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20.02.2015

11:02 Uhr

Export

Das Geschäft mit Russland bricht ein

Die Ukraine-Konflikt kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu stehen. 2014 brachen die Exporte nach Russland um gut 18 Prozent ein. Auch in diesem Jahr rechnen die Unternehmen mit milliardenschweren Einbußen.

Die deutsche Wirtschaft führt unter anderem weniger Autos nach Russland aus. Reuters

Exportterminal in Bremerhaven

Die deutsche Wirtschaft führt unter anderem weniger Autos nach Russland aus.

BerlinDie Ukraine-Russland-Konflikt kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu stehen. 2014 brachen die Exporte nach Russland um 18,1 Prozent oder rund 6,5 Milliarden Euro ein, geht aus Daten des Statistischen Bundesamt hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlagen.

Besonders stark gingen die Lieferungen von Fahrzeugen, Maschinen sowie Nahrungs- und Futtermitteln zurück. Trotz Sanktionen und Wirtschaftskrise bleibt Russland aber ein wichtiger Kunde: Insgesamt wurden Waren im Wert von gut 29 Milliarden Euro dorthin geliefert. Innerhalb von zehn Jahren haben sich die Exporte damit verdoppelt.

Die Ausfuhren in die Ukraine brachen 2014 sogar um ein Drittel oder 1,8 Milliarden Euro ein. Das Land steckt wegen des Konflikts mit pro-russischen Separatisten im Osten in einer schweren Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte von Oktober bis Dezember binnen Jahresfrist um 15,2 Prozent.

Wo die deutschen Exporteure 2015 wachsen – und wo nicht

Rekordjahr 2014

Die deutschen Exporteure haben 2014 ungeachtet der zahlreichen internationalen Krisen einen Umsatzrekord geschafft. Sie nahmen im Ausland 1133,6 Milliarden Euro ein und damit 3,7 Prozent mehr als 2013. In diesem Jahr soll es sogar um fünf Prozent nach oben gehen, sagt der Branchenverband BGA voraus. Es folgt ein Überblick über die boomenden und schrumpfenden Märkte.

USA

Keiner anderen großen Industrienation wird in diesem Jahr ein stärkeres Wirtschaftswachstum zugetraut. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ein Plus von 3,6 Prozent – nach 2,4 Prozent im vergangenen Jahr. Die steigende Beschäftigung und die Entlastung der konsumfreudigen Verbraucher durch sinkende Energiepreise dürften die weltgrößte Volkswirtschaft ankurbeln. Beflügelt werden dürften die Geschäfte der deutschen Unternehmen zusätzlich vom schwachen Euro, wodurch sie ihre Produkte in den USA entweder billiger anbieten und so der Konkurrenz Marktanteile abjagen oder ihre Gewinnmarge steigern können.

China

Auch wenn die Zeiten eines Wachstums im zweistelligen Prozentbereich vorbei sind, so bleibt die Volksrepublik doch ein lohnender Markt für die deutschen Unternehmen. „Ein wichtiger Schlüssel zu profitablem Wachstum liegt für uns in China“, sagt etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche. Seit Jahren ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wichtigster Absatzmarkt für die Autobauer und viele andere Branchen. Das Jahr begann verheißungsvoll: Mercedes Benz etwa steigerte seinen China-Absatz im Januar um 14,5 Prozent.

Euro-Zone

Das Geschäft auf dem wichtigsten Absatzmarkt entwickelt sich wegen der Schuldenkrise seit Jahren schleppend. Allerdings geht es in einigen Ländern wie Spanien und Portugal wieder aufwärts, was sich auch in der Exportstatistik niederschlägt: Die deutschen Ausfuhren in diese beiden Länder stiegen im vergangenen Jahr um jeweils rund zehn Prozent. Um immerhin 1,3 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone im laufenden Jahr wachsen, 2014 waren es nur 0,8 Prozent.

Russland

Die Wirtschaft rechnet mit milliardenschweren Einbußen. Die Exporte dürften um fast 15 Prozent oder knapp vier Milliarden Euro einbrechen, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Davon werden insbesondere Spitzenexportbranchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau betroffen sein“, sagt DIHK-Experte Volker Treier. Bereits 2014 waren die Ausfuhren um rund ein Fünftel gefallen. Ein Grund ist der Kursverfall des Rubel. „Damit gehen enorme Kaufkraftverluste russischer Abnehmer einher“, sagt Treier. „Zudem entfaltet sich die Wirkung der dritten Sanktionsstufe der EU gegen Russland erst in diesem Jahr voll.“ Bislang habe der Warenaustausch zu einem großen Teil noch auf Verträgen basiert, die vor Verhängung dieser Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise geschlossen worden seien.

Opec

Der sinkende Ölpreis drückt die Exporte in die zwölf Opec-Staaten. Im November etwa brachen die Ausfuhren in die Länder des Ölkartells um mehr als sieben Prozent ein. „Der Verfall der Ölpreise drückt unsere Exporte in viele rohstoffreiche Länder“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Treier. Angesichts fehlender Milliarden aus dem Ölgeschäft schieben viele Förderstaaten Investitionen auf, auch Unternehmen zögern. „Wir erwarten allenfalls ein schwaches Exportwachstum knapp über der Nulllinie in die Region Mittlerer und Naher Osten plus Nordafrika“, so Treier. Bislang hatte der DIHK mit einem Plus im zweistelligen Prozentbereich gerechnet.

Südamerika

Die lange Zeit boomende Region steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In vielen Ländern wie Argentinien und Venezuela dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr schrumpfen, in Brasilien gerade einmal um 0,5 Prozent wachsen, sagen von Reuters befragte Ökonomen voraus. Grund dafür sind sinkende Rohstoffpreise, aber auch eine wachsende Staatsverschuldung. „Es gibt mehr Risiken als Chancen“, sagt etwa der Chefvolkswirt der Banco Brasil Plural, Mario Mesquita.

Für dieses Jahr stellt sich die deutsche Wirtschaft auf weitere milliardenschwere Einbußen ein. Die Exporte nach Russland dürften um fast 15 Prozent oder knapp vier Milliarden Euro zurückgehen, befürchtet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Davon werden insbesondere Spitzenexportbranchen wie die Automobil-Industrie oder der Maschinenbau betroffen sein“, sagte DIHK-Experte Volker Treier.

Ein Grund ist der Kursverfall des Rubel. „Damit gehen enorme Kaufkraftverluste russischer Abnehmer einher“, sagt Treier. „Zudem entfaltet sich die Wirkung der dritten Sanktionsstufe der EU gegen Russland erst in diesem Jahr voll.“ Bislang habe der Warenaustausch zu einem großen Teil noch auf Verträgen basiert, die vor Verhängung dieser Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise geschlossen worden seien.

Von

rtr

Kommentare (8)

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Herr Vittorio Queri

20.02.2015, 11:16 Uhr

>> Ausfuhren nach Russland brechen ein >>

Deutsche Arbeitsplätze und Umsätze deutscher Firmen brechen weg !

Aber wir haben sanktioniert....endlich, und wenn wir selbst drauf gehen !

Es leben unsere Führer, die uns in die Helle Zukunft des amerikanischen Imperialismus führen...Frau Merkel, H.Schäuble, H. Steinmeier, H. Gabriel !

Ruhm der Ukraine !

Es leben die Helden !


Herr Paul Kersey

20.02.2015, 11:21 Uhr

Wer hätte das gedacht? Die Ausfuhren nach Russland brechen ein. Wie konnte das passieren? Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Das hätten wir gerne! Die Freiheit hat nun mal ihren vedammten Preis. Lieber weniger Ausfuhren, als tote Bundeswehr-Soldaten. Nichts ist umsonst auf dieser Welt, mein Gott noch mal!

Frau Helga Trauen

20.02.2015, 11:36 Uhr

@Kersey - Sie sprechen ja sicherlich von den "westlichen Werten", die "Freiheit", etc. Ich finde auch, da muß der Westen viel radikaler werden! Demonstrationen sollten noch mehr verboten werden. Guatanamo sollte überall eingerichtet werden, und die CIA-Foltermethoden sollten weiter ausgefeilt werden. Dieses Narrativ der sogenannten "westlichen Werte" ist ganz wichtig, um die Bevölkerung weiter zu verblöden und bloß nicht nachdenklich zu stimmen. Kriegstreiberei ist wichtig! Vor allem, wenn es um den US-Dollar als Weltleitwährung mit den damit verbundenen Privilegien geht!

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