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30.09.2011

11:42 Uhr

Eurozone

Inflationszahlen dämpfen Spekulationen auf Zinssenkung

Die Verbraucherpreise in der Euro-Zone sind im September überraschend stark gestiegen. Damit rückt eine Zinsenkung durch die EZB in weitere Ferne.

Rollen mit Kupferdraht in einem metallverarbeitenden Betrieb. dpa

Rollen mit Kupferdraht in einem metallverarbeitenden Betrieb.

Die Inflation in den 17 Euro-Ländern ist im September auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren geklettert. Die jährliche Teuerungsrate sprang auf 3,0 Prozent und lag damit 0,5 Punkte höher als im August. Das teilte die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag in Luxemburg mit. Experten hatten zuvor allenfalls mit einem Anstieg auf 2,8 Prozent gerechnet.

Diese erste Schätzung kann später noch korrigiert werden. Die Werte liegen weit über der Marke von zwei Prozent, bei der die Europäische Zentralbank (EZB) die Preisstabilität gewahrt sieht.

Nach den Prognosen der Notenbank dürfte die Teuerung - getrieben von hohen Preisen für Energie und Rohstoffe - auch in den kommenden Monaten „deutlich über zwei Prozent“ verharren.

Die Instrumente der EZB

Veränderung des Leitzinses

Mit der Veränderung des Leitzinses reagiert die EZB in erster Linie auf die Inflation im Euro-Raum. Steigen die Preise deutlich, zieht die Notenbank die geldpolitischen Zügel in der Regel an. Höhere Zinsen verteuern aber auch Kredite. Daher können sie Gift sein für die lahmende Wirtschaft von Krisenländern wie Griechenland oder Portugal. Die EZB muss also die Inflation bekämpfen, ohne die Konjunktur in den 17 Mitgliedstaaten des Euro-Raums abzuwürgen. Die Zinspolitik ist normalerweise das herausragende Instrument der Notenbank. In Krisenzeiten greift sie aber auch zu unkonventionellen Maßnahmen.

Ankauf von Wertpapieren

Nach dem Ausbruch der Euro-Schuldenkrise 2010 hat die EZB die Notenpresse angeworfen, um im großen Stil Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten zu kaufen. Die Währungshüter reagieren damit auf steigende Renditen für Anleihen der Schuldensünder. Für Portugal, Irland, Griechenland und zuletzt auch für Spanien und Italien war es dadurch teurer geworden, sich frisches Geld zu besorgen. Nach dem Einschreiten der EZB sanken die Renditen. Die Notenbank hat derzeit Anleihen von Problemstaaten im Volumen von 156,5 Milliarden Euro in ihren Büchern stehen, die sie auf dem sogenannten Sekundärmarkt gekauft hat, also beispielsweise bei Banken. Die EZB lässt sich ihr Engagement verzinsen. Gehen die Länder pleite, bleibt sie aber zumindest auf Teilen ihrer Forderungen sitzen.

Liquidität

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor drei Jahren versorgt die EZB die Banken großzügiger mit Geld als sonst. Sie stellt ihnen Kredite mit verschiedenen Laufzeiten zur Verfügung. Zuletzt drehte die EZB den Geldhahn wieder weit auf, weil die Kreditinstitute zögern, sich gegenseitig Geld zu leihen. Banken konnten sich für sechs Monate zum Leitzins von 1,5 Prozent so viel Geld borgen wie sie wollten (Vollzuteilung). In „normalen Zeiten“ sind die Laufzeiten kürzer und es wird nur eine festgelegte Summe versteigert. Daneben vergibt die EZB Darlehen mit kürzerer Laufzeit und mit begrenzter oder voller Zuteilung. Kritiker werfen der Notenbank vor, den Markt mit Geld zu fluten und damit neuen Finanzspekulationen Vorschub zu leisten.

Intervention an Devisenmärkten

Starken Wechselkursschwankungen können die Notenbanken mit dem Kauf oder Verkauf von Devisen begegnen. Die EZB setzte dieses Instrument im Jahr 2000 ein, als der Euro gegenüber dem Dollar einen Schwächeanfall erlitt. Im Kampf gegen einen zu starken Franken, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie belastet, hatte die Schweizer Nationalbank SNB erstmals seit mehr als 30 Jahren eine Obergrenze für den Frankenkurs eingeführt, die sie unter allen Umständen verteidigen will, indem sie Franken auf den Markt wirft und damit Euro kauft. Bei massiven Attacken gegen eine Währung können allerdings auch Notenbanken in die Defensive geraten. So wettete der legendäre Hedge-Fonds-Gründer George Soros im Jahr 1992 erfolgreich gegen das britische Pfund und zwang die Bank of England in die Knie.

Kommunikation

EZB-Präsident Mario Draghi ist äußerste Aufmerksamkeit gewiss, wann immer er sich äußert. Manchmal reicht schon die Andeutung, dass die Notenbank aktiv werden könnte, um Spekulationen beispielsweise auf den Devisenmärkten zu beenden. Zugleich ist die EZB bemüht, die Märkte mit ihren Zinsentscheidungen nicht unnötig zu überraschen. Die EZB will - zumindest für Finanzprofis - berechenbar bleiben, damit nicht starke Wechselkurs- oder Aktienkursschwankungen das Vertrauen der Bürger in die Gemeinschaftswährung Euro erschüttern.

Der überraschende Anstieg dämpft Spekulationen über eine baldige Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Diese sieht stabile Preise nur bei Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Die EZB hatte ihren Leitzins wegen wachsender Inflationsrisiken in diesem Jahr zweimal angehoben - von 1,0 auf aktuell 1,5 Prozent.

Allerdings sind sich die Experten mit Blick auf eine Zinssenkung nicht einig. Denn wegen der Rezessionsgefahr rechnen viele immer noch damit, dass die Währungshüter die Zinsen früher oder später senken werden, um mit billigerem Geld die Konjunktur anzukurbeln.

Die Analysten der Helaba halten eine rasche Zinssenkung der EZB für ausgeschlossen. Die Inflation könnte kurzfristig ein Thema bleiben, "wenngleich die Perspektiven im Verlauf des nächsten Jahres Richtung zwei Prozent und darunter liegen dürften", heißt es in einer aktuellen Studie. Und weiter: „Bis zum Jahresende halten wir daher stabile EZB-Leitzinsen für wahrscheinlich.“

Dagegen sieht die Commerzbank en Zentralbank (EZB) weiter Spielraum für die EZB, die Geldpolitik zu lockern. „Wir erwarten, dass die EZB im Dezember und im März den Leitzins um jeweils 0,25 Punkte senken wird.“ Der Sprung der Inflationsrate von 2,5 auf 3,0 Prozent im September sei ein „letztes Aufbäumen der Inflation“.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

30.09.2011, 11:26 Uhr

Mit der D-Mark hätten wir längst einen Leitzins von 4,5 % un damit Tagesgeld-Konten mit 5 %.

Aber der Leitzins des EURO bleibt die nächsten 5 Jahre bei unter 2 %. Wetten ??

pepper83

30.09.2011, 11:48 Uhr

Die Inflation in Deutschland ist mit 2,6% niedriger als die im Euroraum!
Mit einem Tagesgeldkonto werden sie sich in den seltensten Fällen gegen Inflation schützen können

Account gelöscht!

30.09.2011, 11:51 Uhr

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Nicht vergessen,

STAGFLATION !

Nix Inflation
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