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29.07.2013

11:50 Uhr

Euro-Krise

Heftige Kritik an Ökonomen-Aufruf zur EZB

Der Unterstützer-Aufruf einiger renommierter Ökonomen für das Anleiheprogramm der EZB sorgt für Ärger. Einige Fachkollegen reagieren irritiert. Sie warnen vor einer Bevormundung des Bundesverfassungsgerichts.

Ein zufriedener EZB-Chef Draghi. Er bekommt für seinen Kurs Unterstützung von deutschen Ökonomen. Doch es gibt auch deutlichen Widerspruch. Reuters

Ein zufriedener EZB-Chef Draghi. Er bekommt für seinen Kurs Unterstützung von deutschen Ökonomen. Doch es gibt auch deutlichen Widerspruch.

Nicht zum ersten Mal sorgt ein Aufruf für Ärger in der Ökonomenszene. In einer gemeinsamen Erklärung haben renommierte Ökonomen wie DIW-Chef Marcel Fratzscher und die frühere Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro die Linie von EZB-Chef Draghi gestützt. Doch nicht bei allen Fachkollegen kommt das gut an.

Die Ökonomen um Fratzscher und di Mauro warnen vor einer "tiefen Depression", falls das Bundesverfassungsgericht die Macht der Europäischen Zentralbank (EZB) einschränken sollte. „Wir – eine vielfältige Gruppe von Ökonomen aus der ganzen Welt – sind schwer beunruhigt über die Angriffe in Deutschland von einigen Ökonomen, Politikern und Beobachtern auf die EZB und ihre Politiken, besonders gegen das OMT-Anleihekaufprogramm“, heißt es in dem Aufruf.

Vor einem Jahr hatte EZB-Chef Draghi angekündigt, dass die EZB alles notwendige tun werde, um den Euro zu retten. Einige Wochen später legte sie das OMT-Programm auf, über das sie im Notfall unbegrenzt Anleihen der Krisenländer kaufen kann.

Der Bonner Makroökonom Jürgen von Hagen hat den Aufruf nicht unterschrieben. Seine Antwort soll sehr deutlich ausgefallen sein: „Bei allem Respekt finde ich diesen Aufruf äußerst fürchterlich“, schrieb er laut FAZ an die Verfasser. Es sei das Recht des Gerichthofs selbst zu entscheiden, was richtig oder falsch sei. Andeutungen, wonach der Gerichtshof der Stimme der Massen gehorchen solle, seien eine Beleidigung des Verfassungsgerichts.

Zu den weiteren Kritikern des Aufrufs gehören auch der der frühere DIW-Forschungsdirektor Ansgar Belke und der emeritierte Bonner Geldtheoretiker Manfred Neumann. Ähnlich wie von Hagen kritisierte Neumann gegenüber der FAZ, dass der Aufruf faktisch auf den Versuch hinauslaufe, öffentlichen Druck auf das Bundesverfassungsgericht auszuüben.

Belke erwartet, dass die Massenpetition die nächste Gegenpetition provozieren werde. Er wirft den Aufrufenden vor, dass der Eindruck vermittelt werden solle, dass der Mainstream der deutschen Ökonomen gegen den Rest der Welt stehe.

Kommentare (60)

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Account gelöscht!

29.07.2013, 11:59 Uhr

Es sind natürlich vornehmlich ausländische "Experten". Denen geht es nur um das Geld der Deutschen. Sie sollen zahlen und sich dabei glücklich fühlen.
Widerlichste Perfidie in Reinstform! WIDERLICH!

Account gelöscht!

29.07.2013, 12:09 Uhr

Sehr schön, dass das Handelsblatt auch über die Gegenposition zu den Positionen der alternativlosen Geldsystemzerstörer berichtet.

Allerdings macht die Debatte auch deutlich, dass aus Sicht der Ökonomen derzeit nur die Wahl besteht zwischen Pest und Cholera. Entweder eine Depression mit Bereinigung der ohne Doping nicht tragfähigen Wirtschaftsstrukturen oder Fortesetzung des Dopings bis zur Zerstörung des Geldsystems mit anschließender Barbarei und Chaos. Zugegeben beides nicht besonders verlockend.

Joker1

29.07.2013, 12:15 Uhr


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