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26.01.2010

11:06 Uhr

Etwas gewachsen

Großbritannien kriecht aus der Rezession

VonMichael Maisch

Die britische Wirtschaft beendet nach langer Durststrecke die schwerste Rezession seit 1955: Seit Ende 2009 gibt es wieder Wachstum. Aber der Erholung fehlt der Schwung. Der Weg aus der Krise wird für die Insel lang und steinig.

Sonderverkauf nach Woolworths-Pleite: Britische Wirtschaft wächst wieder minimal. dpa

Sonderverkauf nach Woolworths-Pleite: Britische Wirtschaft wächst wieder minimal.

LONDON. Als letztes großes Industrieland in Europa hat auch Großbritannien den Weg aus der Rezession gefunden. Allerdings fiel das Wachstum im vierten Quartal des vergangenen Jahres nur minimal aus und blieb deutlich hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Nach anderthalb Jahren Rezession wuchs die britische Wirtschaftsleistung von Oktober bis Dezember 2009 um 0,1 Prozent – Volkswirte hatten 0,4 Prozent Wachstum erwartet. Zu den Enttäuschungen zählte der dominierende Dienstleistungssektor, der nur um 0,1 Prozent wuchs statt der erhofften 0,5 Prozent.

Die längste Wirtschaftskrise seit der Nachkriegszeit kostete die Insel insgesamt 6,1 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. Im vergangenen Jahr schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,8 Prozent, der schärfste Einbruch seit 1949. Bei den Zahlen für das vierte Quartal handelt es sich lediglich um die erste Schätzung der Statistiker, Volkswirte warnen deshalb, dass die Zahlen noch nach unten revidiert werden könnten.

Andere große Industrieländer wie die USA und Frankreich kehrten bereits vor einem halben Jahr in die Wachstumszone zurück. Allerdings kostete die Krise 13 OECD-Staaten noch mehr Wachstum als Großbritannien, darunter Japan und Deutschland. Nach Meinung von Ted Scott von der Fondsgesellschaft F&C gibt es gute Gründe dafür, dass Großbritannien länger in der Rezession verharrte als andere Länder. „Die Wirtschaftskrise war vor allem eine Krise des Finanzsystems, und da ist Großbritannien besonders anfällig.“ In den Boomjahren machten Finanzdienstleistungen mehr als zehn Prozent der britischen Wirtschaftsleistung aus. Inzwischen sei der Anteil auf rund sieben Prozent gefallen, schätzt die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman.

„Die Wachstumszahlen für das vierte Quartal sind ein schwerer Rückschlag für alle die auf eine schwungvolle Erholung hofften“, warnte Volkswirt Jonathan Loynes von Capital Economics. Das sieht F&C-Volkswirt Scott ähnlich. Er geht davon aus, dass die Erholung nur schleppend verlaufen werde, und die britische Wirtschaft auf Jahre hinaus ihrem bisherigen Trendwachstum von 2,5 bis drei Prozent hinterherhinken wird.

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