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02.07.2015

17:31 Uhr

Ex-Krisenland

Spaniens Regierung erhöht Wachstumsprognose

Spanien hat den Aufschwung geschafft. Das jedenfalls legen die Konjunkturprognosen der spanischen Wirtschaft nahe. Vom einstigen Sorgenkind hat sich das Land damit zu den Spitzenreitern der Euro-Zone gemausert.

Die spanische Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy blickt zuversichtlicher in die Zukunft als noch vor einem Jahr. dpa

Leichter Optimismus

Die spanische Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy blickt zuversichtlicher in die Zukunft als noch vor einem Jahr.

MadridDie spanische Regierung blickt optimistischer auf die Konjunktur des Landes. Das Bruttoinlandsprodukt werde im laufenden Jahr um 3,3 Prozent steigen und damit stärker als bisher erwartet, sagte Ministerpräsident Mariano Rajoy am Donnerstag in Madrid. Auch für 2016 erhöhte Rajoy die Wachstumsprognose, und zwar auf 3,0 Prozent. Bisher hatte die Regierung für beide Jahre jeweils nur ein Plus von 2,9 Prozent veranschlagt.

Damit gehört das frühere Krisenland zu den Spitzenreitern in der Euro-Zone. Allerdings ist die Arbeitslosenquote in Spanien mit 22,5 Prozent die zweithöchste im Währungsraum. Nur in dem von der Staatspleite bedrohten Griechenland sieht es am Jobmarkt noch düsterer aus.

Gewinner und Verlierer der Euro-Schwäche

Der Euro auf Talfahrt

Die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Euro auf Talfahrt geschickt. Nach Einschätzung von Analysten könnte ein Euro schon bald weniger als ein US-Dollar kosten – erstmals seit mehr als zwölf Jahren. Wer profitiert von der Euro-Schwäche und wem tut sie weh? (Quelle: dpa)

Gewinner: Die Exporteure

Ein schwacher Euro hilft Firmen aus der Eurozone, die Waren außerhalb des Währungsraums verkaufen wollen. Denn ihre Autos oder Maschinen werden auf den Weltmärkten günstiger – etwa in wichtigen Märkten wie Asien oder Amerika. Die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ oder anderen Euro-Staaten dürfte anziehen. In der Eurozone spielt der Wechselkurs aber keine Rolle.

Gewinner: Die Konjunktur

Mehr Exporte, mehr Produktion, mehr Arbeitsplätze. Ganz so einfach geht es in der Praxis nicht, aber der EZB-Kurs mit Nullzins und Geldschwemme zielt auch in diese Richtung. Allein über den Preis werden Unternehmen aus dem Euroraum dank des niedrigen Eurokurses wettbewerbsfähiger. Somit stehen die Chancen gut, dass sie mehr verkaufen und ihre Fabriken besser ausgelastet sind. Das könnte mittelfristig auch neue Arbeitsplätze schaffen.

Gewinner: Die DAX-Konzerne

Die lockere Geldpolitik der EZB könnte exportstarken deutschen Konzernen nach Berechnungen der Commerzbank im laufenden Jahr zwölf Milliarden Euro zusätzlich an Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in die Kassen spülen – allein weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert. Vom Euroverfall profitieren demnach vor allem jene Firmen, die Rechnungen und Löhne in Euro bezahlen, aber in Dollar abrechnen.

Verlierer: Importeure

Wichtige Rohstoffe wie etwa Öl werden international in Dollar gehandelt. Wenn der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert, werden solche Importe für Abnehmer im Euroraum tendenziell teurer. Deshalb sei ein schwacher Euro für die Exportnation Deutschland auch nur auf den ersten Blick erfreulich, kommentiert der Außenhandelsverband BGA: „Ohne die niedrigen Rohstoffpreise würde der schwache Euro tiefe Spuren in unserer Importrechnung hinterlassen und somit auch die Verkaufspreise im Export erhöhen.“

Verlierer: Die Urlauber

Urlaube in der Schweiz oder in die USA werden teurer, wenn der Euro gegenüber anderen wichtigen Währungen an Wert verliert. Ende Januar rechnete der Bundesverband deutscher Banken (BdB) vor: Die Kaufkraft eines Euro in der Schweiz betrage nur noch etwa 55 Cent. Das heißt: Waren und Dienstleistungen waren dort zu diesem Zeitpunkt im Schnitt fast doppelt so teuer wie in Deutschland. Für Touristen aus Amerika oder China wird ein Trip in die Eurozone aber attraktiver.

Verlierer: Die Unternehmen

Für den Ausbau ihrer Geschäfte außerhalb des Euroraums müssen Unternehmen aus dem Euroraum tendenziell mehr Geld in die Hand nehmen. Wer etwa eine Fabrik in China oder in den USA errichten will und dies in der jeweiligen Landeswährung bezahlt, legt in Euro gerechnet künftig drauf.

Verlierer: Die Nicht-Eurostaaten

Während die US-Notenbank Fed ihre Geldschleusen absehbar wieder schließen will, fährt die EZB einen genau entgegengesetzten Kurs. Das erhöht die Gefahr, dass es zu einem „Währungskrieg“ kommt. Mit ihren milliardenschweren Anleihenkäufen habe die EZB „eine Tür geöffnet, hinter der die Gefahr eines Abwertungswettlaufes lauert“, kritisierte BGA-Präsident Anton F. Börner.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Herr Werner Wilhelm

02.07.2015, 18:21 Uhr

Wenn in einer Volkswirtschaft Wirtschaftswachstum entsteht, dann muss man immer fragen wer sich dafür verschuldet hat. Im Falle von Spanien braucht man nicht lange zu suchen: Die Staatsverschuldung wird dieses Jahr die 100 % (vom BIP) erreichen.

Account gelöscht!

02.07.2015, 18:25 Uhr

Spanien befindet sich immer noch und notwendig im Sonderstatus der Befreiung von Bilanzvorschriften und anderen Gesetzen, die es ermöglichen, schöne Bilder für Volk und Europa zu malen, bunt, farbig und politisch wohlmeinend.

Hinzu kommt die anhaltende Hilfe des billigen Ölpreises und des exportgünstig niederen Euro, welch beide übrigens auch Deutschland nur über Wasser halten.

Klar, daß Rajoy sich diese Gelegenheit nicht entgehen läßt. Schließlich hat er noch viele andere böse Baustellen von Katalonien über das Könígshaus bis zu den immer noch konkursreifen Banken. Auch dort wurde immer noch nicht final aufgeräumt - nur ein wenig vor der Türe gefegt.
Ähnlich geht es den anderen Mitgliedern der weitgehend insolventen Familie der PIIGSZF, die währenddessen immer weiter anwächst. Bald gehört auch Deutschland dazu, sollte es den banküblichen Usancen folgen und Kredite von Pleiteschuldnern - Griechenland z.B. - fällig stellen und nach ausstehender Zahlung abschreiben. Nur die zuvor gewährten Verlängerungen meinen Schäuble, ihn daran hindern zu können. Das aber ist Vortäuschung falscher Tatsachen - Betrug.

Herr Jürgen Jantschik

02.07.2015, 18:34 Uhr

Immer wenn es im Gebälk rumort, werden plötzlich wieder ganz tolle Zahlen in den Pleitestaaten gemeldet. Dazu hat man ja die Grundlagen zur Errechnung des BIP in der Eurozone erst unlängst geändert.

Die Staatsschulden Spaniens sind von 436,98 Milliarden Euro im Jahre 2008 auf SAGE UND SCHREIBE 1021,36 Milliarden Euro im Jahr 2014 gestiegen.
Die Staatsverschuldung Irlands ist von 79,6 Milliarden Euro im Jahre 2008 auf SAGE UND SCHREIBE 207,47 Milliarden Euro im Jahr 2014 gestiegen (FAST VERDREIFACHT).
Die Staatsverschuldung Portugals ist von 123,3 Milliarden Euro im Jahre 2008 auf 213,99 Milliarden Euro im Jahre 2014 gestiegen. WER SOLL DAS ZURÜCKZAHLEN ?? Die Arbeitslosen in Spanien und Portugal ??

Wirklich tolle Erfolge !!

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