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12.12.2012

17:14 Uhr

Euro-Krise

Sinn verlangt von Merkel klare Kante

ExklusivIm Prinzip ist Ifo-Chef Hans-Werner Sinn mit dem Euro-Kurs der Bundesregierung einverstanden - die Kanzlerin müsse Deutschlands Gewicht aber noch stärker in die Waagschale werfen und häufiger ein klares Nein aussprechen.

Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts. dapd

Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts.

FrankfurtDer Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat unmittelbar vor dem EU-Gipfel die Bundesregierung von Angela Merkel aufgefordert, einen entschiedenen Kurs zu verfolgen: „Deutschland kann sich mit allem durchsetzen, wenn es nur will“, sagte er dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). Da die Entscheidungen einstimmig sein müssten und es um das deutsche Geld gehe, müsse Deutschland nur nein sagen, wenn ihm das Ergebnis nicht passe.

Über den Kurs von Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte sich Ökonom Sinn positiv: „Ich nehme mit Interesse zur Kenntnis, dass der Bundesfinanzminister eine entschiedenere Gangart hinsichtlich der geplanten europäischen Bankenunion wählt und dass die Bedenken, die von den Fachökonomen und dem Sparkassenverband vorgebracht wurden, in seine Entscheidungen einfließen“. Er wolle eine Repräsentanz der Länder nach ihrer Größe im Entscheidungsgremium der Bankenaufsicht und die Bankenaufsicht von der EZB trennen. „Beides beruhigt mich etwas“, so Sinn.

Die Finanzkrise hat sich aus Sicht des Ifo-Chefs „erst einmal etwas gelegt“. Die Krise habe aber eine zweite, ungelöste Dimension: die fehlende Wettbewerbsfähigkeit einzelner Länder. „In der Hinsicht kommt noch einiges auf uns zu“, warnte Sinn.

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe den Anlegern erklärt, dass die Steuerzahler Deutschlands und anderer gesunder Länder für die Rückzahlung der Krisenländer einstehen werden, denn sie stünden ja hinter ihr. „Diese Beruhigung beunruhigt mich“, sagte Sinn.

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Der eine will Kanzler werden, der andere sein Finanzminister: Peer Steinbrück und Jürgen Trittin wollen erst eine rot-grüne Regierung bilden und dann den Finanzsektor an die Kandare legen. Jetzt nennen sie Details.

„Das Wettbewerbsproblem der Krisenländer wird durch Draghis Schutzversprechen nicht gelöst“, meinte Sinn. Langfristig könne sich die EZB-Politik in einer europäischen Inflation entladen. „Man wird speziell in Deutschland mit Inflation rechnen müssen, weil das Kapital im sicheren Heimathafen bleibt und die Zeichen mittel- und langfristig auf Wachstum stehen“, so Sinn

Derzeit sehe es danach aus, dass die konjunkturelle Schwächephase der deutschen Wirtschaft nur kurz anhalte. „ Deutschland ist strukturell besser aufgestellt als der Rest Europas“, sagte er. Die weltweite Nachfrage nach deutschen Produkten sei nach wie vor hoch.

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Die Troika der Euro-Retter verlangt den Krisenländern extreme Einsparungen ab.

Ob die Bundestagswahl die Konjunktur beeinflussen werde, sei schwer zu prognostizieren – allein schon deswegen, „weil die Regierung meist das Gegenteil von dem macht, was sie ankündigt, um der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen.“

Von

doh

Kommentare (44)

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Lungomolch

12.12.2012, 17:28 Uhr

Sie könnte z.B. damit drohen, dass Deutschland aus dem Euro austritt. Ich denke, die Südländer würden dann ziemlich schnell spuren.

Aber das wird sie nicht tun. Sie hat ja Angst davor, eine klare Linie zu fahren. Lieber schwammig und unangreifbar bleiben. Das ist besser für den Machterhalt.

Account gelöscht!

12.12.2012, 17:32 Uhr

Der Sinn ist immerhin der Einäugige unter den Blinden, was die Zunft der "etablierten" Ökonomen in Deutschland angeht.
Er hat damit gewissermaßen Alibifunktion.
Die anderen (d.h. die "sehenden" und damit nicht mehr "etablierten") Ökonomen, z.B. die Eurokritiker und Karlruhe-Kläger, werden von der deutschen Systempresse einschließlich dem Handelblatt, aus der veröffentlichten Meinung systematisch ausgeblendet. Merkels Kaffeekränzchen-Medienpolitik läßt grüßen.

Frankrw

12.12.2012, 17:39 Uhr

Gratuliere Herr Sinn!
Sie sind einer der wenigen, die klar Stellung beziehen und sich nicht scheuen unbequeme Wahrheiten und Folgen klar auszusprechen!
Weit ist diese EU gekommen, müßte Deutschland doch erpresserische Methoden anwenden, um die Partner "auf Linie" zubringen. Aber warum sollten sie auch von selbst auf die Idee kommen; für die meisten Länder der €-Zone ist der € doch nichts anderes als ein gutes und billiges Finanzierungsmittel, das man alleine nie hätte und dessen negative Folgen auch noch auf die anderen Mitglieder verteilt werden kann.
Wann wachen wir endlich auf!!!!

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