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28.02.2014

13:38 Uhr

Eurozone

Inflation bleibt niedrig

Die Inflation in der Euro-Zone liegt wie schon im Vormonat bei 0,8 Prozent. Die Zahl liegt weit vom Zielwert der Europäischen Zentralbank entfernt. Nun steigt der Druck auf die Währungshüter.

Die Forderungen nach einer gelockerten Geldpolitik werden lauter. dpa

Die Forderungen nach einer gelockerten Geldpolitik werden lauter.

LuxemburgDer Preisauftrieb in der Eurozone bleibt auf niedrigem Niveau. Im Februar lag die jährliche Teuerungsrate wie schon im Vormonat und im Dezember 2013 bei 0,8 Prozent. Das geht aus einer Schnellschätzung des statistischen Amtes der Europäischen Union, Eurostat, vom Freitag hervor.

Hauptgrund sind deutlich fallende Energiepreise: Sie lagen im Februar 2,2 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Zudem schwächte sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln etwas ab. Ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak ist die Inflation gestiegen. Die sogenannte Kernrate lag bei 1,0 Prozent und damit 0,2 Punkte höher als im Januar.

Der Februar-Wert liegt weit vom Zielwert der Europäischen Zentralbank von knapp 2,0 Prozent entfernt, bei dem die Währungshüter die Preisstabilität gewahrt sehen. Unter der Schwelle von 1,0 Prozent liegt die Inflation bereits seit Oktober 2013. Wegen des dauerhaft niedrigen Niveaus lastet Druck auf den Währungshütern, ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern. Um deflationären Risiken entgegen zu wirken, könnte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsen weiter senken.

Welche Waffen die EZB noch in ihrem Arsenal hat

Ein noch niedrigerer Leitzins

Der Spielraum der EZB beim Leitzins ist inzwischen sehr eng. Er liegt bei 0,15 Prozent. Damit ist das Ende der Fahnenstange praktisch erreicht.

Negativer Einlagezins

Banken können Geld bei der EZB parken, wofür sie in normalen Zeiten Zinsen bekommen. Damit sie das nicht tun, sondern das Geld als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen, hat die Zentralbank diese Anlageform unattraktiv gemacht, indem sie den Zinssatz auf null gedrückt hat. Jetzt könnte die EZB noch einen Schritt weitergehen und negative Zinsen einführen.

Ende der Neutralisierung früherer Wertpapierkäufe

Zwischen 2010 und 2012 kaufte die EZB zur Stützung von Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien für mehr als 200 Milliarden Euro deren Staatsanleihen. Derzeit schöpft die EZB die Liquidität wieder ab, indem sie den Banken anbietet, in gleicher Höhe Geld bei ihr anzulegen. Die EZB könnte dieses Prozedere abschaffen - was entsprechend dem Restwert der Anleihen etwa 170 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln bringen würde.

Geringere Mindestreserve

Die Banken müssen zur Sicherheit Geld bei der EZB hinterlegen. Diese sogenannten Mindestreserven summieren sich auf etwa 100 Milliarden Euro. Würde die EZB die Anforderungen lockern und beispielsweise nur noch die Hälfte als Sicherheit verlangen, hätten die Banken zusätzlich 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld könnten sie als Kredite ausreichen.

Kreditvergabe fördern auf britische Art

Der niedrigste Leitzins nützt nichts, wenn die Banken keine Kredite vergeben. Nach der jüngsten EZB-Umfrage klagt jedes neunte kleine und mittelgroße Unternehmen der Euro-Zone darüber, keinen Zugang zu Bank-Krediten zu haben. Mit einem Trick nach britischem Vorbild könnte die EZB das ändern. Dort können sich Banken für jedes Pfund, das sie kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung stellen, zehn Pfund zu Vorzugskonditionen bei der Bank of England leihen.

Geringere Sicherheiten

Wenn Banken Geld von der EZB haben wollten, mussten sie bis 2007 Wertpapiere mit Top-Bonität als Sicherheit hinterlegen. Die Anforderungen hat sie seither mehrfach gesenkt - und könnte es weiter tun, um die Institute bei Kasse zu halten. Denn das ist die Voraussetzung für neue Kredite. Die Währungshüter könnten beispielsweise Aktien oder US-Staatsanleihen akzeptieren.

Liquidität für Förderbanken

Die Europäische Investitionsbank (EIB) kann am ehesten die kleineren und mittleren Unternehmen mit Geld versorgen. Seit 2009 kann sich die EIB bei der EZB Geld leihen, um es anschließend weiterzureichen. Die Währungshüter könnten solche Förderbanken mit zusätzlicher Liquidität ausstatten.

Langfristiger Ausblick

Die Kreditzinsen in vielen Krisenstaaten sind noch immer recht hoch. Um sie zu drücken, könnte die EZB nach amerikanischem Vorbild eine lange Niedrigzinsphase ankündigen. Die Federal Reserve hat erklärt, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2015 auf extrem niedrigem Niveau zu halten. Ringt sich die EZB zu einer ähnlichen Aussage durch, könnte dies die Zinsen im längeren Laufzeitbereich drücken.

Eine weitere "Dicke Bertha"

Die EZB hat Ende 2011 und Anfang 2012 die Banken mit zwei dicken Geldsalven von jeweils gut 500 Milliarden Euro geflutet. Draghi hatte diese in Anlehnung an ein deutsches Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg als "Dicke Bertha" bezeichnet. Sie wirkten: Inzwischen zahlen viele Banken bereits wieder schrittweise das Geld zurück, das sie sich damals bei der EZB geliehen haben. Eine Kreditklemme in vielen Südländern gibt es trotzdem, weil dort die Nachfrage der Unternehmen wegen der Krise sehr gering ist und die Banken Geld horten - zum Teil aus Angst, zum Teil wegen der steigenden Kapitalanforderungen der Regulierer. Ob sich die EZB eines Tages dazu durchringt, wie die Bank von England den Banken Geld nur unter der Bedingung zu geben, dass sie es als Kredit an Firmen weiterreicht, bleibt abzuwarten. Das Experiment auf der Insel war nur mäßig erfolgreich. Denn die Notenbank kann Unternehmen nicht befehlen, Kredite zu nehmen und zu investieren.

Wertpapierkäufe

Sollte die Krise wieder eskalieren, bliebe der EZB noch der massenhafte Ankauf von Wertpapieren - beispielsweise von Staatsanleihen oder Bankanleihen. Im Sommer 2012 - auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise - hatte Draghi versprochen, die EZB werde bei Bedarf und unter klar definierten Bedingungen Staatsanleihen von Problemländern kaufen - notfalls in unbegrenzter Höhe. Vor allem hierzulande hat dieses Versprechen der EZB Ärger eingehandelt. Sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich damit, weil die EZB im Fall der Fälle das Verbot der Staatsfinanzierung aus Sicht ihrer Kritiker wohl brechen würde. Bis dato musste Draghi jedoch nicht eine Staatsanleihe kaufen.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte zwar am Donnerstag vor einer dauerhaft niedrigen Teuerungsrate gewarnt: „Wenn die Inflation für eine längere Zeit niedrig bleibt, ist das natürlich ein Risiko an sich“, sagte Draghi bei einer Veranstaltung der Bundesbank in Frankfurt. Zunehmende Ängste vor einer Abwärtsspirale aus sinkenden Verbraucherpreisen und schwachem Wirtschaftswachstum dämpfte Draghi jedoch: „Wir befinden uns definitiv nicht in einer Deflation.“ Voraussetzung dafür wären fallende Preise auf breiter Front - dies gilt volkswirtschaftlich als große Gefahr. Bislang gibt es laut dem Notenbank-Chef aber keine Anzeichen dafür, dass Konsumenten ihre Ausgaben aufschieben und so die Wirtschaft abwürgen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

28.02.2014, 14:04 Uhr

(Die Währungshüter die Preisstabilität)

Das mag ja aktuell vielleicht zutreffen. Wenn man die Arbeitslosen Zahlen sieht, die Belastungen der Bürger,so wie die Staatsverschuldung im EU Raum. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Unternehmen die Preise senken müssen. Den nach grossen Lohnerhöhungen sieht es nicht gerade aus.

Die Pappnasen von Währungshüter sollten es mal mit Hypnose versuchen, vielleicht glauben es ihnen dann die Bürger. Oder Endlich ihren Job machen. Den 2 und 2 sind 4 und nicht 5.

Es würde schon einiges helfen wenn der Euro zum Dollar und den anderen Währungen auf einen fairen Wert kämme.

Account gelöscht!

28.02.2014, 14:59 Uhr

Es ist zweifelhaft, ob die offizielle Inflationsrate überhaupt zutrifft. Meines erachtens wird sie nach unten gemogelt. Angst vor Deflation muss nun wirklich kein Mensch haben.

Account gelöscht!

28.02.2014, 15:01 Uhr

Ich habe große Zweifel, ob die offizielle Inflationsrate stimmig ist. Meines Erachtens wird sie nach unten gemogelt. Angst vor Deflation muss in Europa nun wirklich keiner haben.

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