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05.05.2011

11:46 Uhr

Experte

Demografie treibt Inflation in China

Der Rückgang der Billigarbeiter sowie die zunehmende Alterung der Gesellschaft könnten die Inflation in China weiter ansteigen lassen, sagt ein Experte..

Die chinesische Bevölkerung ist im Schnitt deutlich älter geworden. Quelle: Reuters

Die chinesische Bevölkerung ist im Schnitt deutlich älter geworden.

PekingDie Inflation in China dürfte künftig nicht mehr nur von Wirtschaftsboom und steigenden Rohstoffpreisen befeuert werden, sondern auch von der demografischen Entwicklung. Davor warnte der Wissenschaftler BaShusong vom State Council Development Research Centre, einer direkt dem Staatsrat unterstellten Denkfabrik. Die Ergebnisse der Volkszählung und andere Statistiken würden einen rapiden Rückgang der bisher reichlich vorhandenen Billigarbeiter signalisieren, schrieb der Ökonom am Donnerstag im Blatt "Economic Information Daily". "Steigende Löhne für Arbeiter werden die Kosten nach oben treiben. Die niedrige Inflation, die bei einem reichlich vorhandenen Angebot an Arbeitskräften möglich ist, wird nicht haltbar sein."

Auch das Wirtschaftswachstum werde unter dieser Entwicklung leiden. Es werde sich "systemisch verlangsamen". "Das Investitionswachstum wird sich verringern", sagt Ba voraus. "Getrieben wird das Wirtschaftswachstum dann nicht mehr von Investitionen, sondern vom Konsum."

Die vorige Woche veröffentlichten Daten der Volkszählung hatten gezeigt, dass der Anteil der Chinesen unter 15 Jahren von 2000 bis 2010 stark geschrumpft ist - und zwar von 22,89 auf 16,6 Prozent. Der Anteil der über 60-Jährigen stieg gleichzeitig von 10,33 auf 13,26 Prozent. "Die aktuellen Daten zeigen, dass China bereits den Lewis-Wendepunkt überschritten hat", schrieb Ba. Er verwies damit Wirtschaftsnobelpreisträger Arthur Lewis. Nach dessen Theorie steigen die Löhne in aufstrebenden Schwellenländern dann rasch, wenn der Überschuss an ländlichen Arbeitskräften zu sinken beginnt.

Das Einkommen der Landbevölkerung hatte 2010 um 10,9 Prozent zugelegt, das der Stadtbevölkerung dagegen nur um 7,8 Prozent. Experten zufolge spiegeln sich darin die steigenden Löhne für Hunderte Millionen Wanderarbeiter wider.

Die Inflationsrate in China hatte im März mit 5,4 Prozent den höchsten Wert seit knapp drei Jahren erreicht. Die von der Regierung angestrebte Teuerungsrate von vier Prozent wird Experten zufolge schwer einzuhalten sein angesichts der steigenden Arbeitskosten und höherer Rohstoff- und Benzinpreise.

Von

rtr

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