Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.04.2013

17:10 Uhr

Europäische Zentralbank

Zinsen werden nur bei verschlechterten Daten gesenkt

Die Europäische Zentralbank hält den Leitzins angesichts der konjunkturellen Einschätzung und der monetären Analyse angemessen, so die EZB. Senken würde man den Leitzins nur, wenn sich die Wirtschaftsdaten verschlechtern

Die Euro-Skulptur steht in Frankfurt am Main (Hessen) vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Europäische Zentralbank würde nach Aussage ihres Ratsmitglieds Jens Weidmann den Leitzins nur senken, wenn sich die Wirtschaftsdaten verschlechtern. dpa

Die Euro-Skulptur steht in Frankfurt am Main (Hessen) vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Europäische Zentralbank würde nach Aussage ihres Ratsmitglieds Jens Weidmann den Leitzins nur senken, wenn sich die Wirtschaftsdaten verschlechtern.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank würde nach Aussage ihres Ratsmitglieds Jens Weidmann den Leitzins nur senken, wenn sich die Wirtschaftsdaten verschlechtern.

Die Zinsen seien angesichts der konjunkturellen Einschätzung, der Inflationseinschätzung und der monetären Analyse in Ordnung, sagte Weidmann am Freitag auf einer Pressekonferenz in Washington. „Aber wenn sich die Daten ändern, werden wir auch die Zinsen neu untersuchen.“

Der EZB-Rat beließ auf seiner letzten Sitzung am 4. April in Frankfurt den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Gleichzeitig signalisierte EZB-Präsident Mario Draghi aber angesichts wachsender Zweifel an der für den weiteren Jahresverlauf erwarteten Erholung, dass die Notenbank eine Reihe von Maßnahmen in Erwägung zieht, einschließlich einer Zinssenkung.

An einen etwaigen Zinsschnitt sollte man keine übersteigerten Erwartungen richten, sagte Weidmann am Freitag. Die Geldpolitik könne Strukturprobleme in der Eurozone nicht lösen.

Wichtige Begriffe zum Thema EZB

Bundesbank

Die Bundesbank ist die deutsche Zentralbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie ist 1957 entstanden durch die Zusammenführung der Landeszentralbanken, der Berliner Zentralbank und mit der Bank der deutschen Länder. Oberstes Organ der Bundesbank ist der Zentralbankrat. Auf europäischer Ebene ist die Bundesbank seit 1999 integraler Bestandteil des Europäischen Zentralbankensystems. Sie erfüllt verschiedene Funktionen. Notenbank: Ausgabe von Banknoten; Bank der Banken in Deutschland: Guthaben für Kreditinstitute und Bankdienstleistungen; Hausbank des Staates: Verwaltung des Zahlungsverkehrs für die öffentlichen Haushalte; Verwaltung der Währungsreserven: Devisen, Sorten und Gold.

Einlagefazilität

Die Einlagefazilität ist ein geldpolitisches Instrument im Europäischen System der Zentralbanken (ESZB). Es bietet den Banken die kontinuierliche Möglichkeit, Guthaben bis zum nächsten Geschäftstag zu einem vorgegebenen Zinssatz bei der Zentralbank kurzfristig anzulegen (Übernacht-Guthaben). Der Zinssatz für diese Fazilität bildet die Untergrenze für den Tagesgeldsatz am Geldmarkt (bis 1999 der Diskontsatz). Er ist einer der Leitzinsen im Eurosystem. Siehe auch: Spitzenrefinanzierungsfazilität.

Geldmengen

Unter Geldmenge versteht man den gesamten Bestand an Geld, der in einer Volkswirtschaft zur Verfügung steht. Die Geldmenge kann durch Geldschöpfung erhöht und durch Geldvernichtung gesenkt werden. In der Volkswirtschaftslehre und von den Zentralbanken werden verschiedene Geldmengenkonzepte unterschieden, die mit einem M, gefolgt von einer Zahl bezeichnet werden. Für M1 und die folgenden Geldmengenaggregate M2 und M3 gilt stets, dass das Geldmengenaggregat mit einer höheren Zahl das mit einer niedrigeren einschließt. Eine niedrigere Zahl bedeutet mehr Nähe zur betrachteten Geldmenge und zu unmittelbaren realwirtschaftlichen Transaktionen. Die Geldbasis M0 stellt die Summe von Bargeldumlauf und Zentralbankgeldbestand der Kreditinstitute dar. Geldvolumen M-1 = Bargeldumlauf ohne Kassenbestände der Banken, aber einschließlich Sichteinlagen inländischer Nichtbanken. M-2 = Geldvolumen M-1 zuzüglich Termingelder inländischer Nichtbanken mit Laufzeiten unter vier Jahren. M-3 = Geldvolumen M-2 zuzüglich Spareinlagen inländischer Nichtbanken mit gesetzlicher Kündigungsfrist.

Kreditplafondierung

Die Kreditplafondierung ist ein geldpolitisches Instrument zur Beschränkung des Geldmengenwachstums. Es wirkt auf die Kreditvergabe der Geschäftsbanken an private Wirtschaftssubjekte und damit auf die Buchgeldschöpfung der Geschäftsbanken. Dabei werden in periodischen Zeitabständen bestimmte Kreditzuwachsraten fixiert, um die die Kredite von Banken ausgeweitet werden dürfen. Die Kreditplafondierung kann auf einer freiwilligen Vereinbarung zwischen Banken und der Zentralbank oder auf einer gesetzlichen Regelung basieren. Mögliche Probleme entstehen z.B. dadurch, dass eine Festlegung der Höchstgrenzen für das Kreditwachstum der Zentralbank sehr diskretionär ist, die Kreditplafondierung einen starken Eingriff in den freien Markt darstellt, sich strukturpolitische Probleme ergeben können und z.B. große Unternehmen auf ausländische Kreditgeber ausweichen.

Leitwährung

Eine Leitwährung ist eine nationale Währung, die im internationalen Finanz- und Währungssystem eine herausgehobene Rolle spielt. Andere Währungen orientieren sich an den Kursen der Leitwährung, weiterhin fungiert sie als Reservewährung, in der die Notenbanken ihre Währungsreserven ganz oder teilweise anlegen. Sie wird damit zum internationalen Zahlungsmittel. Vor 1914 galt das Britische Pfund als Leitwährung, danach wurde es vom US-Dollar abgelöst, mit dem heute Euro und Yen konkurrieren.

Leitzinsen

Leitzinsen geben die Bedingungen an, zu denen sich Kreditinstitute bei Noten- und Zentralbanken mit Geld versorgen. Die Noten- und Zentralbanken können daher durch die Festsetzung ihrer Zinssätze die Zinsverhältnisse am Geldmarkt und die allgemeine Zinsentwicklung entscheidend beeinflussen. Hierbei lassen sich verschiedene Zielrichtungen der Geldmarktsteuerung erkennen. Eine Anhebung des Leitzinses steht für eine restriktivere Geldpolitik mit dem Ziel die Inflation niedrig zu halten. Eine Senkung des Leitzinses hingegen entspricht einer expansiven Geldpolitik, bei der Kreditnehmer begünstigt werden. Eine Leitzinsänderung wirkt sich mit einer Verzögerung von etwa einem Jahr auf Wachstum und Inflation nieder. Das Ziel jeder Zentralbank ist es für ein stabiles Preisniveau zu sorgen und die Inflationsrate niedrig zu halten.

Spitzenrefinanzierungsfazilität

Mit diesem Instrument können sich Banken kurzfristig Zahlungsfähigkeit (Liquidität) verschaffen, indem sie Sicherheiten (Wertpapiere) für einen Tag an die Europäische Zentralbank (EZB) verpfänden. Dank eines solchen Übernachtkredits können sie ihre Liquidität vorübergehend sichern, wenn sie nicht alternativ Geld bei anderen Geschäftsbanken zu besseren Konditionen erlangen. Der von der EZB festgelegte Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität (bis 1999 der Lombardsatz) bildet die Obergrenze des Tagesgeldsatzes am Geldmarkt und ist daher ein Leitzins.

Auf die Frage, was die EZB tun könne, um die Kreditvergabe an kleine und mittelgroße Unternehmen im südlichen Europa zu fördern, sagte Weidmann, „in höheren Zinsen kann sich auch einfach ein gestiegenes Kreditrisiko niederschlagen. Das Kreditrisiko ist nichts, das die Notenbank aus dem Markt nehmen sollte.“

Was die Notenbank tun könne, sei, Liquidität bereitzustellen, sagte der Bundesbankpräsident. Das sei mit zwei LTROs bereits geschehen und habe auch dazu beigetragen, Finanzierungsprobleme in Europa zu lösen.

Auf die Frage nach der geplanten Ausweitung des Bondkaufprogramms der japanischen Zentralbank erwiderte Weidmann, die Geldpolitik dürfe niemals die Wechselkurse manipulieren.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

19.04.2013, 17:30 Uhr


Sollte die spätere Zinssenkung ebenfalls wie bisher "verrauchen", was dann ? Rauchende Colts ? Berne der Weichmacher , Draghi und Klugman auf der Rennstrecke rund um Europa. Mobiles Feuereinsatzkommando.

Account gelöscht!

19.04.2013, 18:24 Uhr

"Die Europäische Zentralbank würde nach Aussage ihres Ratsmitglieds Jens Weidmann den Leitzins nur senken, wenn sich die Wirtschaftsdaten verschlechtern."

Naja, ist ja schön, dass Herr Weidmann die Fahne des stabilen Geldes gegen die Weichspüler und Kreditbetrüger aller Orten hoch hält, nur offenbart doch dieser eine Satz das ganze Euro-Dilemma. Die Frage ist nämlich: Wessen Wirtschaftsdaten? Dass die italienischen und französischen sich verschlechtern werden, wenn weiter so regiert oder nicht regiert wird, ist ja absehbar.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, inwieweit überhaupt laschere Kreditstandards für nachhaltige Wirtschaftsbelebeung sorgen können oder nur ein irreführendes Schneeballsystem eigentlich unrentabler Produktion schaffen, welches einen anstehenden (ggfls. durchaus extrem grundlegenden, die Phantasie der meisten Beobachter übersteigenden!) Werte- und Strukturwandel verhindert, indem es das überlebte Bestehende subventioniert.

Hegglin

22.04.2013, 14:56 Uhr

Das alte Spiel, die EZB muss warten bis die Bundestagswahlen in Deutschland vorbei sind, wollen doch die Kinderlein nicht erschrecken. Das die Europäischen Politiker wende Hälse sind ist alt bekannt. Wie schlecht muss es denn der EU Wirtschaft den noch gehen bis die EZB handelt. Sogar die Deutschen Wirtschaft verschlechtert sich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×