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20.10.2012

10:10 Uhr

Euro-Krise

Ökonomen warnen vor Eskalation

Führende Ökonomen rechnen damit, dass sich die Krise in Europa noch weiter zuspitzt. Das Schlimmste könnte den Europäern demnach noch bevorstehen. Bei einem Griechenland-Austritt drohe gar „ökonomisches Chaos“.

Eine Ein-Euro-Münze vor einer Europafahne. dpa

Eine Ein-Euro-Münze vor einer Europafahne.

BerlinEuropas Finanz- und Schuldenkrise könnte sich nach Einschätzung führender Ökonomen noch weiter verschärfen. Er fürchte, dass den Europäern das Schlimmste erst noch bevorsteht, sagte der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstagausgabe). „Wir kämpfen gerade an zwei Fronten. An der einen lässt sich die Finanzkrise mit immer mehr Geld ja noch irgendwie eindämmen“, erklärte Sinn.

Das andere Problem sei die Strukturkrise. „Die mit Reformen zu lösen, ist viel schwieriger. Das wird uns noch viele Jahre beschäftigen“, sagte er in einem "SZ"-Streitgespräch mit dem US-Ökonomen und Professor der Berliner Humboldt-Universität, Michael Burda.

Reform der Euro-Zone

gemeinsame Bankenaufsicht

Die Aufsicht unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) ist für die EU ein vordringliches Projekt. Wenn die Aufsicht für die Geldhäuser der Eurozone steht, kann der Rettungsfonds ESM marode Institute direkt rekapitalisieren. Paris drückt bei der Aufsicht aufs Tempo, Berlin hat es allerdings nicht eilig.

Reformverträge

Euro-Länder könnten mit der EU individuelle Verträge abschließen, die das Umsetzen von Reformen besiegeln. Van Rompuy stellt bei Erfolg finanzielle Anreize in Aussicht. Diese könnten aus dem Eurozonen-Budget kommen. Berlin unterstützt die Idee.

Euro-Zonen-Budget

Van Rompuy spricht nicht direkt von einem gemeinsamen Budget der Euro-Länder, sondern von der Entwicklung einer „Fiskalkapazität“. Sie könnte auch Finanzschocks in einzelnen Ländern auffangen. Höhe und Herkunft des Budgets sind noch offen.

Eurobonds

Van Rompuy schlägt vor, „sichere und liquide Finanzanlagen“ für den Euroraum zu schaffen - das könnten Eurobonds oder Eurobills (kurzfristige Anleihen) sein. Berlin lehnt gemeinsame Anleihen im Währungsraum weiter ab.

Tilgungsfonds

Staatsschulden könnten unter bestimmten Auflagen in einen Tilgungsfonds für Altlasten überführt werden, schreibt Van Rompuy. Berlin weist die Idee zurück.

Schäubles Vorschläge

Schäuble fordert einen stärkeren EU-Währungskommissar, der Länderhaushalte mit zu hohen Defiziten an nationale Parlamente zurückverweisen könnte. Außerdem plädiert er für rasche Veränderungen des EU-Vertrags. Dafür ist allerdings Einstimmigkeit unter den 27 EU-Staaten nötig.

Burda warnte eindringlich vor einem auch nur vorübergehenden Austritt Griechenlands aus dem Euro. „Das wäre ein gefährlicher Weg“, sagte er. „Es droht ökonomisches Chaos.“ Die Politik sei gut beraten, den Austritt Griechenlands erst gar nicht zu diskutieren.

Sinn dagegen glaubt nicht an eine Rettung der Griechen im Euro und plädierte für einen zeitweiligen Austritt. „Wir brauchen die Möglichkeit, dass einzelne Staaten temporär aus dem Euro austreten und nach einer Abwertung wieder eintreten können“, sagte Sinn.

Einmütig sprachen sich beide Ökonomen für einen noch härteren Schuldenschnitt in Europa aus. „Dazu gibt es keine Alternative“, sagte Burda. Nach Ansicht von Sinn ist ein größerer Schuldenschnitt nicht nur für Griechenland nötig. „Spanien hat ein riesiges Bankenproblem mit unglaublichen Bankschulden, die nicht gedeckt sind“, erklärte er.

Kommentare (104)

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DeutscherMichel

20.10.2012, 06:08 Uhr

Lieber Herr Sinn,
1. Wir Deutsche leben z.Z. wie Gott in Frankreich und z.T. auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können und nicht wehren dürfen. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit dank unseres Leistungsbilanzüberschusses exportieren (16 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit circa 17 Jahren)
2. 2. Die paar Milliarden die wir jährlich netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unseren Mitgliedsbeitrag an Brüssel (EU) realisieren dürfen und können.
3. Den meisten Deutsche geht es besser als anderen EU-Bürger, außerdem ist es egal wie es den anderen EU-Ländern geht, und wenn in Griechenland, Spanien und Portugal die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 50% liegt, wen juckt denn das? Den Herr Weidmann bestimmt nicht und mich schon gar nicht!
4. Eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse wurde nie vereinbart, also sollen die arme Länder immer ärmer werden und die reiche immer reicher. So verstehe ich die EU-Verträge.
5. Sollte uns etwa nicht passen dann können wir aus der EU und EURO austreten, wir werden nicht unbedingt gebraucht. Zur Zeit des Römischen Reich hat Germanien auch nicht zu Europa gehört!
Und da lief alles bestens, ohne uns!

Fragender

20.10.2012, 10:10 Uhr

Kurze Überlegung:
1. Deutschland war vor ein paar Jahren, als der Euro niedriger stand als der US-Dollar und Exporte noch hauptsächlich in die Euro-Zone gingen der sog. "kranke Mann" Europas. Jetzt, da der Euro im Verhältnis zum Dollar relativ hoch steht und unsere Exporte in nicht EU-Länder wie China extrem zugenommen haben sind wir wirtschaftlich stark. Der Grund dafür kann daher nicht im Euro oder in der EU-Freihandelszone liegen, sondern wohl eher an einem generellen Umdenken in der Wirtschaftswelt Deutschlands, was man auch Reform nennen kann.
2. Hohe Arbeitslosigkeit bei trotz allem noch wichtigen Handelspartnern sollte niemandem gleichgültig sein.
3. Ich denke, wenn der Hauptfinanzierer aus der EU ausscheiden würde, bräche der Laden zusammen. Die alten Römer sind schon lange an ihrer Dekadenz untergegangen.

Account gelöscht!

20.10.2012, 10:14 Uhr

Meine Güte, schon wieder diese Unken und Sinn Rufe.
Wo sind denn die Vorschläge, echte realistische Vorschläge die Jugendarbeitslosigkeit in den Ländern abzubauen, und diese Länder, wie in Deutschland, auch wieder mit der Aussicht auf eine Rente gearbeitet werden kann, liebe "Ökonomen".
Mußte mal sein: Quelle Wikipedia
"Die Wirtschaft oder Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Deckung des menschlichen Bedarfs dienen. Zu den wirtschaftlichen Einrichtungen gehören Unternehmen, private und öffentliche Haushalte, zu den Handlungen des Wirtschaftens Herstellung, Verbrauch, Umlauf und Verteilung von Gütern. Solche Zusammenhänge bestehen zum Beispiel auf welt-, volks-, stadt- und betriebswirtschaftlicher Ebene."

Planvoll und zielgerichtet ist bei Leuten wie Sinn nur eines, wie stelle ich mich am besten auf Kosten anderer in den Medien dar.
Ansonsten muß man schon richtig lange suchen um aus diesen theoretischem Gesabbel etwas für die realen Probleme und deren Lösungen zu finden.
Bleibt mir die Frage, Herr Sinn und die anderen, was würden sie schreiben wenn alle genug hätten?
Was würden Sie schreiben müssen, wenn sie tatsächlich etwas dazu sagen müßten, wie man die 50% Arbeitslosigkeit in Griechenland angehen wollen würde?
Das wäre sicher nicht so medienwirksam, und hätte vielleicht andere Wirtschafts-Soziologische Dimensionen.
Ihre Währungstheorien sind was für Leute, die mit dieser Währung spielen wollen, aber nicht für Leute, die tatsächlich aktiv an Europa arbeiten wollen.
Sie sind ein Schmarotzer einer Situation, nichts anderes, eine Situation ohne echte Ideen und Kreativität, diese im Sinne eines menschlichen und wirtschaftlichen Zusammenlebens zu gestalten.
Für mich sind Leute wie sie schon lange abgewertet. Im Sinne des freien Spiels der Kräfte auch keine Investition mehr wert.
Europa braucht echte Ökonomen.
Die Frage warum Nobelpreise für Wirtschaft fast immer nach Amerika gehen, ist damit auch schon fast beantwortet.

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