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12.01.2005

08:09 Uhr

Experten: Europäische Zentralbank wird ungeliebte Niedrigzinspolitik auf absehbare Zeit fortsetzen

Ökonomen erwarten geringes Wachstum

VonNorbert Häring

Nach Einschätzung des EZB-Schattenrats wird die Wirtschaft des Euro-Raums in diesem Jahr deutlich schwächer wachsen als bisher von der Europäischen Zentralbank (EZB) angenommen.

FRANKFURT/M. Im Durchschnitt erwarten die Experten ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent. Die entsprechende Prognose der EZB von Dezember lautet auf 1,9 Prozent. Auch die für dieses Jahr zu erwartende Inflationsrate setzen die Schattenräte mit 1,8 Prozent niedriger an als die EZB, die mit 2,0 Prozent kalkuliert.

Dem von Handelsblatt und „Wall Street Journal Europe“ initiierten Schattenrat gehören 18 Ökonomen aus Hochschulen, Forschungsinstituten und Banken an. Neun Bankvolkswirte des Gremiums geben regelmäßig detaillierte Prognosen zur Entwicklung von Konjunktur und Inflation im Euro-Raum ab. Diese dienen dem Schattenrat als Grundlage für seine zinspolitischen Diskussionen.

Die EZB entscheidet am Donnerstag wieder über ihren Leitzins. Eine Zinsänderung wird nicht erwartet. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass EZB-Präsident Jean- Claude Trichet in der anschließenden Pressekonferenz die alte Linie der EZB bestätigt. Trichet hat in den letzten Monaten signalisiert, dass die EZB mittelfristig eine Normalisierung des derzeit sehr niedrigen Leitzinsniveaus anstrebt, dazu kurzfristig aber nicht die Notwendigkeit sieht.

Die relativ niedrigen Wachstums- und Inflationsprognosen der Experten im Schattenrat stützen die Erwartung der Finanzmärkte, dass die EZB ihren Leitzins bis deutlich in die zweite Jahreshälfte hinein bei zwei Prozent belassen wird. Damit bliebe der Leitzins, der seit Juni 2003 zwei Prozent beträgt, inflationsbereinigt weiterhin nahe bei 0 Prozent.

Dagegen hat die US-Notenbank Federal Reserve den Normalisierungsprozess bereits im Mai letzten Jahres eingeleitet und ihren Leitzins in fünf Schritten von einem auf 2,25 Prozent angehoben. Am Geldmarkt zeigen die Terminsätze die Erwartung, dass die US-Notenbank noch drei weitere Zinserhöhungen beschließt, bevor die EZB in den Zinserhöhungszyklus eintritt. Im Gegensatz zur Federal Reserve kann die EZB der eigenen Wirtschaft eine Abkehr von der Null-Realzinspolitik offensichtlich immer noch nicht zumuten.

„Ich rechne damit, dass die Wirtschaft in den nächsten Quartalen mehr oder weniger stagniert und die Inflation zurückgeht“, begründet EZB-Schattenratsmitglied Joachim Fels, warum er nicht mehr für eine Zinserhöhungsempfehlung an die EZB stimmte. Zwar sieht Fels wie die Mehrheit im Schattenrat mittelfristig die Notwendigkeit, zu einem „normaleren“ Leitzinsniveau zurückzukehren. „Doch würde eine Zinserhöhung derzeit nur den Euro weiter nach oben treiben“, befürchtet er und plädiert daher dafür zu warten, bis sich der Euro-Kurs normalisiert habe.

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