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30.12.2016

12:44 Uhr

Europäische Zentralbank

Ratsmitglied rechnet weiterhin mit expansiver Geldpolitik

Trotz einer womöglich höheren Inflation im Jahr 2017 geht EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny davon aus, dass die Geldflut weiter anhalten wird. Seit Längerem verharrt der Leitzins auf dem Rekordtief von null Prozent.

Das EZB-Ratsmitglied rechnet auch im kommenden Jahr mit einer expansiven Geldpolitik. Reuters

Ewald Nowotny

Das EZB-Ratsmitglied rechnet auch im kommenden Jahr mit einer expansiven Geldpolitik.

WienTrotz absehbar steigender Preise wird die EZB laut Ratsmitglied Ewald Nowotny die Geldschleusen 2017 wahrscheinlich offen halten. Stabile oder gar anziehende Ölpreise könnten zwar zu einem „deutlichen Anstieg der Inflationsraten“ führen, sagte der Chef der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) am Freitag in Wien.

Doch die von den Währungshütern als ideal für die Wirtschaftsentwicklung angepeilte Marke einer Jahresteuerung von knapp zwei Prozent werde wahrscheinlich nicht erreicht. „Es ist daher weiterhin – aber nicht auf unbegrenzte Zeit – mit einer expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu rechnen“, sagte Nowotny.

Die Frankfurter Währungshüter halten ihre Leitzinsen bereits seit längerem auf dem Rekordtief von null Prozent. Anfang Dezember verlängerten sie zudem ihr billionenschweres Staatsanleihen-Kaufprogramm um neun Monate bis Ende 2017. Mit der Geldflut wollen sie die Konjunktur ankurbeln und die Inflation anheizen.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Der Stab der EZB hatte in seinen Projektionen für 2017 eine Inflationsrate von 1,3 Prozent veranschlagt. Wegen der anziehenden Ölpreise sind diese bis zum Stichtag 24. November erstellten Zahlen jedoch womöglich bereits Makulatur, wie der estnische Notenbankchef Ardo Hansson jüngst signalisierte.

Mit Spannung warten Experten auf die zu Jahresbeginn anstehenden Inflationsdaten für den Dezember: In Deutschland rechnen von Reuters befragte Fachleute mit einem Anstieg der Verbraucherpreise gemäß der für die EZB relevanten Berechnungsmethode (HVPI) um 1,3 Prozent. Für die Euro-Zone wird ein Wert von 1,0 Prozent veranschlagt. Im November lag die Jahresteuerung lediglich bei 0,6 Prozent.

Von

rtr

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