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02.04.2012

16:55 Uhr

EU-Statistik

Arbeitslosenquote in Europa steigt weiter

Im Februar ist die Arbeitslosenquote in Europa weiter angewachsen. Unter den am stärksten betroffenen Staaten sind die Krisenländer Spanien und Griechenland. Deutschland gehört zu den Schlusslichtern.

Arbeitssuchende stehen in Madrid vor einem Büro des Amtes für Arbeitslose. dapd

Arbeitssuchende stehen in Madrid vor einem Büro des Amtes für Arbeitslose.

LuxemburgEs sind düstere Rekordzahlen: 24,55 Millionen Menschen waren im Februar in der EU ohne Job. Die Arbeitslosenquote von 10,2 Prozent ist die höchste seit 1997. Das geht aus Zahlen hervor, die die EU-Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg am Montag veröffentlichte. Deutschland widersetzt sich dem Abwärtstrend und gehört weiter zu den Ländern mit den niedrigsten Arbeitslosenzahlen.

Besonders heftig trifft es dagegen die Schuldenkrisenstaaten vor allem im Süden Europas. Bis auf Italien sind sie alle an der Spitze der Statistik vertreten: Spanien führt die Riege als trauriger Rekordhalter unter den Euro-Sorgenländern mit einer Arbeitslosenquote von 23,6 Prozent an, Griechenland folgt mit 21 Prozent (nach Daten vom Dezember). In Portugal liegt die Arbeitslosigkeit bei 15 Prozent, in Irland bei 14,7 Prozent. Italien findet sich mit 9,3 Prozent indes sogar unter dem EU-Schnitt.

Als Gründe für Lage dieser sogenannten PIIGS-Staaten gelten eine marode Wirtschaft und die hohe Staatsverschuldung. Griechenland, Portugal und Irland erhalten Hilfsgelder von der EU und dem Internationalem Währungsfonds. Doch angesichts der damit verbundenen Sparauflagen bleibt den Regierungen weniger Geld, um Investitionen zu fördern. Die EU arbeitet derzeit an Strategien, um das Wirtschaftswachstum in ganz Europa anzukurbeln - und hat dabei besonders die hohe Jugendarbeitslosigkeit im Blick.

Denn unter der Krise leiden vor allem die Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In Griechenland und Spanien war mehr als jeder zweite diese Altersgruppe ohne Arbeit. In der EU waren im Februar 5,46 Millionen Menschen unter 25 Jahren ohne Job - sie machen mehr als ein Fünftel aller Arbeitslosen aus. 22,4 Prozent der Jungen hatten EU-weit keinen Job. Die geringste Jugendarbeitslosigkeits-Quote (8,2 Prozent) hat Deutschland, gefolgt von Österreich und den Niederlanden.

Überhaupt schwimmen mehrere Länder gegen den Strom. Die niedrigste Arbeitslosenrate hatte im Februar Österreich mit 4,2 Prozent, gefolgt von den Niederlanden (4,9 Prozent), Luxemburg (5,2 Prozent) und auf vierter Stelle Deutschland (5,7 Prozent).

Zu beachten ist, dass die EU-Statistiker die Arbeitslosenquote nach anderen Kriterien als die deutsche Bundesagentur für Arbeit berechnet. Deshalb weichen die EU-Angaben von denen aus Nürnberg ab. Die Eurostat-Angaben zu den einzelnen Ländern sind nach Ansicht von Fachleuten aber untereinander vergleichbar.

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Weltweit gelang es nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO im Kreis der entwickelten Länder nur Deutschland und Australien, die Arbeitslosenquote unter das Niveau vor Ausbruch der Krise zu drücken.

Für die Europäische Union (EU) ist Besserung indes vorerst nicht in Sicht. Nicht einmal die oft Zweckoptimismus verbreitende EU-Kommission rechnet mit einer absehbaren Erholung: Aufgrund des mauen Wirtschaftswachstums werde die Arbeitslosigkeit im laufenden und im kommenden Jahr nicht fallen, heißt es im letzten Beschäftigungs-Jahresbericht der Brüsseler Behörde.

Den niedrigsten Arbeitslosenstand jüngerer Jahre verzeichnete die EU übrigens zu Beginn 2008: Damals waren gerade einmal 16 Millionen Menschen arbeitslos, bei einer Quote von 6,7 Prozent. Der Beginn der Finanzkrise noch im gleichen Jahr setze der rosigen Entwicklung am Arbeitsmarkt jedoch ein jähes Ende.

Im vergangenen Jahr verschärfte sich die Situation monatlich: Seit dem Frühjahr 2011 ist die Zahl der Arbeitslosen im Durchschnitt um jeweils 200.000 pro Monat gestiegen. # dpa-Notizblock ## Redaktionelle Hinweise - Es handelt sich um die höchsten Zahlen seit Beginn der Aufzeichnung durch Eurostat. Daten für die Länder der heutigen Eurozone reichen bis 1995 zurück, für ganz Europa bis 1993.

Von

dpa

Kommentare (1)

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DERRichter

02.04.2012, 15:58 Uhr

Die Mehrheitsbevölkerung bezahlt nun in die Zeche für den neoliberalen Wahn. Schon seit mehreren Monaten zeichnete sich ab, dass 2012 ein Wendejahr werden könnte, in dem Europas Konjunktur massiv einknicken würde. Schon damals hätte man europaweit! -zur Vermeidung jeglichen Steuertourismus- auf die jeweils bestehenden Höchststeuersätze 7 Prozent drauf schlagen müssen, und das so eingenommene Geld in Förderprogramme zur ökologischen Modernisierung und -wo nötig- in Bildung und Infrastruktur-
programme stecken müssen. Dies hätte die lokale Bau- und Bildungswirtschaft angekurbelt und zugleich über Modernisierungskredite zur Niedrigstzinsen (1 Prozent Jahreszins maximal!) die erwünschte ökologische Modernisierung sozialverträglich und ohne besondere Härten ermöglicht. Arbeitsplätze, Wachstum, Bildung und Ökoeffizienz hätten davon nachhaltig profitiert. Aber da die meisten Regierungen in Europa ja nichts andere als die willfähige Hure neoliberaler Banker, Großkonzerne und
Mulimillionäre sind, wurden nur die Staatsausgaben zusammengestrichen.Der soziale und wirtschaftliche Preis,
den Europa für dieses Hurendarsein der Regierungen zahlen muss, wird einem wahren Blutbad ähneln. Der säuisch-neoliberale FDP-Geist killt uns noch alle.

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