Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.11.2013

16:04 Uhr

Europäische Zentralbank

Spannungen an Finanzmärkten so niedrig wie vor Krise

Europas Finanzsystem hat sich erholt. Dennoch sieht die EZB keinen Grund zur Entwarnung: Die Lage ist alles andere als stabil. Regierungen und EU dürften das Reformtempo nicht drosseln, mahnen die Währungshüter.

Das Euro-Zeichen vor der EZB in Frankfurt: Die Spannungen an den Finanzmärkten sind wieder auf dem Niveau von 2007. dpa

Das Euro-Zeichen vor der EZB in Frankfurt: Die Spannungen an den Finanzmärkten sind wieder auf dem Niveau von 2007.

Frankfurt/MainDie Spannungen an Europas Finanzmärkten sind aus Sicht der Europäischen Zentralbank inzwischen so gering wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007. Der Stress im Finanzsystem sei nahezu auf das Vorkrisenniveau gesunken, erklärte die EZB in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht. Die Finanzierungssituation der Banken habe sich verbessert. Die Konjunktur habe sich erholt, wenn auch nur zögerlich. Insgesamt bleibt die Lage aus Sicht der Währungshüter aber fragil.

Sie mahnten Reformen in Euro-Ländern zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und weitere Schritte zur Verwirklichung der europäischen Banken-Union an.

Die EZB übernimmt im November 2014 die Aufsicht über etwa 130 Großbanken im Euro-Raum. Zuvor unterzieht sie die Geldhäuser einem Bilanzcheck und prüft, ob die Institute gegen Krisen gewappnet sind. Die gemeinsame Aufsicht ist eine wichtige Säule der Banken-Union. Die Euro-Finanzminister wollen sich bis Jahresende auf bisher strittige Regeln zur Abwicklung maroder Banken als Teil der Banken-Union einigen.

Die EZB betonte in dem Bericht, die Banken-Union könne die Rückkopplung von maroden Bankbilanzen und Staatsverschuldung mindern. Die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Euroländern und einheimischen Geschäftsbanken war eine starke Triebfeder in der europäischen Schuldenkrise.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Sorgen bereitet den Währungshütern die schwache Profitabilität wichtiger Banken. Der Euro-Raum hat die Rezession zwar mittlerweile überwunden, doch Geldhäuser leiden noch immer unter dem Risiko, dass Kredite ausfallen. Entsprechend hoch ist die Vorsorge für faule Kredite, was auf den Gewinn drückt.

Die Konjunktur im Euro-Raum erholt sich aus Sicht der Währungshüter nur zögerlich. Im dritten Quartal war die Wirtschaft im gemeinsamen Währungsraum minimal um 0,1 Prozent gewachsen. Für das kommende Jahr rechnet die EZB mit einem Plus von 1,0 Prozent.

Die EZB bescheinigte kriselnden Eurostaaten Fortschritte bei Reformen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und dem Abbau der Schuldenberge. Der Reformeifer dürfe aber nicht erlahmen. Die Währungshüter fürchten andernfalls erneut Spannungen an den Anleihemärkten. Auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise waren die Refinanzierungskosten für Länder wie Spanien oder Italien in nahezu untragbare Höhe gestiegen.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.11.2013, 17:00 Uhr

Man darf natürlich nicht den Teppich wegrollen... Da liegt der ganze Dreck. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×