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08.10.2011

08:38 Uhr

Euro-Krise

Die Angst vor dem nächsten großen Knall greift um sich

Die IG Metall befürchtet eine Rezession, die Weltbank kritisiert die deutsche Politik: Die Euro- und Finanzmarktkrise beunruhigt auch die Realwirtschaft immer stärker. Italiens Notenbank-Vize bangt um die Weltwirtschaft.

Der Erste Vorsitzende der IG Metall Berthold Huber warnt vor einer Wirtschaftskrise. dapd

Der Erste Vorsitzende der IG Metall Berthold Huber warnt vor einer Wirtschaftskrise.

Berlin/HannoverIG-Metall-Chef Berthold Huber hat vor den Folgen einer erneuten Bankenkrise gewarnt. „Wenn ich mir die Entwicklung an den Finanzmärkten anschaue, dann halte ich es für möglich, dass wir schon wieder kurz vor dem Abgrund stehen“, sagte Huber der „Berliner Zeitung“ (Samstag). „Eine Bankenkrise könnte schnell auf die Realwirtschaft übergreifen. Das haben wir ja 2008 erlebt.“ Zu befürchten sei, dass Unternehmen nicht mehr ausreichend mit Krediten versorgt werden.

Der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“ (Samstag) sagte Huber, dass möglicherweise sogar „über Nacht eine Liquiditätskrise der Unternehmen“ drohen könnte. Für diesen Fall rege er an, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung an Arbeitsmarktinstrumenten wie der Kurzarbeit festhält. Die Erleichterungen für die Unternehmen bei der Kurzarbeit hätten nicht zurückgenommen werden dürfen.

Welche Großbanken im Visier der Ratingagenturen sind

Italien

Standard & Poor's hat am Mittwoch den 21. September die langfristige Kreditwürdigkeit von sieben italienischen Instituten herabgestuft und deren Ausblick mit negativ bewertet. Darunter sind auch Größen wie Mediobanca und Intesa SanPaolo, die von der Bonitätsstufe „A+“ auf „A“ rutschten. Die Ratingagentur drohte, dass noch acht weitere Häuser abgewertet werden könnten - unter anderem die größte italienische Bank Unicredit. Die Herabstufung der Geldhäuser ist in diesem Fall eng verknüpft mit der Bewertung der Staatsbonität. Anfang der Woche stufte S&P Italien ebenfalls von „A+“ auf „A“ ab.

Frankreich

Ins Visier der Ratingagentur Moody's gerieten am 14. September zwei der drei französischen Großbanken. Die Kreditwürdigkeit der Crédit Agricole und der Société Générale wurde jeweils um eine Stufe auf „Aa2“ beziehungsweise auf „Aa3“ herabgestuft. Das entspricht immer noch einer sehr guten bis guten Bonität. Begründet wurde die Entscheidung mit den Engagements der Banken in Griechenland. Die Ratingagentur erwägt wegen der angeschlagenen Finanzmärkte eine weitere Abstufung der Noten. Beim Marktführer BNP Paribas wurde die Frist für die Überprüfung verlängert.

Griechenland

Während italienische und französische Banken trotz Herabstufung noch über eine gute Bonität verfügen, steht die Kreditwürdigkeit griechischer Geldhäuser seit dem Sommer auf „Ramschniveau“. Am Donnerstag den 22. September hat Moody's acht Institute nochmals um zwei Stufen herabgestuft - sie stehen aufgrund der Schuldenkrise und drohende Pleite des Landes kurz vor einem Zahlungsausfall. Die EmporikiBank, eine Tochter der französischen Credit Agricole, und die General Bank notieren nun bei „B3“, die National Bank, die EFG Eurobank, die Alpha-Bank, die Piräus Bank, die Attica Bank und die ATE bei „Caa2“.

USA

Nach Einschätzung von Moody's würde die US-Regierung eine aktuelle Bankenpleite möglicherweise nicht auffangen. Mit der Warnung ging eine Herabstufung einher: Die Ratingagentur attestierte der Bank of America, dem größten Geldhaus der USA, statt eines guten Ratings („A2“) nur noch ein befriedigendes („Baa1“). Auch Konkurrent Wells Fargo rutschte leicht von „A1“ auf “A2“ - immer noch eine gute Bonität.

Deutschland

DDie französische Société Générale rutschte im Moody's-Rating auf „Aa3“ - das entspricht der Bonität der Deutschen Bank. Von Standard & Poor's erhält Deutschlands größtes Geldhaus ein „A+“, von Fitch ein „AA-“. Die Einstufungen sprechen für eine gute bis befriedigende Bonität. Die Commerzbank als Nummer zwei erhält von den drei Ratingagenturen jeweils eine „befriedigende“ Beurteilung. Keine private deutsche Großbank wurde während der Zuspitzung der Euro-Krise in diesem Jahr in ihrer langfristigen Bonität herabgestuft.

Spanien, Portugal, Irland

SPANIEN, PORTUGAL und IRLAND: In den drei anderen PIIGS-Staaten neben Italien und Griechenland ist die Situation unterschiedlich. Moody's senkte die Bewertung der Anleihen von 30 spanischen Instituten im März dieses Jahres um eine oder mehr Stufen. Die beiden Großbanken Santander und BBVA waren von der Abstufung aber nicht betroffen. Ihre Bonität ist nach wie vor gut. Die größte portugiesische Bank, Caixa Geral de Depósitos, wurde dieses Jahr dagegen von allen drei Ratingagenturen jeweils zweimal abgestuft. Ihre Bonität wird durchgehend als befriedigend bewertet.

Die Kreditwürdigkeit mehrerer großer irischer Institute wie der Bank of Ireland oder der Allied Irish Banks wurde durch die Fast-Pleite des Landes 2010 von Moody's auf „Ramschniveau“ herabgestuft.

Die IG Metall kommt am Sonntag zu einem mehrtägigen Gewerkschaftstag in Rheinstetten zusammen. Dabei steht auch Hubers Wiederwahl an der Spitze der größten deutschen Industriegewerkschaft an.

Hubers Vize Detlef Wetzel griff in der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstag) die Arbeitgeber scharf an. Das Verhältnis sei inzwischen „leider alles andere als harmonisch“. Die Strategie der Arbeitgeber, prekäre Beschäftigungsverhältnisse wie Leiharbeit, Werkverträge und befristete Verträge zu fördern, sei ein „elementarer Angriff auf jegliche vernünftige Umgangsarten“. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nannte Wetzel die „Wegbereiterin von schlecht bezahlter Leiharbeit“.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Bankenverbandes, Michael Kemmer, hat sich dagegen zuversichtlich gezeigt, dass die Finanzmarktkrise geregelt werden kann - vorausgesetzt Politik und andere Beteiligte hielten klaren Kurs. In einem Interview der „Leipziger Volkszeitung“ (Samstagsausgabe) sagte Kemmer, die europäischen Regierungen hätten mit der EFSF-Reform und dem zweiten Griechenlandpaket „ein durchaus überzeugendes Instrumentarium vorgelegt, um die Krise Schritt für Schritt in den Griff zu kriegen“. „Nun heißt es Kurs halten und ein klares Signal für Europa und den Euro senden.“

Kommentare (38)

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Bruder-Helmut

08.10.2011, 08:50 Uhr

Stimmt, die nächste Krise kommt bestimmt.

man weiß nie, wann die Illuminaten über ihre angekoppelten Banken die nächste Krfise vom Zaun reißen.

Man sollte sich wirtschaftlich wirklich von den Mega-Banken frei machen. Aber auch den Sparkassen, denn die gehören nur mal den Politikern

Parteien_und_Finanzdiktatur

08.10.2011, 09:03 Uhr

Geht endlich auf die Straße!

Das verlogene, korrupte und selbstbedienerische Pack der Parteien- und Finanzdiktatur wird Euch alles nehmen, wenn ihr nicht endlich Flagge zeigt!

Seid einmal im Leben Demokraten. Einmal im Leben verantwortlich. Einmal im Leben kein jammernder, obrigkeitshöriger Michel.

so_siehts_aus

08.10.2011, 09:14 Uhr

Die Politik muss endlich begreifen, dass dieses Finanzsystem am Ende ist. Ist das so schwer?
Vorübergehende Verstaatlichung der Banken. Reorganisation durch glasklare Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken (Casino). Klare Regeln, Absicherung nur noch von realwirtschaftlichen Vorhaben und tatsächlichen Sparleistungen wie Rentenplänen, LV´s usw.

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