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06.10.2014

16:01 Uhr

Euro-Zone

Wachstumsaussichten bleiben mau

Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone wird im Sommer- und im Herbstquartal wohl bei nur 0,2 Prozent liegen. Davon geht das Ifo-Institut aus. Für Anfang 2015 rechnen die Experten dann aber mit einer Erholung.

Die Inflationsrate wird laut Ifo-Institut in den kommenden zwei Quartalen nur leicht zulegen und weiterhin deutlich unter dem Inflationsziel der EZB von 2 Prozent verharren. dpa

Die Inflationsrate wird laut Ifo-Institut in den kommenden zwei Quartalen nur leicht zulegen und weiterhin deutlich unter dem Inflationsziel der EZB von 2 Prozent verharren.

BerlinDie Wachstumsaussichten der Euro-Zone bleiben dem Ifo-Institut zufolge vorerst mau. Im Sommer- und im Herbstquartal werde das Plus voraussichtlich nur bei jeweils 0,2 Prozent liegen, sagt das Münchner Institut am Montag in einer gemeinsamen Prognose mit dem französischen Statistikamt INSEE und dem italienischen ISTAT voraus.

Die Ukraine-Krise und „andere geopolitische Unwägbarkeiten“ lasteten auf der Wirtschaft. Erst Anfang nächsten Jahres werde es zu einer leichten Erholung kommen und das BIP um 0,3 Prozent zulegen. Die Belebung werde wohl vor allem von einem schrittweisen Anstieg der Binnennachfrage getragen.

Niedrige Inflation: Wie reagiert die EZB?

Was spricht für ein Eingreifen der EZB?

Die Inflation im Euro-Raum lag im Mai bei 0,5 Prozent – und damit weit entfernt von der Zielmarke der EZB von nahe zwei Prozent. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen niedrig zu halten oder noch unter das Rekordtief von 0,25 Prozent zu senken. EZB-Präsident Mario Draghi hatte betont, die Notenbank werde sich notfalls entschieden gegen einen Preisverfall stemmen.

Warum sind sinkende Preise schlecht?

Für Verbraucher sind sinkende Preise zunächst erfreulich, schließlich bekommt man mehr für sein Geld. Die Gefahr ist, dass eine Abwärtsspirale in Gang kommt, wenn die Preise auf breiter Front fallen. Ökonomen nennen das Deflation. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen hinauszögern - in der Erwartung, dass es in den nächsten Monaten noch günstiger für sie wird. Das könnte die ohnehin noch fragile Erholung der Konjunktur in Europa abwürgen.

Wie real ist die Deflations-Gefahr?

„Eine handfeste Deflation ist in der Eurozone eine sehr weit entfernte Gefahr“, meint Berenberg-Volkswirt Christian Schulz. Das betont auch regelmäßig das EZB-Spitzenpersonal. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte Mitte März erklärt, er halte die Risiken von Preis- und Lohnrückgängen auf breiter Front im Euroraum für sehr begrenzt.

Was kann die EZB tun?

Bei den Zinsen hat die EZB den Boden fast erreicht. Mit einem Leitzins von 0,25 Prozent ist Zentralbankgeld für die Banken im Euroraum bereits extrem günstig. Ob eine weitere Zinssenkung die Geldinstitute dazu bewegen würde, mehr Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln, ist umstritten. Denkbar wäre, dass die EZB den Zins für Geld, das Geschäftsbanken bei der Notenbank parken, unter Null senkt. Theoretisch möglich wäre auch, dass die EZB in großem Stil Staatsanleihen aufkauft.

Bringen noch niedrigere Zinsen überhaupt etwas?

Theoretisch animiert das billige Geld Unternehmen zum Investieren und Verbraucher zum Konsumieren - beides kurbelt die Konjunktur an und erhöht so den Preisauftrieb. Doch gerade in den kriselnden Eurostaaten in Südeuropa blieb die Kreditvergabe zuletzt schwach. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) kann die EZB mit noch billigerem Geld dagegen so gut wie nichts ausrichten.

Die privaten Investitionen dürften sowohl durch eine anziehende Produktion als auch durch zunehmende Investitionen in die Erweiterung von Anlagen und Maschinenparks belebt werden.

Die Inflationsrate werde in den kommendeDas Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone n zwei Quartalen nur leicht zulegen und weiterhin deutlich unter dem Inflationsziel der EZB von 2 Prozent verharren. Die Teuerung war im September auf das Fünf-Jahres-Tief von 0,3 Prozent gefallen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält sich angesichts der sehr niedrigen Inflation den Kauf von Staatsanleihen offen, um notfalls eine deflationäre Abwärtsspirale zu verhindern. Auf breiter Front fallende Preise gelten als besonders gefährlich, weil eine solche Deflation die Konjunktur auf Dauer abwürgen kann.

Denn Verbraucher schränken dann in Erwartung immer weiter fallender Preise ihren Konsum ein und Unternehmen schieben Investitionen auf.

Von

rtr

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