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31.07.2015

16:26 Uhr

EU-Sanktionen

Deutsche trotzen der russischen Rezession

VonAndré Ballin

Russlands Wirtschaft weiter im freien Fall: Die Rezession des ersten Quartals hat sich im zweiten noch weiter verschärft. Doch deutsche Unternehmer haben den Glauben an das Riesenreich noch nicht verloren.

Sank die Wirtschaftsleistung Russlands im ersten Quartal 2015 nur um 2,2 Prozent, waren es im zweiten Quartal schon 4,4 Prozent. dpa

Talfahrt

Sank die Wirtschaftsleistung Russlands im ersten Quartal 2015 nur um 2,2 Prozent, waren es im zweiten Quartal schon 4,4 Prozent.

MoskauLicht am Ende des Tunnels: Trotz eines weiter „schwierigen Umfelds“ haben laut einer Umfrage der Auslandshandelskammer (AHK) deutsche Unternehmer wieder mehr Vertrauen in den russischen Markt. Die Talfahrt der russischen Wirtschaft hat sich gerade beschleunigt: Nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew hat sich der BIP-Absturz von minus 2,2 Prozent im ersten Quartal auf minus 4,4 Prozent im zweiten Vierteljahr forciert. Die Zentralbank, die am Freitag den Leitzinssatz auf elf Prozent senkte, warnte zugleich vor einer möglichen Herabsetzung ihrer ohnehin negativen Jahresprognose (minus 3,2 Prozent).

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Politisch haben die Sanktionen gegen Moskau wenig gebracht. Die Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft sind dagegen enorm: Der russische Markt verliert immer mehr an Bedeutung. Trotzdem bleiben viele Firmen vor Ort.

Die Flaute spüren auch die in Russland tätigen deutschen Unternehmer. Die überwältigende Mehrheit (85 Prozent) der von der AHK Befragten spricht von einer negativen oder leicht negativen Wirtschaftsentwicklung im Land. Die Zahlen bestätigen das: Der deutsche Außenhandel nach Russland ging im ersten Halbjahr um immerhin 34 Prozent zurück.

Wichtigster Grund dafür ist der schwache Rubelkurs, der stark vom Ölpreis abhängig ist. „Die Sanktionen verstärken diesen Trend nur, sie sind nicht der Auslöser“, erklärte AHK-Präsident Rainer Seele die Wirtschaftsschwäche.

Aber es gibt auch positive Anzeichen: Viele Wirtschaftsexperten sehen die Talsohle erreicht, mehrere Institute haben die Gesamtprognose für das Gesamtjahr zuletzt angehoben. Für das kommende Jahr sagen einige Ökonomen sogar wieder bereits ein schwaches Wachstum voraus. Die zu Jahresbeginn galoppierende Inflation hat zuletzt an Tempo verloren und soll 2016 wieder im einstelligen Bereich sein.

Deutschlands Handel mit Russland

Deutschland und Russland...

...sind wirtschaftlich eng verwoben. Daimler ist am russischen Lkw-Hersteller Kamaz beteiligt, die BASF-Tochter Wintershall arbeitet eng mit Gazprom zusammen, Siemens unterhält eine Partnerschaft mit der Russischen Staatsbahn RZD.

76,5 Milliarden Euro

2013 tauschten beide Länder Güter im Wert von rund 76,5 Milliarden Euro aus. Dabei überstiegen die Importe aus Russland die Exporte.

Erdöl und Erdgas...

...machten drei Viertel der Importe aus Russland aus, die sich insgesamt auf 40,4 Milliarden Euro beliefen.

Im Gegenzug...

...lieferte Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge Waren im Wert von 36,1 Milliarden Euro nach Russland.

Autos, Maschinen und Chemie

An der Spitze standen die Maschinenbauer (8,1 Milliarden Euro), die Autoindustrie (7,6 Milliarden Euro) und die Chemiebranche (3,2 Milliarden Euro).

Deutschland...

...liegt hinter China auf Rang zwei der Lieferländer Russlands.

Russland hingegen...

...ist der elftwichtigste Absatzmarkt für die deutsche Exportwirtschaft.

Damit steigt auch das Vertrauen der deutschen Wirtschaft wieder: Investitionen in Höhe von 900 Millionen Euro sind in den nächsten Jahren in Russland geplant. Damit soll die Lokalisierung vorangetrieben werden, um russischen Protektionsmaßnahmen zu begegnen.

Immerhin jeder fünfte Unternehmer rechnet bereits für das laufende Jahr mit einem Umsatzplus. Vor allem hochwertige Konsumgüter, Hochtechnologie, chemische Produkte, Haushaltswaren, Elektrotechnik, Arzneimittel, Medizintechnik und auch Luxusgüter, darunter teure Autos, seien weiter gefragt, erläutert AHK-Sprecher Jens Böhlmann.

Einen signifikanten Rückzug deutscher Unternehmen aus Russland hat es nicht gegeben. Obwohl etwa ein Drittel der Firmen wegen der Krise Personal entlassen hat, bleibt die Gesamtzahl der Unternehmen in Russland mit etwa 6000 konstant.

Kommentare (1)

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Herr Helmut Weinberg

31.07.2015, 17:30 Uhr

Die für Deutschland schmerhaften Sanktionen gegen Russland sollen Europa von Amerika weiter abhängig machen.

Wir "kleben" dann Amerika. Super Scheisse ist das !! Weil nur ein unabhängiges Deutschland und Europa ein "freies Deutschland und Europa" ist.

Die deutschen Lobbyisten in der "Atlantik-Brücke" machen Deutschland zum willenlosen "Arsch-Kriecher" Amerikas.

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