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05.05.2014

13:20 Uhr

Eskalationsszenario der DZ Bank

Wie die Ukraine-Krise Deutschland bedroht

VonDietmar Neuerer

Die Ukraine-Krise schürt viele Ängste. Gefürchtet werden vor allem harte Sanktionen gegen Russland. Experten der DZ-Bank haben die Folgen einer solchen Maßnahme für Deutschland und seine EU-Partner durchgespielt.

Müllers Cashkurs

Ukraine-Krise: Es gibt Interesse an einer Eskalation

Müllers Cashkurs: Ukraine-Krise: Es gibt Interesse an einer Eskalation

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BerlinIn der Ukraine-Krise überschlagen sich die Ereignisse im Stundentakt. Und fast täglich wird von einer neuen Zuspitzung der Lage in der Ostukraine berichtet – Ende nicht absehbar. Dazu passt, dass sich der ukrainische Übergangspräsident Oleksander Turtschinow heute im ukrainischen Fernsehen zu Wort gemeldet hat – mit einer düsteren Einschätzung. Gegen die Ukraine werde „in der Tat ein Krieg geführt und wir müssen bereit sein, diese Aggression abzuwehren“, sagte er.

Solche Beschreibungen lassen Beobachter nicht unbeeindruckt. Die Sorge ist groß, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein könnte, bis Russland den prorussischen Milizen zu Hilfe eilt und sich schließlich – ähnlich wie bei der Schwarzmeer-Halbinsel Krim, das gesamte Land einverleibt.

Unter Europas Aktienanleger sorgt die angespannte Lage für erhebliche Verunsicherung. Der Dax verlor am Montag 1,4 Prozent auf 9423 Zähler, der EuroStoxx50 gab 1,5 Prozent nach. Bislang gebe es in der Ukraine keine Anzeichen einer Deeskalation, schrieb Markus Huber, Analyst beim Brokerhaus Peregrine & Black. Auch Christian Henke von IG Markets urteilte: „Das Säbelrasseln zwischen Kiew und Moskau geht weiter.“ Die Lage in der Ukraine habe sich trotz der am Wochenende freigelassenen OSZE-Beobachter nicht sonderlich gebessert.

Der eskalierende Machtkampf in der Ostukraine

Nach dem Sturz...

... der moskautreuen Führung in Kiew und dem Anschluss der Krim an Russland ist der Konflikt um die mehrheitlich russischsprachige Ostukraine eskaliert.

Erste Ausschreitungen...

... gibt es am 6. April. Bei Demonstrationen in der Ostukraine gibt es massive Ausschreitungen. Moskautreue Aktivisten besetzen Verwaltungsgebäude in den Millionenstädten Charkow und Donezk.

Die Besetzer...

... fordern am 7. April erstmalig Referenden über eine Abspaltung der Ostukraine von Kiew und rufen eine souveräne Volksrepublik aus. In weiteren Orten werden Gebäude besetzt.

Ein „Anti-Terror-Einsatz“...

... am 13. April gegen Separatisten in Slawjansk fordert Tote und Verletzte. In Charkow werden bei Zusammenstößen von Gegnern und Anhängern einer Annäherung an Russland Dutzende verletzt.

Barack Obama...

... telefoniert am 14. April mit Kremlchef Wladimir Putin. Der US-Präsident äußert sich darin besorgt darüber, dass Moskau die prorussischen Separatisten unterstütze. Putin bestreitet eine Einmischung.

Ein Friedensplan...

... wird am 18. April bei einem internationalen Treffen in Genf beschlossen. Wichtigster Punkt: Die Separatisten sollen die Waffen niederlegen und besetzte Gebäude räumen.

Mit Panzern und Hubschraubern...

... gehen Regierungstruppen am 24. April bei Slawjansk gegen Separatisten vor. Putin verurteilte den Einsatz der ukrainischen Armee als „sehr ernstes Verbrechen“, das „Folgen“ für die Regierung in Kiew haben werde.

Militärbeobachter der OSZE...

... werden am 25. April von Separatisten in deren Gewalt gebracht, darunter sind vier Deutsche. In Slawjansk beschuldigt der örtliche Separatistenführer Wjatscheslaw Ponomarjow die Gruppe der Spionage.

Zurschaustellung der Geiseln...

...am 27. April. Die OSZE-Geiseln werden von Ponomarjow der Presse vorgeführt. Sie sollen gegen inhaftierte Separatisten ausgetauscht werden.

Neue Sanktionen...

... gegen Moskau verhängen die EU und die USA am 28. April aus Verärgerung über das Vorgehen Russlands gegen Moskau. Am selben Tag wird in Charkow der Bürgermeister durch einen Schuss schwer verletzt. Auf dem Militärflugplatz Kramatorsk beschießen Unbekannte Regierungseinheiten.

Die prorussischen Militanten...

... besetzen 30. April in Lugansk und Gorlowka weitere Gebäude. In Kiew räumt Übergangspräsident Alexander Turtschinow ein, die Kontrolle über Teile des Landes verloren zu haben.

Der Gegenschlag...

... von Kiew erfolgt am 2. Mai. Truppen der ukrainischen Armee, der Nationalgarde und des Innenministeriums gehen in Slawjansk und Kramatorsk massiv gegen die Separatisten vor.

Ökonomen der DZ Bank haben vor diesem Hintergrund ein Eskalationsszenario erstellt. Sie legen dabei zugrunde, dass sich die Lage insoweit verschärft, dass die russischen Streitkräfte in der Ukraine direkt eingreifen und es zu einem offenen militärischen Konflikt der beiden Länder kommt. Für diesen Fall ist von neuen wirtschaftlichen Sanktionen der westlichen Länder gegen Russland (Sanktionen der „Stufe 3“) auszugehen. Ein solches Negativ-Szenario hat nach Einschätzung der Experten teilweise drastische Folgen für die Konjunktur in Deutschland, den Euro-Raum und auch  für die Finanzmärkte.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

05.05.2014, 13:53 Uhr

Zitat : Wie die Ukraine-Krise Deutschland bedroht

- bedroht....?

Die Ukraine, mit ihrem Schuldenberg von ca. 70 Mrd. € und davon dem Anteil der EU von ca. 25 Mrd. € ( überwiegend Banken ) wird wohl einiges an Steuergelder der EU-Bürger verschlingen !

Beim Auseinanderfallen des Landes ( Spalten ) in zwei oder mehrere Staaten ist das Geld nämlich FUTSCH !

Das meiste hätte in diesem Falle RUSSLAND verloren !

Denn bei den Russen sind die Ukrainer am meisten verschuldet !


Account gelöscht!

05.05.2014, 13:53 Uhr

Sofern Merkel weiterhin einen solch dümmlichen Kurs i.S. Ukraine vorgibt und v.d.L. als ahnungslose Quotenfrau ohne jegliches Fingerspitzengefühl für Realpolitik, lediglich markiges Kriegsgeschrei von sich gibt, ist Deutschland auf kurz oder lang wirklich bedroht.

Gauweiler sei Dank, dass wenigstens er die massiven handwerklichen Fehler in der Ukraine-Politik von Merkel anprangert.

Diese willfährige und für die Deutschen sehr schädliche Politik von Merkel läßt sich eigentlich nur so erklären, dass sie erpresst wird, mit Fakten die aus ihren all zu sorglosen Handy-Telefonaten abgeschöpft wurden.

Account gelöscht!

05.05.2014, 14:01 Uhr

Die Analyse der DZ erscheint schlüssig. Es stellt sich die Frage warum handelt unsere Regierung wie sie handelt. Würden wir unsere Interessen verfolgen müssten wir uns aus diesem Konflikt raushalten. Wir werden von niemanden bedroht oder gar angegriffen. Wessen Interessen vertreten unsere Volksvertreter?

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