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28.08.2012

15:36 Uhr

Euro-Zone drohen italienische Verhältnisse

... und kaum einer denkt an den Kater

VonDietmar Neuerer

Mit der Notenpresse finanziertes Wachstum, niedrige Zinsen ohne Rücksicht auf die Folgen - der Euro-Zone droht ein „italienisches“ Szenario. Der Euro als stabile Währung könnte überleben, aber nur zu einem hohen Preis.

Euro-Münze. Reuters

Euro-Münze.

BerlinIn der Debatte um Lösungsstrategien für die europäische Schuldenkrise blickt die Politik gebannt auf die Europäische Zentralbank (EZB). Denn in der momentanen Lage scheint sie die einzige EU-Institution zu sein, die das Schlimmste, ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone, verhindern kann. Dass sie notfalls dazu bereit ist, hat unlängst EZB-Chef Mario Draghi deutlich gemacht, als er versicherte, die Zentralbank werde den Euro um jeden Preis verteidigen. Im Hilfe-Portfolio der EZB steht ganz oben der Ankauf von Staatsanleihen der Krisenstaaten.

Allein die bloße Ankündigung Draghis hat in Deutschland teils heftige Reaktionen ausgelöst. So titulierte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt den EZB-Chef im Zusammenhang mit dem Ankauf von Anleihen als "Falschmünzer". Scharfe Kritik äußerte Dobrindt auch an angeblichen Plänen Draghis, eine Zinsobergrenze für Staatsanleihen von Schuldenstaaten einzuführen. Eine solche wäre "höchst gefährlich" und "eine Premium-Einladung für Spekulanten, die Spekulation gegen einzelne Länder auf die Spitze zu treiben", sagte er der "Bild am Sonntag". Derzeit ruht das EZB-Programm zum Aufkauf von Anleihen. Ziel dabei ist es, dass Schuldenländer keine überhöhten Zinsen an Investoren zahlen müssen.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kritisierte die Pläne. "Eine solche Politik ist für mich zu nah an einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse", sagte Weidmann dem "Spiegel". Wenn die Euro-Notenbanken Staatsanleihen einzelner Länder kauften, landeten die Papiere in der Bilanz des Eurosystems. Letztlich stünden dafür die Steuerzahler aller anderen Länder gerade.

Das sieht der frühere EZB-Chefvolkswirt, Jürgen Stark, nicht anders. Mit der Wiederaufnahme der Bondkäufe setze die Zentralbank nicht nur die Unabhängigkeit der Institution aufs Spiel, sondern riskiere auch eine höhere Inflation, schreibt Stark in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. “Die Rolle, in die sich die EZB zu begeben bereit scheint, wird die Zentralbank überfordern, wird ihre Unabhängigkeit von der Politik weiter erodieren lassen”, erklärte Stark. “Und letztlich wird die Zentralbank ihren Kernauftrag, die Preisstabilität zu gewährleisten, nicht mehr erfüllen können. Es droht die Gefahr hoher Inflation - nicht heute, nicht morgen, aber mittel- bis langfristig.”

„Heißer Herbst“ für die Euro-Retter - Der Fahrplan in der Krise

Ende September/Anfang Oktober

Die „Troika“ der internationalen Kreditgeber Griechenlands will ihren neuesten Bericht über die Fortschritte bei den Reformen veröffentlichen. Die Analyse der Experten von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ist Grundlage für die Auszahlung der nächsten Kredittranche an Athen.

8. Oktober

Treffen der Euro-Finanzminister.

18. und 19. Oktober

EU-Gipfel in Brüssel. Dort könnten die Euro-Retter entscheiden, ob Athen weitere Kredite und möglicherweise mehr Zeit für sein Sparprogramm erhält oder ob der Geldhahn zugedreht wird. Im letzteren Fall droht Griechenland der Staatsbankrott mit anschließendem Euro-Austritt.

Der Chefökonom der Commerzbank, Jörg Krämer, sieht sich durch die kritischen Äußerungen in seiner Annahme bestätigt, dass der Euro-Raum auch und vor allem wegen des expansiven Engagements der EZB  in den kommenden zwölf Monaten endgültig zur Haftungsunion mutieren werde – einer Währungsunion, die Ähnlichkeiten zum Italien der 70er und 80er Jahre aufweise. Krämer spricht daher von einer „italienischen Währungsunion“. In seinem Szenario erklärt er, welche Chancen für die Peripherieländer in einem solchen  Konstrukt liegen und welchen hohen Preis die anderen Euro-Länder dafür in Kauf nehmen müssten.

Kommentare (64)

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Ameise

28.08.2012, 15:52 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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Account gelöscht!

28.08.2012, 15:57 Uhr

Ich empfehle Andrew White, Fiat Money Inflation France (PDF kostenlos auf www.mises.org)

Darin wird schön aufgezeigt, wie 70 Jahre nach John Laws-Papiergeld-Desaster die Franzosen wieder den Fiat-Spinnern auf den Leim gegangen sind und wie es unvermeidlich wieder im Chaos endete.

Die Menschen ändern sich scheinbar nie..

Account gelöscht!

28.08.2012, 16:04 Uhr

Na, mal schauen, wie sich die Freien Wähler zur Bundestagswahl aufstellen. Aus dem CDU/CSU-Lager stehen etliche Stimmen bereit. Dann gibt es auch noch die Piraten, die sich klar positioniert haben. Bin mal gespannt, wie stark der Warnschuss an die Etabilerten sein wird.

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