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13.10.2014

07:06 Uhr

EX-US-Finanzminister

Star-Ökonom Summers kritisiert deutschen Sparkurs

ExklusivLarry Summers ist einer der prominentesten Wirtschaftspolitiker der USA. Im Handelsblatt-Interview schießt der Ex-Finanzminister scharf gegen die deutsche Regierung. Berlin müsse endlich seinen Sparkurs aufweichen.

Neue Schulden für mehr Investitionen? Nein!

Video: Neue Schulden für mehr Investitionen? Nein!

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WashingtonDer frühere US-Finanzminister Larry Summers hat die Sparpolitik der deutschen Bundesregierung im Handelsblatt-Interview (Montagausgabe) scharf kritisiert. „Der deutsche Ansatz hat die Reformziele bisher nicht erreicht“, sagte der Ökonomie-Professor im Hinblick auf die von Berlin verfolgte Politik, durch Einsparungen in den nationalen Haushalten der EU-Staaten für neues Vertrauen zu sorgen.

Der Glaube, „dass man Schuldenprobleme nur dadurch lösen kann, dass man die Verschuldung einschränkt“, sei falsch, sagte Summers. Stattdessen müsse versucht werden, aus den Schulden herauszuwachsen. Schließlich sinke die Schuldenquote auch dann, wenn die Wirtschaft wachse. (Einen Themenschwerpunkt zu Deutschlands Rolle auf der IWF-Tagung in Washington finden Sie hier)

Um die Konjunkturschwäche zu überwinden, rief Summers rief die europäischen Regierungen zu schuldenfinanzierten Investitionen auf. Die Zeit dafür sei günstig: „Die Marktzinsen von etwa zwei Prozent für Spanien zeigen doch, dass es an den Kapitalmärkten eine große Bereitschaft gibt, Europa mehr Finanzmittel zur Verfügung zu stellen“, sagte der ehemalige Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama.

Die gesamtwirtschaftliche Rendite solcher Projekte sei mit Sicherheit größer als die Zinsen. „In dem Maße, in dem die Europäer solche Investitionen tätigen, verbessern sie ihre wirtschaftliche Lage“, sagte Summers. „Schulden sind also nicht immer schlecht.“

Das vollständige Interview mit Larry Summers finden Sie als Digitalpass-Kunde hier zum Download.

Kommentare (23)

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Herr Holger Thom

13.10.2014, 07:38 Uhr

Wie kann ein ehemaliger Finanzminister ein Star-Ökonom sein? Der Mann hat eventuell etwas Ahnung davon, was aber in der Regle nicht der Fall ist, dient aber wie alle Finanzminister der Banken-Lobby. Die eigentlichen Problem des Systems werden nicht angesprochen und nicht gelöst. Nur neue Schulden anhäufen mit frisch gedrucktem Geld. Funktioniert ja so gut seit Jahren, oder?

Frau Wil Fried

13.10.2014, 08:27 Uhr

Summers hat höchstens in einem Punkt recht: es wird zu wenig investiert. Falsch ist aber, dass die öffentliche Hand Investitionen tätigen kann, die sich mit über 2% rentieren, das ist allein Aufgabe der Wirtschaft. Investitionen in Rahmenbedingungen wie Infrastruktur lassen nur eine fiktive Renditeberechnung zu. Wenn sich nun allerdings die Politik rühmt, 1 Mrd Euro in den maroden Brückenbau zu investieren, ist das angesichts von über 50 Mrd Einnahmen aus der Kfz-Steuer an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Viel zu viele Steuergelder werden für die von der Politik immer neugeschaffenen Fressnäpfe und die überalimentierten Europapolitiker ausgegeben. Trotz exorbitant steigender Ausgaben für Beraterfirmen bleibt aber die Arbeit der Politik insgesamt sehr ineffektiv. Anschauliches Beispiel ist das Debakel der Bundeswehr: Das Budget wird überwiegend von Personalausgaben aufgezehrt und die Wehrtechnik verkommt bis zur Nutzlosigkeit. Auch Brüssel ist überwiegend damit beschäftigt, Subventionen zu verteilen. Diese Subventionen halten aber lediglich unwirtschaftliche Strukturen am Leben, deshalb muss sich die Politik verstärkt um Subventionsabbau kümmern. Auch wäre es hilfreich, wenn die öffentliche Hand ihre Rechnungen aus der Privatwirtschaft pünktlich begleichen würde.

Herr Peter Petersen

13.10.2014, 08:45 Uhr

Nun ja, die Aussagen von Herrn Summers sind im Grunde banal.
Wenn Deutschland und auch andere europäische Staaten Schulden machen müssen, dann doch jetzt.
Die Infrastruktur in Deutschland ist nahezu flächendeckend befriedigend bis ungenügend. Marode Straßen, Brücken, Bahntrassen, Kanalisation, Versorgungsleitungen etc., etc.. Öffentliche Gebäude wie Schulen, Behörden sind teils in katastrophalen Zustand und auf Schwellenlandniveau.
Die sogenannte Energiewende liegt im Argen, im Bereich von Bildung kann man von dieser teilweise nicht mehr sprechen. Die Integration von zugezogenen ausländischen Mitbürgern ist zum großen Teil mangels Bemühungen der Gesetzgebung und der öffentlichen Verwaltung gar nicht möglich.
Natürlich könnte Europa, insbesondere Deutschland mit einem groß aufgelegten Konjunkturprogramm den Arbeitsmarkt beleben, dadurch mehr Steuereinnahmen generieren, den Lebensstandard und die Zufriedenheit seiner Bürger sichern oder zurückgewinnen. Und, wenn die Investitionen wirklich so eingesetzt werden könnten, dass diese nicht zur Machterhaltung irgendwelcher dummdreister Politiker, Behördenvertreter oder zur weiteren überproportionalen Bereicherung von Unternehmen führten, dann und, nur dann, wäre eine weitere Verschuldung von Nutzen - von großem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen.

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