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14.08.2013

11:06 Uhr

Euro-Krise

Das Ende der historischen Rezession

VonJan Mallien

Fast zwei Jahre lang schrumpfte die Euro-Zone Quartal um Quartal – so lange wie nie. Doch jetzt zeichnet sich auch in den harten Zahlen eine Trendwende ab. Das zeigt vor allem eines: Die Euro-Rettungspolitik wirkt.

Die Euro-Zone schafft es aus der Krise

Video: Die Euro-Zone schafft es aus der Krise

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DüsseldorfAusgerechnet wenige Wochen vor der Bundestagswahl kommt die Nachricht auf die alle seit fast zwei Jahren warten. Erstmals seit sechs Quartalen hat es die Euro-Zone geschafft aus der Rezession zu kommen. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen wuchsen die beiden Schwergewichte Deutschland und Frankreich wieder kräftig – zum anderen fiel die Rezession in den Krisenländern deutlich geringer aus als zuvor. Die Wirtschaft der Eurozone legte im Frühjahr laut dem Europäischen Statistikamt Eurostat um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu.

Das zeigt: Die Euro-Rettungspolitik wirkt. Vor einem Jahr hatte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, angekündigt, dass die Notenbank im Notfall unbegrenzt Anleihen der Krisenländer aufkaufen werde. Dieses Versprechen hat vielen Investoren die Angst vor einem Zusammenbruch des Euros genommen und ihr Vertrauen in den Währungsraum gestärkt. Damit kommen nun andere wirtschaftsstützende Maßnahmen wie etwa die ultraniedrigen Zinsen besser zur Geltung.

EZB-Anleihe-Programm zur Lösung der Euro-Krise

Mehr Transparenz

Die EZB hatte im Mai 2010 nach einem Wochenende hektischer Rettungsaktionen der Euro-Staaten für Griechenland spontan ein Anleihekaufprogramm beschlossen. Die Konditionen des „Securities Market Programme (SMP)“ blieben weitgehend im Dunkeln. Die EZB gab lediglich im Nachhinein wöchentlich bekannt, welche Summen an Staatspapieren aus dem Markt genommen wurden, ohne dabei die Länder zu nennen. Zu beobachten war im Handel aber, dass die Zentralbank zunächst Griechenland und dann Irland und Portugal stützte, die unter den Rettungsschirm EFSF geschlüpft waren. Im Sommer 2011 folgten Spanien und Italien. Das Interventionsvolumen von SMP beläuft sich auf 209 Milliarden Euro.

Verzicht auf Limits

So wie unter dem alten Programm nennt die EZB unter dem neuen Plan namens OMT („Outright Monetary Transactions“) vorab keine Summe über mögliche Anleihekäufe. Mit dem Verzicht auf ein Limit signalisiert die Zentralbank, dass sie einen langen Atem hat. Die Notenbank will sich bei den Laufzeiten der betroffenen Staatspapiere auf eine Spanne von einem Jahr bis drei Jahren beschränken. Begründet wird das mit dem Ziel des Programms: Der EZB geht es nicht darum, die Anleihezinsen zu drücken, um den Regierungen die Staatsfinanzierung zu verbilligen.

Niedrige Zinsen kommen nicht beim Verbraucher an

Sie begründet ihr Eingreifen damit, dass die hohen Zinsen auf Staatspapiere indirekt die Kreditzinsen für die Verbraucher nach oben treiben. Der rekordtiefe Leitzins der Notenbank von 0,75 Prozent komme bei den Bankkunden nicht an. Die Übertragung der auf stabile Preise zielenden Geldpolitik sei damit gestört. Als Zeitraum für das Durchwirken der Leitzinsen auf die Marktzinsen veranschlagt die Zentralbank etwa drei Jahre.

Keine Hilfe ohne Spar- und Reformprogramm

Als Lehre aus der Hilfsaktion für Italien will die EZB in Zukunft nur den Ländern unter die Arme greifen, die den Rettungsfonds EFSF und seinen Nachfolger ESM um Hilfe bitten. Es kann sich dabei um ein umfangreiches Hilfsprogramm zu Staatsfinanzierung handeln oder um vorbeugende Kreditlinien bei ersten Finanzierungsengpässen. Die Regierungen müssen sich als Gegenleistung zu einem strikten Spar- und Reformprogramm verpflichten. Im vergangenen Jahr hatte die italienische Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi die Reformbemühungen gedrosselt, als die Zinsen dank EZB-Anleihekäufen sanken. Die EZB wird künftig im Nachhinein bekanntgeben, von welchen Ländern sie Staatsanleihen gekauft hat.

EZB verzichtet auf Privilegien

Bisher genoss die EZB einen bevorzugten Gläubigerstatus. Damit würde die Notenbank bei einem Ausfall von Anleihen entschädigt, während viele Privatanleger Verluste hinnehmen müssen. Das wirkt abschreckend auf private Anleihekäufer und erschwert die angestrebte Entspannung bei den Zinsen. Die EZB will deshalb künftig auf das Privileg verzichten. Sie muss deshalb so wie die beteiligten nationalen Notenbanken im Pleitefall Verluste hinnehmen.

Inflationsbremse bleibt angezogen

Wie bisher will die EZB verhindern, dass durch den Aufkauf von Staatsanleihen die Geldmenge wächst, weil den bisherigen Besitzern der Anleihen frisches Geld zufließt. Die Notenbank erreicht das, indem sie die Anleihekäufe neutralisiert. Über ihre Geldmarktgeschäfte entzieht die EZB den Banken das Geld, das sie zuvor für Staatsanleihen neu geschaffen hat.

Die größere Zuversicht in der Euro-Zone zeigt sich schon seit längerem in den Stimmungsindikatoren. Im August beispielsweise stieg das vom Münchner Ifo-Institut erhobene Wirtschaftsklima in der Euro-Zone auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Jetzt schlägt sich der Optimismus auch in den harten Daten nieder.

Besonders dynamisch entwickelte sich die deutsche Wirtschaft. Sie wuchs im zweiten Quartal 2013 gegenüber dem Vorquartal kalenderbereinigt um 0,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist das kräftigste Wachstum seit Anfang 2012. Experten hatten ein etwas kleineres Plus von 0,6 Prozent erwartet.

„Die deutsche Wirtschaft hat ein beeindruckendes Comeback hingelegt“, sagte Unicredit-Ökonom Alexander Koch. Das Statistische Bundesamt führt das hohe Wachstum vor allem auf die starke Binnenkonjunktur und höhere Investitionen zurück. Bei den Investitionen habe es einen witterungsbedingten Nachholeffekt gegeben, da im ungewöhnlich langen und kalten Winter ein großer Teil der Bauproduktion zurückgestellt werden musste.

Kommentare (204)

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manthra

14.08.2013, 11:16 Uhr

Die Wahlen in Deutschland rücken näher, die Schlagzeilen dürfen um Himmelswillen nie negativ, kritisch, krisenhaft-real in der Darstellung sein.

Brueller

14.08.2013, 11:16 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

manthra

14.08.2013, 11:18 Uhr

Die Wahlen in Deutschland rücken näher, die Schlagzeilen dürfen um Himmelswillen nie negativ, kritisch, krisenhaft-real in der Darstellung sein. In Wiesbaden wird ein europäischer NSA-Pfeiler zur Ausspionierung gebaut. HB berichtet NIE darüber. Das Internet soll seine Informationsfreiheit sukkzessive verlieren, beginnend dank Cameron 2014 in London. HB verliert nie einen Bericht darüber. Alles tolle, heile Welt!! Propagandamedium der Bundesregierung, Bundesbank, EU.

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