Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.09.2012

12:32 Uhr

Experten-Indikator

ZEW-Konjunkturerwartungen steigen überraschend

Erstmals seit April schätzen Börsenprofis die Konjunkturaussichten für Deutschland wieder positiver ein. Vor allem die neuen EZB-Pläne für Staatsanleihenkäufe heben die Stimmung – die Lage bleibt aber angespannt.

Ein Containerterminal in Hamburg. dapd

Ein Containerterminal in Hamburg.

Mannheim/BerlinNach den neuen EZB-Plänen für weitere Staatsanleihenkäufe schätzen Börsenprofis die Aussichten für die deutsche Wirtschaft wieder deutlich positiver ein. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturentwicklung in den kommenden sechs Monaten kletterte im September überraschend deutlich um 7,3 auf minus 18,2 Punkte.

"Dies ist der erste Anstieg des Indikators nach vier Rückgängen in Folge", erklärte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter 263 Analysten und Anlegern. Diese rechnen zwar weiter mit einer Konjunkturabkühlung, die aber "eher moderat ausfallen wird".

Konjunkturprognosen der vergangenen Monate

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus. Bislang waren 0,7 Prozent erwartet worden. "Der Aufschwung in Deutschland ist vorerst verschoben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Unternehmen schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als zu Beginn des Jahres." Für 2014 geht das DIHK von einem Wachstum von mehr als einem Prozent aus.

BDI

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnet mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Er ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung.

Bundesregierung

Die Bundesregierung geht für 2013 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Sachverständigenrat

Genau wie die Bundesregierung rechneten auch die "fünf Weisen" aus dem Sachverständigenrat zuletzt mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Wegen des starken Einbruchs im vierten Quartal 2012 haben sie den Wert jedoch auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die Schätzung um 0,7 Punkte zurückgenommen.

Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für 2013 ein Plus von 0,3 Prozent voraus. Im Oktober 2012 war er für 2013 noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen.

EU-Kommission

Zum Lager der Optimisten gehört die EU-Kommission. Für Deutschland erwartet sie 2013 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Das ist besser als die Erwartung für den Euroraum. Hier rechnet sie sogar mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Grund für die langsame Entwicklung sind die schlechte Binnennachfrage einiger Länder und große konjunkturelle Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrem Monatsbericht vom Dezember für 2013 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2014 soll dies auf 1,9 Prozent steigen.

DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hat es seine Erwartungen nach unten korrigiert. Zuvor war es von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Ifo-Institut

Das Münchner Ifo-Institut geht für 2013 von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus. Die Spanne der Schätzung reicht von minus 0,6 bis plus 2,0 Prozent.

"Zu der Verbesserung des konjunkturellen Ausblicks dürfte die Ankündigung der Anleihekäufe seitens der Europäischen Zentralbank (EZB), so problematisch diese auch sind, beigetragen haben", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Die EZB will unter bestimmten Bedingungen Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten wie Spanien in unbegrenzter Höhe kaufen, um so deren Zinskosten zu drücken und Zeit für Reformen zu gewinnen.

"Allerdings ist die Schuldenkrise noch nicht gelöst und die Konjunkturrisiken sind nach wie vor virulent", warnte Franz. Die Lage bewerteten die Börsenexperten so schlecht wie seit über zwei Jahren nicht mehr: Dieses Barometer fiel um 5,6 auf 12,6 Punkte und damit stärker als erwartet.

Ökonomen geben auch deshalb noch keine Entwarnung. Mit der EZB-Ankündigung sei ein Auseinanderbrechen der Währungsunion und damit das Hauptrisiko für die deutsche Wirtschaftsentwicklung zwar deutlich geringer geworden, sagte Commerzbank-Expertin Ulrike Rondorf. "Dennoch stagniert die deutsche Wirtschaft derzeit bestenfalls, eventuell schrumpft sie sogar leicht."

Die Industriestaaten-Organisation OECD erwartet für das zweite Halbjahr eine leichte Rezession. Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut beziffert das Rezessionsrisiko auf 30 Prozent. "Unser wirtschaftliches Wachstum verlangsamt sich", befürchtete auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt.

Neue Zahlen: IW schraubt Konjunkturprognose herunter

Neue Zahlen

IW schraubt Prognose herunter

Für das kommende Jahr haben die IW-Ökonomen allerdings eine gute Nachricht.

Zu schaffen macht der exportabhängigen Wirtschaft nicht nur die Rezession wichtiger Euro-Handelspartner, sondern auch die Konjunkturabkühlung in großen Schwellenländern wie China. "Die Exporteure und der Industriesektor werden weiter die Folgen der schwachen Konjunktur in der Euro-Zone und das maue Wachstum beim Welthandel spüren", sagte Aline Schuiling von ABM Amro.

Von

rtr

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Witz_des_Tages

18.09.2012, 12:05 Uhr

Und ich sage immer: "Hände weg von den Drogen."

pro-D

18.09.2012, 12:14 Uhr

[...].

Wann werden denn nun endlich die eh überflüssigen Parlamentarier endlich gefeuert? Die Demokratie ist beendet, das Spiel ist aus und wann gehen die nutlosen Politiker endlich nach Haus?

Herr Henkel trocken hat es so genial formuliert, besser gehts nicht. +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

Account gelöscht!

18.09.2012, 12:30 Uhr

In einer Diktatur werden alle Zahlen manipuliert! war in der DDR und UdSSR nicht anders, das Volk muß ruhiggestellt (besänftigt) werden - und offensichtlich funktioniert dieser Betrug ja auch in Deutschland und der EU.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×