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13.09.2011

16:46 Uhr

Euro-Krise

IWF hält eigenen Rettungsschirm weiter aktiv

VonMarkus Ziener

Zur Krisenbekämpfung hat der IWF bei seinen Mitgliedsstaaten fast 590 Milliarden Dollar reserviert. Nun soll der Rettungsschirm verlängert werden: Selbst die Riesensumme könnte laut IWF-Chefin Lagarde nicht reichen.

IWF-Chefin Christine Lagarde: "Die Frage ist, ob wir genügend Mittel haben, um den Krisen angemessen zu begegnen." Reuters

IWF-Chefin Christine Lagarde: "Die Frage ist, ob wir genügend Mittel haben, um den Krisen angemessen zu begegnen."

WashingtonDer Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet ganz offensichtlich nicht mit einem schnellen Ende der Eurokrise. So könnte der Fonds möglicherweise schon in den nächsten Wochen erneut Reserven im Umfang von knapp 590 Mrd. Dollar aktivieren, um sicherzustellen, dass im Ernstfall genug Geld für Rettungsmaßnahmen bereit steht. Sollte der Fonds das Geld auch abrufen, könnten auf die Mitgliedsstaaten erhebliche Zahlungsverpflichtungen zukommen.

Bereits im April hatte der IWF die Reserve („New Arrangements To Borrow“), abgekürzt NAB, für die Dauer von sechs Monaten mobilisiert. Ende letzter Woche wurde beim Treffen des Exekutivrates nun erneut darüber diskutiert, ob der Zugriff auf diese Mittel um ein weiteres Halbjahr verlängert werden soll. In Washington hieß es, dass sich eine große Mehrheit der Anteilseigner für eine solche Maßnahmen ausgesprochen habe.

Die Kreditreserve war erst im März geschaffen worden, damit der Fonds in Notfällen schnell auf Geldmittel zugreifen kann. Direkt nachdem man sich auf die Einrichtung der NAB geeinigt hatte wurde sie auch aktiviert. Das heißt, dass dann die beteiligten Regierungen die Gelder auch sofort zur Verfügung stellen müssen, sollten sie gebraucht werden. Der IWF selbst hat so gut wie keine eigenen Finanzmittel, sondern lediglich das Recht, von seinen Mitgliedern Geld einzufordern. Die jeweilige Höhe ist in einem Quotensystem geregelt.

Derzeit können über die NAB maximal 586 Mrd. Dollar abgerufen werden. Die Aktivierung gilt für jeweils sechs Monate und muss danach im Bedarfsfall erneuert werden. Aktuell sind rund 40 Länder oder Notenbanken an dem System beteiligt, darunter auch Staaten, die selbst Empfänger von Geldern aus diesem Topf werden könnten wie z.B. Griechenland. Die größten Geber sind die USA (69 Mrd. Dollar), Japan (66 Mrd. Dollar), China (31 Mrd. Dollar) und die Deutsche Bundesbank (25 Mrd. Dollar).

Neue Quotenanteile der größten Mitgliedsstaaten des IWFnach der Reform 2010 (in %)

Aus Sicht von Christine Lagarde, der Direktorin des IWF, genügen möglicherweise aber selbst diese Ressourcen nicht, um für kommende Krisen gerüstet zu sein. Auf einer Veranstaltung des Council On Foreign Relations in New York Ende Juli hatte die Französin schon darauf hingewiesen, dass der Fonds noch mehr Geld benötigen könnte. „Die Frage ist, ob wir genügend Mittel haben, um den Krisen angemessen zu begegnen“, sagte Lagarde. „Vielleicht brauchen wir mehr“. Ende letzter Woche unterstrich sie diese Ansicht noch einmal. In einer Rede sagte sie, dass ein wachsendes globales Risiko auch eine „erhöhte Bereitschaft zu reagieren“ verlange.

In einem gestern veröffentlichten Papier des Fonds über Fiskalpolitik und Schuldensituation wurde deutlich, welche Bedeutung der Fonds der Schuldenproblematik inzwischen einräumt. So will der IWF künftig vertieft die fiskalpolitische Lage eines Landes untersuchen, wenn die Verschuldungsquote 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht hat. Daneben soll es aber auch noch andere Kriterien geben, die eine Analyse durch den IWF auslösen. Aus Kreisen in Washington hieß es, dass der Kapitalbedarf hochverschuldeter Länder bis zu 840 Mrd. Dollar betragen könne.

Will der IWF allerdings auch tatsächlich schnellen Zugriff auf Geldmittel haben, dann dürfte er bereits auf der bevorstehenden Herbsttagung in Washington Ende September bei den Mitgliedsländern auf mehr Unterstützung drängen. Denn von diesen haben viele – darunter auch Deutschland - noch nicht die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, damit die Gelder auch freigegeben werden. Der Gouverneursrat des IWF hatte im Dezember letzten Jahres einer Verdoppelung der Quoten zugestimmt und damit die Geldmittel, auf die der Fonds theoretisch zugreifen könnte, von 375 Mrd. auf 750 Mrd. Dollar erhöht.

Kommentare (3)

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EU.undemokratisch

13.09.2011, 16:58 Uhr

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Schlaumeier

13.09.2011, 17:00 Uhr

IWF, auch so ein Papiergeldtiger. Oder welches land zahlt dort effektiv Geld ein. Es wird immer der Eindruck vermittelt, der IWF sitz auf dem Geld. Keinen Cent haben die Brüder, alles Luftbuchungen. Höchste Zeit fürs Finale, d.h. Reset auf Null. Schulden weg - Einlagen weg.

lowabras

13.09.2011, 20:13 Uhr

Pleite-Griechen: 16 Millionen Euro aus dem EU-Rettungsfonds für Moscheebau
Am 7. September 2011 hat das griechische Parlament mit überwältigender Mehrheit beschlossen, einen Teil der EU-Rettungsmilliarden jetzt sofort in den Moscheebau in Athen zu investieren. 198 von 300 Abgeordneten stimmten dafür

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