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24.10.2013

19:16 Uhr

Euro-Krise

Arbeitslosigkeit Frankreichs auf neuem Höchststand

In Frankreich sind derzeit 3,29 Millionen Menschen als arbeitssuchend registriert – damit erreicht die Arbeitslosigkeit einen neuen Rekordwert. Dennoch will das Arbeitsministerium einen leicht positiven Trend erkennen.

Demonstration von Alcatel-Lucent-Mitarbeitern gegen einen Jobabbau: Im September waren in Frankreich 60.000 Menschen mehr arbeitslos. dpa

Demonstration von Alcatel-Lucent-Mitarbeitern gegen einen Jobabbau: Im September waren in Frankreich 60.000 Menschen mehr arbeitslos.

PairsDie Arbeitslosigkeit in Frankreich hat im September einen neuen Höchststand erreicht. Die Zahl der registrierten Arbeitssuchenden stieg im Monatsvergleich um 60.000 auf 3,29 Millionen Menschen an, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Das entspricht einem Anteil von rund 10,9 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung.

Im Zweimonatsvergleich sei jedoch nur ein Anstieg um 10.000 Menschen zu verzeichnen, was einen insgesamt positiven Trend bestätige, hieß es weiter. Zudem hatte es im vergangenen Monat eine Panne bei der Erfassung gegeben, weshalb bereits im Vorfeld mit einem merklichen Anstieg gerechnet worden war.

Insgesamt sind in Frankreich der Statistik zufolge derzeit 4,84 Millionen Menschen auf der Suche nach einer Erst- oder Zusatzbeschäftigung. Laut der neuen Statistik ist weiterhin die Jugendarbeitslosigkeit ein großes Problem. Im Vergleich zum August stieg die Zahl der unter 25-jährigen Arbeitssuchenden demnach um drei Prozent an. Seit Mai sei sie jedoch um 0,5 Prozent pro Monat gefallen.

Woran Frankreich krankt

Wettbewerbsfähigkeit

In Frankreich sticht die ungünstige Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit hervor. Auch deshalb ist der Weltmarktanteil des Exportsektors des Landes deutlich gesunken; die Leistungsbilanz hat sich seit Beginn der Währungsunion kontinuierlich verschlechtert– von einem Überschuss von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu einem Defizit von zuletzt etwa 2 Prozent. Im Durchschnitt der zurückliegenden drei Jahre hat Frankreich damit das höchste Leistungsbilanzdefizit aller Kernländer aufgewiesen. Im „Global Competitiveness Report 2012-2013“ belegt Frankreich damit nur Rang 21 von insgesamt 144 Ländern. Im Jahr 2010 wurde es mit Rang 15 noch deutlich besser bewertet.

Quelle: Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute; Commerzbank

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten sind seit 1999 um 30 Prozent gestiegen. Die Lage heute: Während eine Arbeitsstunde deutsche Arbeitgeber 30,40 Euro kostet, fallen westlich des Rheins 34,20 Euro an. Typisch für den Niedergang sind die Autobauer. „Hier verdichten sich die Probleme Frankreichs“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Das Land produziere 40 Prozent weniger Kraftfahrzeuge als 2005, Deutschland dagegen 15 Prozent mehr.

Arbeitslosigkeit

Die wirtschaftliche Entwicklung lässt kaum eine deutliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der öffentlichen Verschuldung erwarten. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf einem hohen Niveau jenseits von 10 Prozent verharren.

Staatsverschuldung

Noch wird die Schuldentragfähigkeit von den Anlegern nicht in Frage gestellt. Die öffentliche Verschuldung Frankreichs hat sich aber seit der Großen Rezession deutlich erhöht. Zwischen 2008 und 2012 stieg die Schuldenstandsquote um rund 25 Prozentpunkte auf über 90 Prozent. Im Jahr 2012 lag die Defizitquote weiterhin deutlich oberhalb von 3 Prozent, und auch für das Jahr 2013 wird eine diesen Wert überschreitende Quote erwartet. Damit steigt die öffentliche Verschuldung weiter.

Private Verschuldung

Die private Verschuldung ist in Frankreich weniger stark gestiegen und liegt auf einem deutlich geringeren Niveau als z. B. in Irland, Spanien und Portugal. Dennoch ist Frankreich das einzige der ausgewählten Länder, in dem die private Verschuldung auch seit 2009 noch merklich zunimmt.

Verlust von Weltmarktanteilen

Große Probleme bestehen im externen Sektor. Der überdurchschnittlich starke Verlust von Weltmarktanteilen ist in Kombination mit trendmäßig steigenden Leistungsbilanzdefiziten besorgniserregend. Dies dürfte nicht allein auf Veränderungen der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sein; diese hatte sich zwischen 2000 und 2008 permanent verschlechtert, verbesserte sich seitdem aber. Insbesondere Frankreichs Exportwirtschaft ist es nicht gelungen, vom ökonomischen Aufschwung der Schwellenländer zu profitieren, sondern sie hängt nach wie vor von den Märkten im Euroraum ab.

Für Frankreichs kriselnde Wirtschaft hatte es zuletzt Signale der Hoffnung gegeben. So bestätigte das Statistikamt Insee kürzlich, dass nach einer kurzen Rezession die Wirtschaft im zweiten Quartal 2013 um überraschende 0,5 Prozent angewachsen war. Der Internationale Währungsfonds rechnet für das laufende Gesamtjahr mit einem Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozent, für das kommenden Jahr sagt er ein Plus von 1,0 Prozent voraus.

Von

afp

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

24.10.2013, 19:42 Uhr

Hier kann man schon mal in Echtzeit beobachten, was linke Politik bedeutet.

peer-Bilderberger

24.10.2013, 20:00 Uhr

iwi ein Land, wo es fast nur Katholen gibt, oder?

Account gelöscht!

24.10.2013, 20:24 Uhr

ja, keiner ist unnütz.

Man kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen.

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