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07.01.2014

11:12 Uhr

Euro-Zone

Sorge vor Deflation steigt

Die Inflation in der Euro-Zone ist im Dezember überraschend gesunken. Erst im Oktober erreichte sie den tiefsten Stand seit fast vier Jahren. Das setzt die EZB vor ihrer Sitzung am Donnerstag unter Druck.

Warenkorb: Die Inflation im Dezember war überraschend niedrig. dpa

Warenkorb: Die Inflation im Dezember war überraschend niedrig.

BrüsselDie Sorge vor einer Deflation in der Euro-Zone erhält neue Nahrung. Waren und Dienstleistungen kosteten im Dezember im Schnitt nur noch 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten damit gerechnet, dass die Teuerungsrate auf dem November-Niveau von 0,9 Prozent verharrt.

Im Oktober war sie mit 0,7 Prozent auf den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren gefallen. Das löste Sorgen vor einem Preisverfall auf breiter Front aus, zumal die Unternehmen in Krisenstaaten wie Griechenland angesichts von Rezession und hoher Arbeitslosigkeit auch künftig kaum höhere Preise durchsetzen dürften. Die Sparpolitik und niedrige Lohnzuwächse haben in einigen Krisenländern sogar dazu geführt, dass die Preise sinken.

Die Europäischen Zentralbank (EZB) senkte vor allem wegen der niedrigen Inflation im November ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent, um mit billigem Geld die Gefahr japanischer Verhältnisse erst gar nicht aufkommen zu lassen. Japan litt in den 1990er-Jahren unter sinkenden Preisen und einer damit verbundenen schweren Rezession. Die Erwartung sinkender Preise ist nach Meinung der meisten Ökonomen Gift für die Wirtschaft. Sie führt in der Regel dazu, dass Unternehmen und Haushalte ihre Investitionen in die Zukunft verschieben. Das wiederum verschlechtert die Wirtschaftslage weiter – ein Teufelskreis.

Laut ihrem Mandat strebt die EZB eine stabile Preisentwicklung an. Darunter versteht sie nach eigener Definition eine Inflation von „unter, aber nahe zwei Prozent“. Je weiter sich die Preissteigerung von diesem Zielkorridor entfernt, desto wahrscheinlicher wird es, dass sie handelt. Für 2014 rechnen die Währungshüter mit einer Teuerungsrate von 1,1 Prozent, die 2015 auf 1,3 Prozent steigen soll.

Welche Waffen die EZB noch in ihrem Arsenal hat

Ein noch niedrigerer Leitzins

Der Spielraum der EZB beim Leitzins ist inzwischen sehr eng. Er liegt bei 0,15 Prozent. Damit ist das Ende der Fahnenstange praktisch erreicht.

Negativer Einlagezins

Banken können Geld bei der EZB parken, wofür sie in normalen Zeiten Zinsen bekommen. Damit sie das nicht tun, sondern das Geld als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen, hat die Zentralbank diese Anlageform unattraktiv gemacht, indem sie den Zinssatz auf null gedrückt hat. Jetzt könnte die EZB noch einen Schritt weitergehen und negative Zinsen einführen.

Ende der Neutralisierung früherer Wertpapierkäufe

Zwischen 2010 und 2012 kaufte die EZB zur Stützung von Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien für mehr als 200 Milliarden Euro deren Staatsanleihen. Derzeit schöpft die EZB die Liquidität wieder ab, indem sie den Banken anbietet, in gleicher Höhe Geld bei ihr anzulegen. Die EZB könnte dieses Prozedere abschaffen - was entsprechend dem Restwert der Anleihen etwa 170 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln bringen würde.

Geringere Mindestreserve

Die Banken müssen zur Sicherheit Geld bei der EZB hinterlegen. Diese sogenannten Mindestreserven summieren sich auf etwa 100 Milliarden Euro. Würde die EZB die Anforderungen lockern und beispielsweise nur noch die Hälfte als Sicherheit verlangen, hätten die Banken zusätzlich 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld könnten sie als Kredite ausreichen.

Kreditvergabe fördern auf britische Art

Der niedrigste Leitzins nützt nichts, wenn die Banken keine Kredite vergeben. Nach der jüngsten EZB-Umfrage klagt jedes neunte kleine und mittelgroße Unternehmen der Euro-Zone darüber, keinen Zugang zu Bank-Krediten zu haben. Mit einem Trick nach britischem Vorbild könnte die EZB das ändern. Dort können sich Banken für jedes Pfund, das sie kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung stellen, zehn Pfund zu Vorzugskonditionen bei der Bank of England leihen.

Geringere Sicherheiten

Wenn Banken Geld von der EZB haben wollten, mussten sie bis 2007 Wertpapiere mit Top-Bonität als Sicherheit hinterlegen. Die Anforderungen hat sie seither mehrfach gesenkt - und könnte es weiter tun, um die Institute bei Kasse zu halten. Denn das ist die Voraussetzung für neue Kredite. Die Währungshüter könnten beispielsweise Aktien oder US-Staatsanleihen akzeptieren.

Liquidität für Förderbanken

Die Europäische Investitionsbank (EIB) kann am ehesten die kleineren und mittleren Unternehmen mit Geld versorgen. Seit 2009 kann sich die EIB bei der EZB Geld leihen, um es anschließend weiterzureichen. Die Währungshüter könnten solche Förderbanken mit zusätzlicher Liquidität ausstatten.

Langfristiger Ausblick

Die Kreditzinsen in vielen Krisenstaaten sind noch immer recht hoch. Um sie zu drücken, könnte die EZB nach amerikanischem Vorbild eine lange Niedrigzinsphase ankündigen. Die Federal Reserve hat erklärt, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2015 auf extrem niedrigem Niveau zu halten. Ringt sich die EZB zu einer ähnlichen Aussage durch, könnte dies die Zinsen im längeren Laufzeitbereich drücken.

Eine weitere "Dicke Bertha"

Die EZB hat Ende 2011 und Anfang 2012 die Banken mit zwei dicken Geldsalven von jeweils gut 500 Milliarden Euro geflutet. Draghi hatte diese in Anlehnung an ein deutsches Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg als "Dicke Bertha" bezeichnet. Sie wirkten: Inzwischen zahlen viele Banken bereits wieder schrittweise das Geld zurück, das sie sich damals bei der EZB geliehen haben. Eine Kreditklemme in vielen Südländern gibt es trotzdem, weil dort die Nachfrage der Unternehmen wegen der Krise sehr gering ist und die Banken Geld horten - zum Teil aus Angst, zum Teil wegen der steigenden Kapitalanforderungen der Regulierer. Ob sich die EZB eines Tages dazu durchringt, wie die Bank von England den Banken Geld nur unter der Bedingung zu geben, dass sie es als Kredit an Firmen weiterreicht, bleibt abzuwarten. Das Experiment auf der Insel war nur mäßig erfolgreich. Denn die Notenbank kann Unternehmen nicht befehlen, Kredite zu nehmen und zu investieren.

Wertpapierkäufe

Sollte die Krise wieder eskalieren, bliebe der EZB noch der massenhafte Ankauf von Wertpapieren - beispielsweise von Staatsanleihen oder Bankanleihen. Im Sommer 2012 - auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise - hatte Draghi versprochen, die EZB werde bei Bedarf und unter klar definierten Bedingungen Staatsanleihen von Problemländern kaufen - notfalls in unbegrenzter Höhe. Vor allem hierzulande hat dieses Versprechen der EZB Ärger eingehandelt. Sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich damit, weil die EZB im Fall der Fälle das Verbot der Staatsfinanzierung aus Sicht ihrer Kritiker wohl brechen würde. Bis dato musste Draghi jedoch nicht eine Staatsanleihe kaufen.

Überdurchschnittlich verteuerten sich im Dezember Lebensmittel, Alkohol und Tabak mit 1,8 Prozent, gefolgt von Dienstleistungen mit 1,0 Prozent. Dagegen stagnierten die Energiepreise im Vergleich zu November 2012, während sich Industriegüter um 0,2 Prozent verteuerten.

Von

rtr

Kommentare (31)

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Freidenker

07.01.2014, 11:47 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette

jupphirsenkoetter

07.01.2014, 12:01 Uhr

Ihr Kommentar:
Ja bei einer Deflation, da dann kann die EU und der IWF doch alternativlos den Sparern und LV-Besitzern in die Kasse greifen, um die Banken- und die Schuldenkrise all er ueberschuldeten Staaten zu bewaeltigen, genau nach dem Blue-Print von der Zypern Banken-Rettung:kein Haircut sondern Rasieren ist angesagt, so wie Lagarde und der IWF es fordern und niemand dagegen interveniert in Berlin, Bruessel oder anderswo!10 % Vermoegensabgabe auf Spar- & LV-Einlagen !AG's und Aktionaeren werden sSnderabschreibungen zugestanden! Fazit:Angela jedenfalls hat ihr Geld schon lange sicher in einer Devisenwaehrung in der Schweiz gebunkert- offiziell, natuerlich! ist dabei auf den A gefallen, als sie sah, wie hoch die Steuerabgaben waren..... ;-) !

Account gelöscht!

07.01.2014, 12:04 Uhr

Die EZB hat die Zinsen nicht wegen der niedrigen Inflation gesenkt, sondern, damit die Pleitestaaten und Pleitebanken sich noch möglichst lange billig weiter verschulden können.
Im übrigen haben wir Höchststände bei Mieten in Metropolen und gefühlte Preissteigerungen z.B. bei Lebensmitteln von mindestens 20%.
Unter diesen Umständen von Deflation zu sprechen ist bewußte Lügenpropaganda.
Schade, dass handelsblatt.com diese Lügenpropaganda unkommentiert weitergibt.

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