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04.05.2011

11:31 Uhr

Europa-Konjunktur

Deutsche und französische Dienstleister vorn

Die Dienstleister in der Euro-Zone haben ihr kräftiges Wachstum im April fast ungebremst fortgesetzt. Das Neugeschäft legte so stark zu wie seit August 2007 nicht mehr. Zugpferde sind erneut Deutschland und Frankreich.

Deutsche Dienstleister gehören zur Spitze im Euroraum. Quelle: dpa

Deutsche Dienstleister gehören zur Spitze im Euroraum.

Die europäischen Dienstleister haben im April dank voller Auftragsbücher ihr Personal erneut kräftig aufgestockt, wie das Markit-Institut am Mittwoch zu einer Umfrage unter rund 2000 Firmen erklärte. Wegen des starken Kostenanstiegs erhöhten die Service-Unternehmen ihre Preise so deutlich wie seit Juli 2008 nicht mehr. "In Frankreich und Deutschland baut sich wachstumsbedingt gewaltiger Inflationsdruck auf, während die Länder der Peripherie wirtschaftlich stagnieren", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Es sei keine große Überraschung, "wenn die Länder im einheitlichen europäischen Währungsgebiet in den nächsten Monaten weiter auseinanderdriften", betonte Williamson. Denn steigende Beschäftigtenzahlen dürften die Nachfrage nach Dienstleistungen zwar ankurbeln, doch auch hier seien fast nur Frankreich und Deutschland auf der Gewinnerseite. Der Markit-Einkaufsmanagerindex sank im April leicht um 0,5 auf 56,7 Zähler. Die Firmen äußerten sich weniger optimistisch für die Zukunft als noch zuletzt.

Insgesamt laufe es für den Service-Sektor weiter rund, die Branche sei mit einer Wachstumsrate von rund 0,7 bis 0,8 Prozent ins zweite Quartal gestartet, sagte Williamson. Besorgt zeigte er sich über die Wachstumsunterschiede auf Länderebene. Frankreich lag mit den höchsten Zuwächsen bei Geschäftstätigkeit und Auftragseingang seit 2000 an der Spitze.

In Deutschland und Frankreich konnten die Firmen aufgrund der starken Binnennachfrage ihre Preise erhöhen, während sie in Irland und Spanien reduziert werden mussten. In Italien blieben sie weitgehend unverändert. In Italien verloren die Servicefirmen an Schwung, während sich Spanien und Irland der Stagnation annäherten.

In Deutschland verlangsamt sich das Wachstum

In Deutschland landete der Index zwar auf einem Sechs-Monatstief, blieb aber auf hohem Niveau. Zudem verbuchten die deutschen Dienstleister das zweithöchste Auftragsplus seit dreieinhalb Jahren. Das Neugeschäft brummt nach wie vor. Allerdings fiel der Jobaufbau in dem Sektor nicht mehr so kräftig aus wie im März. "Die Daten zeigen, dass die Geschäfte der Dienstleister nach dem fulminanten Jahresstart nun in ruhigeren Bahnen verlaufen", sagte Markit-Ökonom Tim Moore.

Das Markit-Barometer für die deutschen Dienstleister fiel auf 56,8 Punkte von 60,1 Zählern im März und damit noch stärker als in einer ersten Schätzung für April angenommen. Dabei war ein Wert von 57,7 veranschlagt worden.

Dennoch besteht für die Firmen kein Grund, Trübsal zu blasen: Der Index zeigt nun bereits 21 Monate in Folge Wachstum an, das ab dem Schwellenwert von 50 gemessen wird. Zwar machen den Unternehmen die im Sog des Ölpreishöhenflugs gestiegenen Kosten zu schaffen, doch war der Preisdruck nicht mehr so stark wie in den Vormonaten.

Die Firmen schauen weiter optimistisch in die Zukunft und setzen darauf, dass das Neugeschäft dank guter Nachfrage und anhaltendem Aufschwung auch in den kommenden zwölf Monaten weiter anziehen wird. Allerdings dämpfen die hohen Kosten die Zuversicht etwas: Der Indexwert für die Geschäftsaussichten fiel auf den niedrigsten Stand in diesem Jahr. Der Markit-Composite Index, der die Daten von Dienstleistern und des Verarbeitenden Gewerbes zusammenfasst, fiel auf 59,2 Zähler von 60,4 Punkten im März.

Von

rtr

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