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07.01.2015

10:42 Uhr

Eurostat

Inflation unter Null – Draghi am Drucker?

Die Preissteigerung in der Euro-Zone ist im Dezember unter die Nullgrenze gefallen. Damit werden massive Anleihekäufe der EZB immer wahrscheinlicher. Auf der Sitzung am 22. Januar könnte Draghi grünes Licht geben.

Geldproduktion: Vieles spricht dafür, dass Mario Draghi noch mal die Druckmaschinen anwirft. Getty Images

Geldproduktion: Vieles spricht dafür, dass Mario Draghi noch mal die Druckmaschinen anwirft.

Die Preise in der Euro-Zone sind im Dezember erstmals seit mehr als fünf Jahren wieder zurückgegangen. Wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Luxemburg in einer ersten Schätzung mitteilte, verringerten sich die Verbraucherpreise in den Staaten der Währungsunion um 0,2 Prozent. Das letzte Mal hatte es im Oktober 2009 mit minus 0,1 Prozent einen Rückgang der Preise gegeben.

Vor allem billigeres Öl entlastete den Geldbeutel der Konsumenten: Die Energiekosten fielen um 6,3 Prozent. Die Bundesregierung sieht trotz der neuen Daten jedoch nicht die Gefahr einer Deflation. Die Preisentwicklung werde nicht anders beurteilt als in den vergangenen Monaten, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Mittwoch. "Wir haben von unserer Analyse, so wie sie bisher gegolten hat, nichts zurückzunehmen." Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte in der Vergangenheit wiederholt erklärt, er sehe in Europa keine Gefahr einer Deflation, also eines Preisverfalls auf breiter Front.

Dennoch bring die schwache Preisentwicklung die Europäische Zentralbank (EZB) in die Bredouille. Sie gerät immer stärker unter Druck, mehr Geld ins Finanzsystem zu pumpen und sich damit gegen einen konjunkturschädlichen Preisverfall auf breiter Front zu wappnen.

Deflation und ihre Folgen : Jagt die EZB ein Gespenst?

Deflation und ihre Folgen

Jagt die EZB ein Gespenst?

Die Preise in der Eurozone steigen kaum noch. EZB-Chef Draghi sieht sich deshalb zum Handeln gezwungen. Doch wäre eine Deflation wirklich so schlimm? Ein Pro und Contra über den Nutzen und Schaden sinkender Preise.

Die EZB sieht stabile Preise bei einer Rate von knapp zwei Prozent gewährleistet. Dieses Ziel verfehlt sie jedoch momentan meilenweit. Zuletzt stand bei der Teuerungsrate im September 2013 eine Eins vor dem Komma. Die EZB will mit aller Macht eine Deflation vermeiden, also eine Spirale aus stetig fallenden Preisen auf breiter Front. Dies könnte die Wirtschaft lähmen, da Umsatz- und Gewinnrückgänge die Folge sein könnten. In Griechenland und Spanien sind die Preise besonders stark rückläufig.

EZB steht vor weiteren historischen Schritten

EZB-Rat

Das Führungsgremium der Notenbank entscheidet ab Januar 2015 nur noch alle sechs Wochen über die Geldpolitik im Euroraum, erster Termin dafür ist der 22. Januar. Bisher gab es in der Regel am ersten Donnerstag jedes Monats eine Zinsentscheidung der EZB. Draghi begründete den neuen Turnus mit überzogenen Erwartungen der Märkte: Würden diese enttäuscht, komme es zu Konsequenzen – ohne dass es dafür einen ökonomischen Grund gebe. „Die EZB sollte aber nicht jeden Monat handeln. Deshalb haben wir uns entschieden, dass der Sitzungskalender mit monatlichen Treffen zu eng ist“, erklärte der Italiener Anfang Juli.

Neubau

Ihre neue Zentrale im Frankfurter Ostend hat die EZB bereits im November bezogen, am 18. März 2015 soll sie feierlich eröffnet werden. Das Ensemble aus zwei gläsernen Türmen - 165 und 185 Meter hoch - sowie der denkmalgeschützten ehemaligen Großmarkthalle bietet Platz für 2900 Mitarbeiter. Die Kosten für den Neubau am Mainufer waren mehrfach nach oben korrigiert worden, jüngste Schätzung: 1,3 Milliarden Euro. Die Endabrechnung soll Ende 2015 vorliegen.

Protokolle

Ein weiteres Novum: Die Notenbank wird ab 2015 regelmäßig Zusammenfassungen der Beratungen des EZB-Rates veröffentlichen – und zwar jeweils vor der folgenden Sitzung. Bislang lagen die Mitschriften für 30 Jahre unter Verschluss. Die neue Transparenz sei „ein weiterer Weg, um unsere Maßnahmen und die ihnen zugrundeliegenden Erörterungen zu erläutern“, erklärte Draghi. Schließlich sei das Vertrauen der Bevölkerung in die Geldpolitik immens wichtig.

Stimmrechte

Im EZB-Rat galt bisher das Prinzip: ein Land, eine Stimme. Mit dem Euro-Beitritt Litauens ändert sich das. Ab 2015 wird rotiert. Im Mai darf Bundesbank-Präsident Jens Weidmann deshalb erstmals keine Stimme bei den geldpolitischen Entscheidungen abgeben. Hintergrund ist ein EU-Beschluss von 2003, wonach das Stimmrecht in dem Gremium rotiert, sobald die Eurogruppe mehr als 18 Mitglieder hat. Das soll sicherstellen, dass auch dann rasch und effizient entschieden werden kann, wenn die Währungsunion größer wird. Das System tritt mit dem Eurobeitritt Litauens zum 1. Januar in Kraft.

Anleihenkäufe

Die Inflation ist gefährlich niedrig, das viele billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt die Wirtschaft bislang nicht wie von den Währungshütern gewünscht in Schwung. Viele Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die Notenbank Anfang 2015 den Weg für Anleihenkäufe in großem Stil freimachen wird („Quantitative Easing“, QE). Befürworter hoffen, dass der Erwerb von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die Notenbank die Wirtschaft ankurbelt – und zugleich die Inflation wieder in Richtung des EZB-Zieles befördert. EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass die Vorbereitungen für neue Eingriffe weit fortgeschritten seien. Ausdrücklich nannte er dabei QE, wobei auch Staatsanleihenkäufe im Rahmen des Mandats der EZB möglich seien.

Zinsen

„Die Zinsen werden niedrig, niedrig, niedrig bleiben. Die Geldflut der Zentralbanken wird anhalten“, prognostizierte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau im Dezember. Europas Währungshüter selbst haben immer wieder bekräftigt, dass sie die Zinsen auf absehbare Zeit nahe Null halten werden. Dass der Leitzins im Euroraum noch unter das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt wird, gilt allgemein als unwahrscheinlich. Draghi selbst hatte eingeräumt, beim Leitzins sei „der untere Rand erreicht“.

Die Währungshüter haben bereits den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt und den Kauf von Hypothekenpapieren und Pfandbriefen beschlossen. Nach Ansicht von Experten steigt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die EZB auf ihrer nächsten Zins-Sitzung am 22. Januar den Kauf von Staatsanleihen in großem Stil ankündigt. Mit einer solchen Geldschwemme könnte sie die Inflation künstlich anheizen und zugleich die maue Konjunktur ankurbeln.

Von

rtr

Kommentare (32)

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Frau Frauke Müller

07.01.2015, 11:14 Uhr

Was ist schlimm an fallendes oder stagnierenden Preisen? Für den Verbraucher nichts!

Die EU-Krake braucht aber für ihre Transfers auf immer mehr gedrucktes Geld. Und das ist das Problem.

Hamburger haben im Februar Glück, sie können bei der anstehenden Wahl der EUdSSR die rote Karte zeigen!

Herr Vittorio Queri

07.01.2015, 11:14 Uhr

>> Inflation unter Null – Draghi am Drucker? >>

Diese Lügengeschichte mit der 0-Inflation glauben doch nicht mal die Vorschulkinder.

Habe einen guten Indikator, mittel dessen ich im Januar die Inflation im Supermarkt ablese.

Kosten Joghurt ( Griesspudding von Landliebe ) im Dezemper '14 : 75 Ct.

Kosten ( Griesspudding von Landliebe ) im Januar'15 : 79 Ct.

Macht nach Adam Riese eine Verteuerung um 4 Ct. bzw. 5,3 %

Die Draghi - Lügenmärchen von 0 % Inflation ist etwas für die Bänkster !

Herr Marcel Europaeer

07.01.2015, 11:25 Uhr

Zitat:
Was ist schlimm an fallendes oder stagnierenden Preisen?

Die Antwort darauf ist leicht zu finden und auch leicht zu verstehen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Deflation

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