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01.02.2016

15:15 Uhr

Europäische Zentralbank

EZB will neues Marktchaos verhindern

Im Herbst hatte EZB-Präsident Mario Draghi Erwartungen geschürt. Er lockerte die Geldpolitik dann im Dezember weniger als erwartet, die Kurse brachen ein. Ein solches Chaos will die Notenbank zur März-Sitzung verhindern.

Der Österreicher warnt vor überzogenen Erwartungen an die Europäische Zentralbank. Reuters

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny

Der Österreicher warnt vor überzogenen Erwartungen an die Europäische Zentralbank.

BudapestÖsterreichs Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny warnt vor der nächsten EZB-Zinssitzung im März vor überzogenen Erwartungen. Im Dezember hätten die Anleger an den Börsen zu viel erwartet, sagte das EZB-Ratsmitglied am Montag am Rande einer Konferenz in Budapest zu Journalisten. „Daher hoffe ich, dass es diesmal eine rationalere Herangehensweise gibt.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Dezember zwar ihre Geldpolitik weiter gelockert. Viele Investoren hatten aber mit noch umfassenderen Schritten gerechnet. Der Euro schnellte daraufhin in die Höhe, europäische Aktienkurs brachen ein. Zu einer gelungene Kommunikation gehörten immer zwei Seiten, sagte EZB-Präsident Mario Draghi später – und lud einen Teil der Schuld bei den professionellen Marktbeobachtern ab.

Zu möglichen geldpolitischen Maßnahmen im März wollte sich Nowotny nicht äußern. „Es wird nun in einer Reihe von Arbeitsgruppen und Ausschüssen gearbeitet und es wäre verfrüht, Details zu nennen.“ Die EZB könne allerdings nicht im Alleingang die Erholung der Wirtschaft im Euroraum sichern, ergänzte er.

Ähnlich äußerte sich Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré in Budapest. Die EZB werde bei ihrer Sitzung am 10. März das Programm zur geldpolitischen Lockerung prüfen und möglicherweise überdenken, so Coeuré. „Wir haben immer klar gemacht, dass wir bereit und in der Lage sind, unseren Teil beizutragen“, sagte Coeuré. „Aber damit die Erholung struktureller Natur wird - und damit das Potenzialwachstum zunimmt und die strukturelle Arbeitslosigkeit zurückgeht - reicht Geldpolitik nicht aus.“ Die EZB könne allerdings nicht im Alleingang die Erholung der Wirtschaft im Euroraum sichern, ergänzte der Notenbanker.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Nowotny zufolge könnte die Teuerung in der Euro-Zone wegen des Ölpreis-Verfalls erneut unter die Nulllinie rutschen. „Es könnte in einigen Monaten eine negative Inflationsrate geben.“ Für das Gesamtjahr und vor allem für die zweite Jahreshälfte rechne er aber nicht damit. Im Januar waren die Preise lediglich um 0,4 Prozent gestiegen. Die EZB strebt als optimalen Wert für die Wirtschaft eigentlich knapp zwei Prozent an.

Trotz des nie dagewesenen Umfangs geldpolitischer Lockerung hat die EZB Mühe, die Inflation zu beleben, da der Ölpreis sinkt. Notenbanker haben die Sorge geäußert, dass die von den Regierungen auf den Weg gebrachten Reformen nicht ausreichen. EZB-Präsident Mario Draghi wird diese Sorgen möglicherweise am Montagabend erneut vor dem europäischen Parlament in Straßburg ansprechen.

EZB : Mini-Inflation setzt Draghi unter Druck

EZB

Mini-Inflation setzt Draghi unter Druck

Die Inflation im Euroraum ist im Januar um 0,4 Prozent gestiegen. Sie verharrt damit an der Nullgrenze. Eine weitere geldpolitische Lockerung im März ist wahrscheinlich.

Im Euroraum haben Industrieunternehmen im Januar die Preise so stark wie seit einem Jahr nicht mehr gesenkt, zeigt der Markit-Einkaufsmanagerindex, der am Montag veröffentlicht wurde. Die Entwicklung belegt das Risiko, dass niedrigere Verbraucherpreise sich verfestigen. Zwar hat die Inflation im Euro-Raum im Januar leicht gestiegen, aber die EZB hat gewarnt, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten unter null sinken könnte.

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