Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.05.2015

08:15 Uhr

Europäische Zentralbank

EZB reagiert auf Pannen-Dinner

Journalisten sollen nicht mehr unter Auflagen vorab Reden von Vertretern der Europäischen Zentralbank erhalten. Das ist eine Reaktion auf eine Panne, für die kein Journalist verantwortlich war – sondern die EZB selbst.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank – mit Redemanuskript. Einer der Direktoren hatte bei einem Dinner wichtige Informationen verbreitet, seine Rede wurde aber erst am Folgetag verbreitet. dpa

Mario Draghi

Der Präsident der Europäischen Zentralbank – mit Redemanuskript. Einer der Direktoren hatte bei einem Dinner wichtige Informationen verbreitet, seine Rede wurde aber erst am Folgetag verbreitet.

FrankfurtAm Montagabend hatte Benoît Cœuré, Direktor der Europäischen Zentralbank (EZB), auf einem Dinner in London vor ausgewählten Vertertern von Hedgefonds und Banken, Details zum Anleihekauf-Programm der Institution bekannt gegeben. Die Rede veröffentlichte die Zentralbank jedoch erst am Tag danach – und der Euro-Kurs stürzte ein. Das löste eine heftige Debatte über die Informationspolitik der EZB aus.

Die Währungshüter ziehen jetzt eine Konsequenz aus dem Vorfall. Redetexte von EZB-Verantwortlichen sollen künftig nicht mehr vorab mit einer Sendersperrfrist an Journalisten übermittelt. Bislang erhalten Journalisten viele Vorträge vorab unter der Auflage, erst mit Beginn der Rede über das Manuskript zu berichten.

Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Zusätzliche Staatsanleihen und Wertpapiere

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

Schrittweise und auf breiter Basis

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Auch Papiere mit negativer Rendite

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Diese Papiere sollen gekauft werden

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Diese Anleihen sollen gekauft werden

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Vorkehrung gegen das Austrocknen

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

Die Verschärfung der Verfahrensweise sei eine Reaktion auf die Veranstaltung nur für geladene Gäste mit Cœuré. Der EZB-Direktor hatte bei dem Abendessen angekündigt, dass die EZB einen Teil der für Juli und August geplanten Anleihenkäufe wegen der in der Urlaubssaison üblicherweise dünnen Umsätze auf Mai und Juni vorzuziehen wolle. Dies löste Kritik aus, dass die anwesenden Banker und Hedgefonds-Manager früher als andere wichtige Informationen erhalten hätten.

Anleihekaufprogramm und Euro: Wenn ein EZB-Mann beim Dinner zu viel redet

Anleihekaufprogramm und Euro

Wenn ein EZB-Mann beim Dinner zu viel redet

Gestern spielten die Märkte verrückt, weil die Europäische Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm vorzieht. Einige Großanleger konnten sich darauf vorbereiten. Ein EZB-Direktor informierte sie auf einem Dinner vorab.

Die alte Regel hatte sicherstellen sollen, dass alle Marktteilnehmer gleichzeitig über die Reden informiert werden sollten. Künftig deutet sich ein Wettlauf an, wer die verbreiteten Zeilen am schnellsten deutet. Vorab-Infos aus dem Direktorium selbst an ausgewählte Gäste wie bei dem Londoner Dinner, schließt die neue Regel allerdings nicht aus. Die EZB muss auf die Disziplin der eigenen Verantwortlichen setzen. Für die Institution besteht keine Ad-hoc-Pflicht wie etwa für Aktiengesellschaften, die entscheidende Informationen über elektronische Wege zur Verfügung stellen müssen.

Euro-Kurs fällt: EZB will Anleihekäufe im Mai und Juni forcieren

Euro-Kurs fällt

EZB will Anleihekäufe im Mai und Juni forcieren

Die Europäische Zentralbank will im Mai und Juni ihr Kaufprogramm für Anleihen beschleunigen. Diese Aussage von EZB-Direktor Benoît Cœuré hat den Euro-Kurs am Dienstagmorgen auf Talfahrt geschickt.

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Hubich

21.05.2015, 08:25 Uhr

Bei der EZB ist es also eine Panne, was de facto Insider Informationen sind. Und ein weiter so wird garantiert:"Vorab-Infos aus dem Direktorium selbst an ausgewählte Gäste wie bei dem Londoner Dinner, schließt die neue Regel allerdings nicht aus. " Die Banken- und Hegdefonds Zocker können noch mehr zocken, bezahlen werden die Völker. Deutlicher kann die EZB fast nicht mehr zeigen, daß wir in einer Diktatur des Kapitals leben, oder sollte man es doch besser Monarchie nennen?

Frau Ich Kritisch

21.05.2015, 08:38 Uhr

Die Zukunft wird immer deutlicher ...

Herr Josef Schmidt

21.05.2015, 08:40 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×