Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2014

16:31 Uhr

EU-Währungskommissar Rehn

„Euro nicht mehr existenziell bedroht“

Für EU-Währungskommissar Rehn hat Europa das Schlimmste überstanden. Die Erholung habe begonnen. Probleme könnte es mit den Banken geben, die laut OECD massiv unterkapitalisiert sind – auch einige deutsche Institute.

Die Europäische Zentralbank, Deutschland, Frankreich und andere Länder haben dem Euro aus der existentiellen Bedrohung geholfen. dpa

Die Europäische Zentralbank, Deutschland, Frankreich und andere Länder haben dem Euro aus der existentiellen Bedrohung geholfen.

DavosDie existenzielle Bedrohung des Euro durch die Schuldenkrise ist nach den Worten von EU-Währungskommissar Olli Rehn abgewendet worden. Dank der umfangreichen Rettungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank sowie Deutschlands, Frankreichs und anderer Länder habe 2013 in der Eurozone die erhoffte wirtschaftliche Erholung begonnen, sagte Rehn am Samstag beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos.

Das wirtschaftliche Klima in Europa habe sich in den letzten 18 Monaten erheblich verbessert. In diesem Jahre werde sich der Erholungsprozess fortsetzen, sagte Rehn bei einer WEF-Debatte über die Reform des europäischen Bankensektors.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, die wirtschaftliche Europas hänge nicht allein vom Bankensektor ab. „Wir müssen die Probleme durch finanzielle Disziplin bei gleichzeitigen Strukturreformen lösen.“ Die geplante Schaffung der europäischen Bankenunion sei der richtige Weg.

Die wichtigsten Fragen zur Bankenunion

Warum ist die Bankenunion für Europa wichtig?

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 versucht die EU, die Finanzbranche sicherer zu machen. Der Grundgedanke dabei ist, dass Steuerzahler nicht mehr für die Fehler von Geldhäusern zahlen müssen. Zur Bankenunion gehört die bereits fest vereinbarte Aufsicht für große Banken der Eurozone - sie wird im November 2014 unter dem Dach der Europäischen Zentralbank starten. Der zweite Pfeiler ist das nun von den EU-Staaten beschlossene System zur Schließung oder Sanierung von Pleitebanken.

Warum muss es schnell gehen?

Da die neue Aufsicht Ende kommenden Jahres startet, muss Klarheit darüber herrschen, wie Europa mit Krisenbanken umgeht. Dieser Schritt ist jetzt getan.

Gibt es künftig eine neue Einrichtung für Pleitebanken?

Ja. Es wird ein einheitlicher europäischer „Abwicklungsfonds“ mit Bankengeldern aufgebaut. Nach zehn Jahren sollen 55 Milliarden Euro zusammenkommen. In der Aufbauphase wird es „nationale Abteilungen“ in diesem Fonds geben, die aus schon bestehenden Krisentöpfen der Mitgliedstaaten gebildet werden. Deutschland fuhr beim Fonds eine harte Linie, um eine übermäßige Inanspruchnahme deutscher Banken zu verhindern.

Die Staaten sind bei Bankenkrisen künftig ganz aus dem Schneider?

Nein. Wenn es Probleme gibt, werden in einer langen Übergangsphase die Staaten in letzter Konsequenz einspringen müssen. Wenn sie es selbst nicht können, gibt es auch die Möglichkeit, nach dem spanischen Modell Hilfskredite vom Euro-Rettungsschirm ESM zu erhalten. Spanien hatte für seine maroden Banken gut 40 Milliarden Euro Darlehen erhalten.

Wer entscheidet über die Schließung einer Pleitebank?

Es wird de facto ein sogenanntes Abwicklungsgremium sein, in dem ständige Mitglieder und auch Vertreter nationaler Behörden sitzen. Die EU-Kommission bekommt ein Einspruchsrecht - und erst bei ihrem Widerspruch müssen dann die EU-Finanzminister einbezogen werden. Da schnelle Beschlüsse getroffen werden müssen, werde es ein „Ping-Pong“-Spiel zwischen verschiedenen Behörden in der Praxis kaum geben, meinen Experten.

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem erwartet, dass die nächsten Banken-Stresstests in Europa im Frühsommer noch bestehende Probleme aufzeigen. Es gelte, alle noch versteckten Risiken aufzudecken. Die Stresstests müssten deshalb unnachgiebig durchgeführt werden.

Die OECD hält die viele europäische Institute, auch einige der großen deutschen, einem Bericht zufolge für massiv unterkapitalisiert. Die multinationale Organisation gehe davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer großen Bilanzprüfung in diesem Jahr zu einem ähnlichen Ergebnis kommen werde, berichtete die Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ am Samstag.

Die OECD-Studie beziffere die Unterkapitalisierung auf 84 Milliarden Euro, so der Bericht. Am dramatischsten sei die Situation bei der französischen Crédit Agricole, wo sich die Unterfinanzierung auf 31,5 Milliarden Euro belaufe. An zweiter Stelle folge die Deutsche Bank mit einer Kapitallücke von 19,0 Milliarden Euro, auf dem dritten Rang die Commerzbank mit 7,7 Milliarden Euro.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

r-tiroch@t-online.de

27.01.2014, 08:46 Uhr

erstaunlich welche Mühe sich alle geben um die krise als beendet zu erklären und alles gut sei. darüber lacht ganz Amerika. und offen gesagt ich auch. nur die Optimisten wollen den scheiß zu 200% glauben.

Account gelöscht!

27.01.2014, 12:51 Uhr

Euro nicht mehr exsistenziell bedroht.

Damit gebe ich Herr Rehn sogar Recht. Solange die EZB unbegrenzt Geld druckt, ist der Euro sicher.
Zumindest eine kleine Weile. Warum druckt man unbegrenzt Geld? Weil die Zinsen für die Euro Raum Schulden niemand mehr bezahlen kann. Stellt sich die Frage, wie lange geht so etwas gut. Das kann ich nur schätzen. Hängt davon ab, wie heftig die Druckpresse läuft und der Bürger diese Niedrigzinspolitik durchhält. Auf einem guten Weg sind wir keinesfalls, solange nicht die Verschuldung rückläufig ist. Und daran glaube ich in diesem Leben nicht mehr, auch keinen schönen Worten.
Spätestens jetzt müsste es dem Michel mulmig im Bauch werden. Aber nix.


Dank der umfangreichen Rettungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank sowie Deutschlands, Frankreichs und anderer Länder habe 2013 in der Eurozone die erhoffte wirtschaftliche Erholung begonnen, sagte Rehn am Samstag beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos.

Soso, die wirtschaftliche Erholung der Eurozone hat begonnen.
Welcher Glaskugel hat er das entnommen? In keinem EZland ist die Verschuldung reduziert worden. Erholung ist nirgens sichtbar, auch in Irland nicht. Nur unbegrentes Geld der EZB gibt kurzfristig Sicherheit.
Ausserdem hat wirtschaftliche Erholung nichts gemein mit umfangreichen Rettungsmaßnahmen, besonders nicht bei Bankenrettungen.

Schönen Tag noch.

compact-magazin_com

27.01.2014, 16:07 Uhr

Während die gleichgeschalteten Massenmedien den DAX und den scheinbar stabilen Euro feiern, braut sich in Europa der nächste verheerende Schritt der Krise zusammen.

Werfen wir einen Blick auf die Krisenherde, eine Rundreise des Grauens:

Portugal:
Ab Mitte 2014 soll sich laut gleichgeschalteten Massenmedien das Land wieder komplett selbst finanzieren so die Planung der Euro-Politiker.

Wer glaubt's?

Viel wahrscheinlicher: Mitte 2014 kommt der nächste Hilfeschrein aus Portugal und neue Milliarden werden nötig um die Staatspleite abzuwenden!

Zypern:
Arbeitslosenquote aktuell bei 17 %.
Wirtschaftskraft in 2013 um 8,3% gesunken.
Mit anderen Worten. Hier geht’s abwärts und zwar schnell.

Frankreich:
Der Präsident liegt quasi am Boden.
Nach den Frauengeschichten nimmt ihn keiner mehr ernst.
Mehr als 11% Arbeitslosenquote doppelt so viel wie in Deutschland. Das Bruttoinlandprodukt sinkt. Haushaltslage dramatisch.
Aufgeheizte Stimmung bei der Bevölkerung, die ein Abrutschen in griechische Verhältnisse fürchtet.
Meine Prognose: In Frankreich wird es gefährlich!
Hier könnte es 2014 zur Explosion kommen, die das Zeug hat, auch Deutschland mit in den Abgrund zu reißen.

Spanien:
Bereits im 22. Monat in Folge geht die Industrieproduktion dank Euro zurück.
Zuletzt 1,9% innerhalb eines Monats! Mit anderen Worten. Die spanische Wirtschaft trocknet aus. Die immobilienpreis sind um 70 % eingebrochen immer noch lauern verheerende Kreditverluste bei den Banken, die zum finalen Todesstoß werden könnten.

Griechenland:
Es ist kaum zu glauben, aber es kann noch weiter bergab gehen. Die Wirtschaft schrumpft weiter, zuletzt um 4,6%. Arbeitslosenquote bei knapp 30%. Die Tragödie nimmt kein Ende.

Ziehen Sie sich warm an. Es wird ungemütlich. Die Massenarbeitslosigkeit wird in ganz Europa und in Deutschland ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen.

Wie kann man da von "Euro nicht mehr existenziell bedroht" ausgehen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×