Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.09.2014

12:19 Uhr

Ex-Bundesbank-Chef Weber

EZB darf nicht zur „eierlegenden Wollmilchsau“ werden

Der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber warnt vor dem Start der neuen Bankenaufsicht durch die EZB vor einer Überlastung der Notenbank. Die EZB bewege sich auf einem „Minenfeld von Interessenskonflikten“.

Der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber stellt sich offen gegen neue Vorstöße von Commerzbank-Chef Martin Blessing für Euro-Bonds. ap

Der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber stellt sich offen gegen neue Vorstöße von Commerzbank-Chef Martin Blessing für Euro-Bonds.

FrankfurtZwei Monate vor dem Start der neuen Bankenaufsicht durch die EZB warnt UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber vor einer Überlastung der Notenbank. „Die EZB steht in der Gefahr, zur eierlegenden Wollmilchsau der Euro-Zone zu werden“, sagte der frühere Bundesbank-Chef am Donnerstag auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ in Frankfurt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse den Spagat zwischen Geldmarktpolitik und Finanzmarktstabilität meistern und bewege sich auf einem „Minenfeld von politischen Interessenskonflikten“.

Die auf den Weg gebrachte Bankenunion sei zwar ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. „Aber die Bankenunion in sich selbst ist kein Garant für Stabilität und Wachstum“, betonte Weber. Zur Überwindung der Euro-Schuldenkrise seien Strukturreformen in den einzelnen Ländern nötig.

2014 – ein heikles Jahr für die EZB

Neue Bleibe

In gebührendem Abstand zu den Bankentürmen im Westend entsteht in Frankfurt das neue Hauptquartier der EZB. Wann genau die Notenbanker dort einziehen werden, ist noch nicht klar - geplant ist aber 2014. Die EZB bleibt aber auch im Frankfurter Euro-Tower. Hier werden die Bankenaufseher untergebracht. Geldpolitiker und Aufseher sollen also nach den Umzügen nicht unter einem Dach arbeiten - Interessenskonflikte sollen so auf ein Minimum reduziert werden.

Neues Mitglied

Sabine Lautenschläger ist anstelle von Jörg Asmussen ins EZB-Direktorium eingezogen. Ebenfalls neu ist Lettlands Zentralbankchef Ilmars Rimsevics. Lettland ist das 18. Land, das den Euro eingeführt hat.

Neue Offenheit

Lautenschläger, Rimsevics und die anderen Notenbanker müssen sich an eine neue Offenheit der EZB gewöhnen. Die Zentralbank könnte schon bald wie etwa die Federal Reserve in den USA Protokolle oder zumindest schriftliche Zusammenfassungen der Sitzungen des EZB-Rats publik machen.

Draghi will dem EZB-Rat dazu schon bald einen konkreten Vorschlag machen. Umstritten ist, wie genau sich die Öffentlichkeit künftig ein Bild vom Abstimmungsverhalten der einzelnen Notenbanker machen kann.

Neue Instrumente

Die EZB geht mit einem rekordniedrigen Leitzins ins Jahr 2014: Seit November können sich die Geschäftsbanken bei ihr für 0,25 Prozent Zinsen refinanzieren. Zudem hat der EZB-Rat beschlossen, dass die Institute noch bis mindestens Mitte des übernächsten Jahres so viel Liquidität bekommen, wie sie bei der EZB abrufen - ohne Obergrenze. Damit ist das Finanzsystem zwar geschützt gegen Liquiditätsengpässe, doch stockt der Kreditfluss in den besonders krisengeplagten Ländern Südeuropas.

Zudem ist die Inflation in der Eurozone aus Sicht der Notenbanker zu niedrig. Die Zentralbanker betonen seit der letzten Zinssenkung, dass sie noch zahlreiche Pfeile im Köcher haben. Dazu gehören unter anderem weitere milliardenschwere Geldspritzen, um die Banken flüssig zu halten, sowie ein Strafzins für Banken, die Gelder lieber bei der EZB parken, als sie an Unternehmen und Haushalte als Kredit weiterzureichen.

Neue Banken

Wenn die EZB wie geplant im November 2014 die Oberaufsicht über die Banken der Währungsunion übernimmt, hat sie zumindest die 128 größten Institute bereits auf Herz und Nieren geprüft. Denn in den nächsten Monaten steht der größte Gesundheitscheck der Branche auf dem Programm, den es je gegeben hat.

Ziel der EZB ist es, die Banken möglichst besenrein, also ohne schlummernde Altlasten in den Bilanzen, zu übernehmen.

Die EZB übernimmt Anfang November die Aufsicht über die größten Banken der Euro-Zone, die zuvor auf Herz und Nieren geprüft werden. Damit soll sichergestellt werden, dass eine zentrale Institution einen neutralen Blick auf die Großbanken und deren Bilanzrisiken hat.

Die gemeinsame Aufsicht ist aber nur eine Säule der Bankenunion, darüber hinaus soll es einen gemeinsamen Abwicklungsfonds und eine gemeinsame Einlagensicherung geben. Viele Details dazu sind jedoch noch offen.

Weber sprach sich auch gegen die in dieser Woche von Commerzbank-Chef Martin Blessing wieder in die Debatte gebrachten gemeinsamen Staatsanleihen der Euro-Länder aus, sogenannte Euro-Bonds. Eine solche „Sozialisierung der Schulden“ sei nicht sinnvoll, denn damit sinke der Reformdruck in den einzelnen Staaten, erklärte er.

Weber ist damit auf einer Linie mit der Bundesregierung, die sich erst am Mittwoch erneut vehement gegen eine Vergemeinschaftung der Staatsschulden ausgesprochen hatte.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Helga Trauen

04.09.2014, 13:01 Uhr

Eine "eierlegende Wollmilchsau"? Schönes Bild, aber solche Hybriden sind nicht lebensfähig. Das Bild passt also.
Wer jetzt meint, der Euro würde sofort kollabieren... gemach! Es kommt zur totalitären EUSSR. Mit einem Sozialismus, der sich gewaschen hat. Einer vollständigen Verarmung. Einer Abwanderung der Leistungsträger und Einwanderung der Hartz-Bedürftigen. Und das propagandistische Trommelfeuer für das "politische Projekt". Wer dagegen ist, steht im Verdacht, vergiftete Mentholzigaretten geraucht zu haben. So wie seinerzeit das ND berichtete über die Grenzgänger. Oder er landet in der Psychiatrie. Diese zum Totalitären gewendete Gesinnung der Politiker ist augenscheinlich; sie reagieren wie eine Sekte, die in einer Blase lebend an ihre eigenen Prognosen glaubt! GLAUBT! Mit einem nie dagewesenen Realitätsverlust!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×