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06.03.2014

14:54 Uhr

Euro-Krise

Mehr Franzosen auf Arbeitssuche

In Frankreich spricht der Premierminister von guten Nachrichten: Die Arbeitslosenquote ist leicht gesunken. Aber: die Anzahl der Arbeitslosen ist gestiegen. In Griechenland bleibt die Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau.

Eine Frau bittet in Athen um Almosen: Arbeitslose erhalten in Griechenland nur ein Jahr lang Unterstützung. dpa

Eine Frau bittet in Athen um Almosen: Arbeitslose erhalten in Griechenland nur ein Jahr lang Unterstützung.

Athen/ ParisIn Frankreich ist die Arbeitslosenquote im vierten Quartal 2013 leicht zurückgegangen - um 0,1 Punkte auf 9,8 Prozent. Dies gab am Donnerstag das staatliche Statistikamt Insee bekannt. Die Anzahl der Arbeitssuchenden, die bei den französischen Arbeitsämtern registriert waren, stieg jedoch weiter an. Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault sprach dennoch von einer "guten Nachricht".

Präsident François Hollande hatte bis Ende 2013 eine "Umkehr" bei der Arbeitslosenkurve versprochen, die seit Mitte 2011 kontinuierlich gestiegen ist. Die jüngsten Zahlen des Insee zeigten, dass Hollandes Ankündigungen eingehalten worden sei, betonte Arbeitsminister Michel Sapin. Die Methode des Insee sei die gleiche, die von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verwendet werde. Dies seien auch die Angaben, auf die die Europäische Kommission achte.

Verbesserungen gab es von Oktober bis Dezember 2013 vor allem bei der Arbeitslosenquote junger Leute zwischen 15 und 24 Jahren. Sie sank im letzten Quartal um 1,2 Prozentpunkte, im gesamten Jahr 2013 um 2,6 Punkte. Mit 22,8 Prozent ist diese Quote aber nach wie vor sehr hoch.

So stehen die Euro-Krisenländer da

Frankreich

Lage: Mit 0,3 Prozent wuchs die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2013 etwas schneller als erwartet. Sie befreite sich damit aus der Stagnation. Dennoch reichte es im Gesamtjahr 2013 nur zu einem Plus von 0,3 Prozent.
Aussichten: Für 2014 rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.

Italien

Lage: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2013 um 0,1 Prozent zu. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2011. Dennoch schrumpfte das BIP im Gesamtjahr 2013 um 1,9 Prozent.

Aussichten: Zwei Rezessionsjahren folgt eine kraftlose Erholung. 2014 wird von der EU-Kommission ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, 2015 von 1,2 Prozent. Steigende Exporte dürften die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen. Die Arbeitslosenquote soll 2014 noch einmal leicht steigen, was den Konsum dämpft.


Spanien

Lage: Der Notenbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein - voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Aussichten: 2014 soll es ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent geben, erwartet die EU-Kommission. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen.

Griechenland

Lage: Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen.

Aussichten: Das BIP soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.


Portugal

Lage: Das Wachstum beschleunigt sich im vierten Quartal auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die Wirtschaft 2013 nur noch um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent 2012.

Aussichten: 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen. Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,8 Prozent erhöhen soll, erwartet die Regierung. Wachstumstreiber sind vor allem die Exporte, aber auch die Binnennachfrage soll 2014 wieder anziehen.

Zypern

Lage: Um voraussichtlich 5,5 Prozent ist die Wirtschaftsleistung 2013 eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen.

Aussichten: 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.

Nach Berechnungen des Insee waren in Frankreich Ende des vergangenen Jahres 2,78 Millionen Menschen ohne Arbeit. Die französische Arbeitsagentur Pôle Emploi beziffert diese Gruppe hingegen auf 3,31 Millionen. Der Unterschied erklärt sich aus unterschiedlichen Berechnungsmethoden. Während das Insee die ILO-Kriterien verwendet, nennt Pôle Emploi die Zahl der registrierten Arbeitslosen, die oft nicht dem aktuellen Stand entspricht.

Experten warnten davor, die jüngsten Zahlen überzubewerten. Der leichte Rückgang der Arbeitslosenquote sei auf eine Reihe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Weiterbildungsprogramme zurückzuführen, erläuterte Christine Erhel, vom französischen Arbeitsforschungsinstitut CEE. Das Wachstum in Frankreich sei nach wie vor zu gering. Fabrice Lenglart vom Insee wies darauf hin, dass keine internationale Institution für 2014 eine wesentliche Verbesserung der Beschäftigungslage erwarte.

In Griechenland ist die Zahl der Arbeitslosen im Dezember 2013 weiter auf Rekordniveau geblieben. Die Arbeitslosenquote erreichte nach neuesten Angaben des Statistikamtes Elstat 27,5 Prozent nach 27,6 Prozent im November 2013. Im Dezember 2012 lag die Quote noch bei 26,3 Prozent.

Die Arbeitslosenquote in der Altersgruppe bis 24 Jahre hat sich leicht verbessert: Sie lag im Dezember 2013 bei 55,5 Prozent gegenüber 57,1 im Vormonat. Es gibt jedoch einen Hoffnungsschimmer: Die griechische Wirtschaft soll nach Schätzungen der Zentralbank und des Finanzministeriums dieses Jahr nach jahrelanger Rezession um 0,6 Prozent wachsen. Arbeitslose erhalten in Griechenland ein Jahr lang Unterstützung. Griechenland hängt am Tropf der Geldgeber aus EU und Internationalem Währungsfonds. Den Griechen wird mit 240 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

06.03.2014, 13:55 Uhr

Arbeitslosigkeit bleibt hoch?
Ja, was haben die Griechen denn mit den vielen, vielen Milliarden gemacht? Haben sie das viele Geld etwa nicht nachhaltig investiert - statt dessen alles für Schnaps und Zigaretten verpulvert? Und: Was haben wir mit deren Arbeitslosigkeit zu schaffen? Und weiter: Haben wir nicht genug mit unseren eigenen Arbeitslosen zu tun?
Was scheren mich unter diesen unhygienischen Umständen die Griechen?

Account gelöscht!

06.03.2014, 15:52 Uhr

Wenn man Augias heisst, sollten einen die Griechen schon interessieren.
Nix fuer ungut.

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