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27.06.2014

12:19 Uhr

Exportwirtschaft

Ukraine-Krise bedroht 25.000 Jobs in Deutschland

Bis jetzt blieb Deutschland von den Folgen der Ukraine-Krise verschont. Nun könnten 25.000 Stellen in der Exportwirtschaft in Gefahr sein – denn Russland ist nach Polen der wichtigste deutsche Handelspartner in Osteuropa.

Ein Militärfahrzeug steht auf dem Maidan: Die Ukraine-Krise geht weiter – und könnte sich nun erstmals auch auf Deutschland auswirken. dpa

Ein Militärfahrzeug steht auf dem Maidan: Die Ukraine-Krise geht weiter – und könnte sich nun erstmals auch auf Deutschland auswirken.

BerlinDer deutschen Exportwirtschaft drohen wegen des Ukraine-Konflikts drastische Geschäftseinbußen und der Verlust Tausender heimischer Arbeitsplätze. Allein in den ersten vier Monaten sackten die Ausfuhren in die Ukraine um fast ein Drittel und nach Russland um ein Achtel ab, wie der Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (OA) am Freitag mitteilte. „Wenn sich das Gesamtjahr wie die ersten vier Monate entwickelt, heißt das Gefahr für 25.000 Arbeitsplätze in Deutschland“, Verbands-Chef Eckhard Cordes und warnte, dass auch Anrainerstaaten in den Abwärtsstrudel geraten könnten. Noch wandern dem Ausschuss zufolge keine deutschen Unternehmen aus der Region ab, doch würden Projekte und Investitionen gestoppt oder abgesagt.

Russland ist nach Polen der wichtigste deutsche Handelspartner in Osteuropa. Einfuhren und Ausfuhren summierten sich im vergangenen Jahr auf 76,5 Milliarden Euro - schon das war ein Rückgang zum Vorjahr um vier Milliarden Euro. In Russland sind rund 6200 deutsche Unternehmen tätig, darunter Autokonzerne, Handelsunternehmen und Maschinenbauer.

Hochburgen prorussischer Milizen in der Ostukraine

Slawjansk

Die Industriestadt (110.000 Einwohner) in der Region Donezk.

Donezk

Die Hauptstadt der gleichnamigen Region (eine Million Einwohner) ist zugleich die Hauptstadt der von den Aktivisten ausgerufenen „Republik Donezk“. Das Gebäude der Regionalverwaltung wurde am 6. April besetzt, das Rathaus zehn Tage später.

Lugansk

Die Hauptstadt der Region Lugansk (400.000 Einwohner) wird von den Milizen auch als Hauptstadt der „Republik Lugansk“ bezeichnet. Die Geheimdienstzentrale ist seit dem 6. April besetzt, am 29. April stürmten prorussische Demonstranten zudem das Gebäude der Regionalverwaltung.

Kramatorsk

In der Nachbarstadt von Slawjansk (160.000 Einwohner) besetzten Aktivisten am 12. April erstmals das Rathaus. Auch ein Gebäude des Geheimdienstes ist in ihrer Gewalt. Ein ukrainischer Militärstützpunkt in der Nähe ist jedoch weiterhin unter Kontrolle ukrainischer Soldaten.

Weitere Städte

In diesen Städten sind die Rathäuser besetzt: Gorliwka (260.000 Einwohner), Makijiwka (360.000 Einwohner), Artemiwsk (78.000 Einwohner), Jenakijewe (85.000 Einwohner), Charzysk (60.000 Einwohner), Schdaniwka (14.000 Einwohner), Kirowsk (28.000 Einwohner), Tores (80.000 Einwohner), Kostjantyniwka (80.000 Einwohner)

Cordes warnte, die ohnehin dramatische Abwärtsentwicklung könnte sich noch verschärfen, wenn EU und USA die angedrohten Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Die Voraussetzungen dafür hält er derzeit nicht für gegeben: „Es ist nichts passiert, was den Westen sagen lassen könnte: jetzt kommen die Wirtschaftssanktionen.“ Vielmehr sehe er „leichte Schritte der Deeskalation“.

Eine Umfrage des Ausschusses unter mehr als 100 deutschen Firmen, die in Russland und der Ukraine Geschäfte machen, weist eine düstere Prognose für die Wirtschaftsentwicklung beider Länder aus: So erwarten 53 Prozent, dass Russland in den nächsten zwölf Monaten in eine Rezession stürzt - das Land selbst hofft noch auf ein Mini-Wachstum für 2014. Für die Ukraine sagen sogar knapp 80 Prozent der Befragten einen Wirtschaftseinbruch voraus. Cordes hält Experten-Schätzungen, die dem Land einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von fünf bis sieben Prozent prognostizieren, noch für optimistisch.

Allerdings gibt es auch positive Zeichen, erläuterte der Ost-Ausschuss. In Südosteuropa, etwa in den Balkan-Staaten, verzeichne die deutsche Exportwirtschaft durchweg zweistellige Zuwächse. Auch in Polen und Tschechien gehe es kräftig aufwärts.

Von

rtr

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