlt, also etwa ein Zehntel des Biberacher Betrags. Damit kommt Altenburg auf Pro-Kopf-Einnahmen von 192,81 Euro. Das ist der achtschlechteste Wert in der ganzen Bundesrepublik.

Platz 7 – Stendal

Stendal hat zwar 7,3 Millionen Euro eingenommen, aber rund 7.000 Einwohner mehr als Altenburg. Damit kommt die Kleinstadt in Sachsen-Anhalt auf 171,34 pro Kopf, das sind 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Platz 6 – Auerbach/Vogtl.

Auerbach im sächsischen Vogtlandkreis zählt rund 20.000 Einwohner. Da in der Kommune auch nur 3,2 Millionen Euro Gewerbesteuer gezahlt werden, kommt Auerbach mit 158,59 Euro pro Kopf auf den sechstschlechtesten Wert in Deutschland.

Platz 5 – Finstewalde

Dem Wert aus Auerbach muss sich das brandenburgische Finsterwalde nur knapp geschlagen geben. Hier liegen die Pro-Kopf-Einnahmen bei 156,32 Euro. Dabei mussten die Finsterwalder noch einen Einbruch von 19,2 Prozent bei den Gewerbesteuer-Einnahmen verkraften.

Platz 4 – Strausberg

Die amtsfreie Stadt Strausberg in Brandenburg war 2010 noch das Schlusslicht der Republik. Doch 2011 konnten die Strausberger die Gewerbesteuereinnahmen mehr als verdoppeln. Die Folge ist ein Sprung auf Platz vier mit Pro-Kopf-Einnahmen von 153,86 Euro.

Platz 3 – Delitzsch

Auch in der sächsischen Kleinstadt Delitzsch fallen geringe Gewerbesteuern an. Mit 26.000 Einwohnern kam die Kommune auf 3,7 Millionen Euro Gewerbesteuer, rund ein Viertel weniger als 2010. Damit reicht es bei 141,82 Euro pro Kopf zum drittschlechtesten Platz in Deutschland.

Platz 2 – Falkensee

Die beiden Kommunen mit den geringsten Pro-Kopf-Einnahmen aus der Gewerbesteuer liegen im brandenburgischen Umland von Berlin. Die rund 41.000 Einwohner von Falkensee wohnen zwar in Brandenburg, arbeiten aber größtenteils in Berlin. Deswegen fallen an ihrem Wohnort nur 4,6 Millionen Euro Gewerbesteuer an. Mit 112,64 Euro pro Kopf ist nur noch eine Kommune etwas schlechter.

Platz 1 – Hohen Neuendorf

Nur wenige Kilometer von Falkensee entfernt liegt Hohen Neuendorf. Die Stadt mit gut 24.000 Einwohnern grenzt unmittelbar an den Berliner Bezirk Reinickendorf. Da Hohen Neuendorf mit 2,6 Millionen Euro Gewerbesteuer auch noch die geringste Summe in ganz Deutschland hat, kommt die Kommune auch bei den Pro-Kopf-Einnahmen mit von 106,18 Euro auf den schlechtesten Wert in Deutschland.

Allerdings ging Europas größter Volkswirtschaft im Laufe des Jahres zunehmend die Puste aus. Das Wirtschaftswachstum schwächte sich von Quartal zu Quartal ab. Zum Jahresende rutschte Deutschland ins Minus. Vor allem der Außenhandel trug zu dem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes bei. Denn die Exporte sanken deutlich stärker als die Importe.

Zugleich investierten die von der Staatsschuldenkrise verunsicherten Unternehmen weniger in Ausrüstungen als im Vorquartal. Die Investitionen in Bauten sanken leicht. Positive Impulse kamen im vierten Quartal lediglich vom privaten und staatlichen Konsum. Im Gesamtjahr wuchs die deutsche Wirtschaft um 0,7 Prozent und stand damit besser da als der Euroraum, der in einer Rezession steckt.

Experten rechnen damit, dass die Konjunktur hierzulande rasch wieder in Schwung kommt. „Für das erste Quartal 2013 kann aus heutiger Sicht mit einem Plus bei der gesamtwirtschaftlichen Erzeugung gerechnet werden“, erklärte die Bundesbank kürzlich. Die Stimmung der Unternehmen habe sich in einem bemerkenswerten Ausmaß erholt. Die KfW-Bankengruppe rechnet im ersten Vierteljahr mit einem Wachstum von 0,4 Prozent.

Kommentare (44)

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Ludwig500

22.02.2013, 08:35 Uhr

Da werden sich unsere europäischen Brüder aber freuen. Der Zahlmeister funktioniert noch. Prima.

OK, man könnte die Milliardenkredite für andere EU-Staaten so abschreiben, wie sie realistischerweise zu bewerten sind. Nämlich als Totalverluste. Dann sieht es leider so aus, dass alle Steuerschrauben weiter angezogen werden müssen. Aber das wird frühestens nach der Wahl passieren.

tesaro

22.02.2013, 08:35 Uhr

Deutscher Staatsüberschuss größer als erwartet!

Wie schön wenn das Geld im Land bliebe.

Es wird aber von unserer korrupten Regierung gleich an die Südländer weitergereicht.

Also arbeitet die deutsche Bevölkerung für unsere Freunde im südlichen Ausland und natürlich auch für das europäische Parlament in Brüssel mit.
Die gefrässigen Parlamentarier können nie genug davon bekommen.

omegalicht

22.02.2013, 08:53 Uhr

Mein Vorschlag; investieren in Deutschland !!

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