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03.05.2012

17:22 Uhr

Erwerbstätigkeit

Grundeinkommen macht Arbeit unattraktiv

Wenn Deutschland ein Grundeinkommen einführen würde, wie es die Piratenpartei fordert, würde Erwerbstätigkeit unattraktiv werden. Folglich müssten die Löhne steigen - aber das würde Firmen wettbewerbsunfähig machen.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Korrespondent in Frankfurt.

Was genau die Piratenpartei mit dem bedingungslosen Grundeinkommen meint, das sie fordert, ist unbekannt. Aber Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette dm, hat sein Konzept in einem Wirtschaftsbestseller beschrieben. Tausend Euro pro Monat für jeden und jede. Wer einen Job hat, bekommt das Gehalt oben drauf. Alle anderen Sozialleistungen gehen langfristig in diesem Grundeinkommen auf.

Das Konzept wäre leicht zu finanzieren, wenn man einfach mehr Geld druckt. Dann würde durch Inflation die Kaufkraft des Grundeinkommens auf das Niveau von Hartz-IV oder darunter sinken. Aber Deutschland ist in einer Währungsunion und kann deshalb die Geldmenge nicht ausdehnen. Außerdem gibt es eine staatliche Schuldenbremse.

Nehmen wir also an, das Grundeinkommen wird nicht durch Gelddrucken oder Staatsdefizite „finanziert“. Tausend Euro für jeden Deutschen sind 80 Milliarden Euro im Monat, 960 Milliarden im Jahr, mehr als ein Drittel der Jahreswirtschaftsleistung.

Dafür müsste der Staat die Steuern kräftig erhöhen. Wenn er bei der Mehrwertsteuer zulangt, ist der Effekt Inflation. Man kann sich für sein Grundeinkommen und sein selbst verdientes Geld weniger kaufen. Wenn die Einkommensteuer erhöht wird, trifft es vor allem diejenigen die arbeiten, abgesehen von den wenigen, die von Kapitaleinkommen leben. Erwerbsarbeit wird unattraktiver. Wer keine innere Motivation hat zu arbeiten und keine Aussicht auf einen befriedigenden Job, lässt es sein und führt ein bescheidenes aber auskömmliches Leben des Müßiggangs. Das kann soziales Engagement einschließen, muss es aber nicht. Oder er widmet sich der relativ viel attraktiver werdenden Schwarzarbeit. Die Motivierten und Hochqualifizierten arbeiten weiter, auch wenn das Gehalt nach Steuern sinkt. Die Gesellschaft spaltet sich in Müßiggänger und Erwerbsarbeitende.

Es würde schwerer, Arbeitskräfte für unattraktive manuelle Arbeit zu finden. Die Löhne für diese Art von Arbeit müssten steigen, Mechanisierung zur Arbeitsersparnis würde zunehmen.

Die internationale preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen litte kräftig, wenn die Verfügbarkeit von Arbeitskräften deutlich geringer würde. Die Produktion würde sinken, die als Löhne, Steuern und Gewinne zu verteilenden Einnahmen würden schrumpfen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Wähler ein Experiment mit einem bedingungslosen Grundeinkommen dieser Art bald wieder abbrechen würden.

Von

noh

Kommentare (37)

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Raffzahn

03.05.2012, 17:32 Uhr

Wie wäre es damit Arbeit attraktiver zu bezahlen?

Account gelöscht!

03.05.2012, 18:07 Uhr

Diese abwegige Argumentatio habe ich in der gestigen Sendung auch gehört.
Das Grundeinkommen sehe ich nur für Leute im erwerbsfähigen Alter, die keinen Job haben und als Zusammenfassung aller Leistungen,die ohnehin erbracht werden. Das ist Bürokratieabbau. Die Schattenwirtschaft ist kein Produkt der Arbeitslosigkeit, selbst Einkommensmillionären machen da mit. Jedes Nettoeinkommen muß sich deutlich von einem Grundeinkommen abheben. Das eigentliche Ziel wäre aber Vollbeschäftigung.

Account gelöscht!

03.05.2012, 18:14 Uhr

wenn Deutschland in der Währungsunion kein Geld drucken kann, dann nehmen wir eben das Geld der Bürgschaften welches wir eh nie wieder sehen werden, dazu noch die Bareinzahlungen in die Rettungsschirme ESFS und ESM, anschließend das Rentenalter und Wochenarbeitszeit herabsetzten zur Not Schuldenfinanziert dann hätten wir endlich ein einheitliches südländisches Europa. Besser fröhlich gemeinsam untergehen als sich vom Rest Europa enteignen lassen.

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