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15.01.2008

11:08 Uhr

Erwartungen auf niedrigstem Stand seit Januar 1993

Rezessionsgefahr drückt ZEW-Index nach unten

Die Finanzmarktprofis blicken bange in Richtung USA. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind auch im Januar weiter gefallen und liegen damit auf dem auf niedrigstem Stand seit 1993. Die Gefahr einer Rezession in den USA und deren mögliche Folgen für Deutschland sorgen zunehmend für Unruhe. Doch es gibt auch einen Hoffnungsträger.

Die Angst vor einer Rezession in den USA trübt auch die Stimmung der deutschen Finanzmarktprofis. Bild HB

Die Angst vor einer Rezession in den USA trübt auch die Stimmung der deutschen Finanzmarktprofis. Bild HB

HB MANNHEIM. Professionelle Anleger und Analysten bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft zu Jahresanfang so negativ wie seit fast 15 Jahren nicht mehr. Das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sackte im Vergleich zum Vormonat um 4,4 Punkte ab und liegt nun bei minus 41,6 Punkten. Das ist der niedrigste Stand seit Februar 1993.

„Der größte Risikofaktor für die Entwicklung der deutschen Konjunktur ist die Gefahr einer Rezession in den USA im Zuge der Finanzkrise“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Diese würde zusammen mit dem starken Euro die Exportwirtschaft schwächen.

Die 270 befragten Finanzmarktexperten bewerteten auch die Lage negativer. Der Index verschlechterte sich um 6,9 auf 56,6 Punkte auf den niedrigsten Stand seit Ende 2006. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 60,0 Zähler gerechnet.

Der Hoffnungsträger für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland sei der private Konsum sowie die Erholung am Arbeitsmarkt. „Der Konsum wird in den kommenden Monaten eine entscheidende Rolle für die Konjunkturentwicklung spielen“, sagte Franz. „Allerdings sind die Einführung von Mindestlöhnen oder überzogene Lohnforderungen nicht geeignet, den Konsum zu erhöhen, da sie mit Arbeitsplatzverlusten verbunden sind.“

Die Konjunkturerwartungen für die gesamte Eurozone verschlechterten sich den weiteren Angaben zufolge auf minus 41,7 (Dezember: minus 35,7). Der Index für die aktuelle Lage wurde für Januar mit plus 47,8 (plus 59,6) Punkten angegeben.

Nach der Veröffentlichung der Daten wurden am deutschen Aktienmarkt bereits bestehende Verluste weiter ausgebaut. Der Dax lag dabei gut eine Stunde nach Veröffentlichung der ZEW-Erwartungen rund 0,8 Prozent im Minus. Eine nur leichte Aufwärtsbewegung verzeichnete der Euro, der dabei mit rund 1,4860 US-Dollar unter dem zu Handelsbeginn verzeichneten Tageshoch von fast 1,49 US-Dollar lag.

Bankvolkswirte begründeten den anhaltenden Pessimismus unter den Finanzanalysten vor allem mit den zuletzt enttäuschenden Konjunkturindikatoren aus den USA. „Insbesondere die zuletzt schwachen US-Daten wie der ISM-Index oder der Arbeitsmarktbericht dürften zusammen mit dem anhaltend starken Euro zu der vermehrten Skepsis bezüglich der konjunkturellen Aussichten beigetragen haben“, sagte Fabienne Riefer von Postbank Research.

Allerdings vertrat die Volkswirtin die Einschätzung, dass die negativen Erwartungen vor allem mit Blick auf die deutsche Wirtschaft überzogen seien. Sie erwarte für 2008 ein Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent. Am Morgen hatte Destatis für 2007 ein Wachstum von 2,5 Prozent ausgewiesen. Martin van Vliet von ING Financial Markets erklärte ebenfalls, dass die Aussichten nicht so düster seien, wie dies im ZEW-Index zum Ausdruck komme. So deute auch der Ifo-Index auf wesentlich bessere Perspektiven für die deutsche Wirtschaft hin, sagte van Vliet.

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