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21.03.2011

13:05 Uhr

Expansive Geldpolitik

Bundesbank will Ende des billigen Geldes

Die Bundesbank hat sich für ein Ende der expansiven Geldpolitik ausgesprochen. In ihrem Monatsbericht rät das Institut den Notenbanken zum Ausstieg - und mahnt die Wahrung von Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit an.

Die Bundesbank rät den Notenbanken, zum richtigen Zeitpunkt ihre Stützungsmaßnahmen zu beenden. Quelle: dpa

Die Bundesbank rät den Notenbanken, zum richtigen Zeitpunkt ihre Stützungsmaßnahmen zu beenden.

Frankfurt/MainDie Bundesbank macht sich für einen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes stark. Die Notenbanken stünden „mit dem Abklingen der unmittelbaren Auswirkungen der Krise“ vor der Herausforderung, ihre Stützungsmaßnahmen zum richtigen Zeitpunkt zu beenden, schreibt die Bundesbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht März. Der Ausstieg sei notwendig, „um die längerfristig schädlichen Nebenwirkungen zu vermeiden. Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Notenbanken müssten auch „in einem schwierigen makroökonomischen Umfeld bewahrt werden“.

Die Europäische Zentralbank (EZB) und andere Notenbanken hatten in den jüngsten Krisen immer wieder ihre Geldschleusen weit geöffnet.

Zuletzt stellte Japans Notenbank mehrfach Geldspritzen in Milliardenhöhe bereit, um das Finanzsystem des von Erbeben, Tsunami und Atomangst gebeutelten Landes zu stabilisieren. Kritiker warnen, die Geldschwemme heize zumindest mittelfristig die Inflation an.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte Anfang März eine Zinserhöhung in diesem April in Aussicht gestellt - es wäre die erste der EZB seit fast drei Jahren. Für Zinsschritte nach oben spricht die galoppierende Teuerung in vielen Ländern. Wegen der Krise in Japan gibt es jedoch Bedenken, dass die EZB diesen Kurs halten wird.

Viele Ökonomen halten die Weltwirtschaft für stabil genug, auch der Krise in Japan zu trotzen. Zur Lage in Deutschlands schreibt die Bundesbank, die konjunkturelle Erholung habe sich „in der Grundtendenz zu Jahresbeginn fortgesetzt“.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Petra

21.03.2011, 14:10 Uhr

Gemeinden, Kreise, Bundesländer, Staaten, alle sind bis an die Grenzen verschuldet. Zinsen müssen teilweise durch neue Darlehen finanziert werden.

Obwohl Deutschland wirtschaftlich von einem Rekord zum Nächsten eilt, ist eine weitere Schuldenaufnahme im Haushalt eingeplant. Zusätzliche Belastungen durch die EU auf Grund von Zahlungsausfällen "maroder" Staaten noch gar nicht eingerechnet! 85% der restlichen EU-Staaten haben eine deutlich schlechtere Wirtschaftslage.

Zinserhöhungen führen unweigerlich zu Einsparungen und/oder Steuererhöhungen. Beides ist in der aktuellen Wirtschaftslage pures Gift, was allen Entscheidungsträgern auch bewußt ist. Daher wird es keine Zinserhöhungen geben!

Volkswirt

21.03.2011, 22:15 Uhr

Prinzipiell befürworte ich höhere Zinssätze. 1 % Hauptrefinanzierungssatz liegt aktuell deutlich unter der Teuerung für Güter und Dienstleistungen. Allerdings ist die aktuelle Situation in Japan nicht zu unterschätzen. Die drittgrößte und sehr wichtige Volkswirtschaft ist in der Güterproduktion - insbesondere High-Tech-Elektronik / Optik / Materialien - global sehr engmaschig vernetzt.

Kann Japan bestimmte High-Tech Bauteile und -gruppen nicht liefern, dann gibt es eine deutliche Verknappung essentieller Güter in modernen Volkswirtschaften, z.B. Smartphones, Note-/Netbooks, PCs, Digitalkameras, Automobile und sogar Flugzeuge.

Der Grund hierfür: Bis zu 30 % der weltweit hergestellten und benötigten High-End Elektronik-Bauteile - Chips, Sensoren - können nicht oder nur eingeschränkt geliefert werden. Es kommt zu einer massiven Angebotsverknappung, was natürlich die Preise deutlich ansteigen lassen wird und zu Lieferengpässen führt.

Eine Zinserhöhung wäre sozusagen aus zweierlei Hinsicht Gift. Erstens ist die aktuelle Finanz- und Realwirtschaft in vielen EURO Ländern nach wie vor sehr labil und fragil. Sogar Deutschland bleibt um weitere Staatsdefizite in den nächsten Jahren nicht verschont. Ganz zu schweigen von den aktuellen Wackelkandidaten in der EURO-Zone.

Zweitens steigt die Gefahr eines möglichen Wirtschaftsabschwungs aufgrund massiver Lieferschwierigkeiten von High- und Medium-Tech Produkten. Maschinen, Rechner, Autos, Flugzeuge etc können nicht oder nur eingeschränkt produziert werden, d.h. weniger Ab- und Umsatz führt auch zu Einsparungen beim Personal. Weniger Beschäftigte bzw. Lohnverzichte bedeuten Kaufzurückhaltung und weniger Nachfrage.

Zunächst sollte die Situation - insb. die (Aus-) Wirkungen der eng verzahnten Lieferketten - in Japan geklärt sein, um überhaupt eine Zinserhöhung ins Auge zu fassen. Ansonsten bekommen wir den Double-Dip ganz unverhofft.

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