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21.01.2015

20:39 Uhr

EZB-Anleihenkäufe

Italien dringt auf schnellen Beschluss

Die EZB beschließt voraussichtlich Anleihenkäufe in großem Stil. Dabei gibt es Überlegungen, wonach die nationalen Notenbanken nur Staatsanleihen ihres eigenen Landes kaufen sollen. Doch das ist nicht im Sinne aller.

Die Europäische Zentralbank beschließt voraussichtlich Anleihenkäufe in großem Stil. dpa

Die Europäische Zentralbank beschließt voraussichtlich Anleihenkäufe in großem Stil.

DavosItalien dringt einen Tag vor der EZB-Ratssitzung auf ein rasches Anleihen-Kaufprogramm. „Ich gehe davon aus, dass ein Beschluss gefasst wurde, vor allem deshalb, weil wir nicht länger warten können“, sagte der italienische Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan am Mittwoch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Gefahr eines konjunkturschädlichen Preisverfalls auf breiter Front (Deflation) müsse abgewendet werden.

Padoan sprach sich dafür aus, dass die Anleihenkäufe von der EZB selbst vorgenommen werden und nicht von einzelnen Notenbanken der Euro-Staaten. „Ich würde gerne eine gemeinschaftliche Geldpolitik sehen, bei der es keine Differenzierung zwischen den Folgen für verschiedene Länder gibt“, ergänzte der Minister.

Er wandte sich damit gegen Überlegungen, wonach die nationalen Notenbanken nur Staatsanleihen ihres eigenen Landes kaufen und in erster Linie für diese haften sollen. Damit würden Verlust-Risiken aus solchen Käufen nicht vollständig auf die Notenbanken aller Euro-Länder verteilt.

EZB steht vor weiteren historischen Schritten

EZB-Rat

Das Führungsgremium der Notenbank entscheidet ab Januar 2015 nur noch alle sechs Wochen über die Geldpolitik im Euroraum, erster Termin dafür ist der 22. Januar. Bisher gab es in der Regel am ersten Donnerstag jedes Monats eine Zinsentscheidung der EZB. Draghi begründete den neuen Turnus mit überzogenen Erwartungen der Märkte: Würden diese enttäuscht, komme es zu Konsequenzen – ohne dass es dafür einen ökonomischen Grund gebe. „Die EZB sollte aber nicht jeden Monat handeln. Deshalb haben wir uns entschieden, dass der Sitzungskalender mit monatlichen Treffen zu eng ist“, erklärte der Italiener Anfang Juli.

Neubau

Ihre neue Zentrale im Frankfurter Ostend hat die EZB bereits im November bezogen, am 18. März 2015 soll sie feierlich eröffnet werden. Das Ensemble aus zwei gläsernen Türmen - 165 und 185 Meter hoch - sowie der denkmalgeschützten ehemaligen Großmarkthalle bietet Platz für 2900 Mitarbeiter. Die Kosten für den Neubau am Mainufer waren mehrfach nach oben korrigiert worden, jüngste Schätzung: 1,3 Milliarden Euro. Die Endabrechnung soll Ende 2015 vorliegen.

Protokolle

Ein weiteres Novum: Die Notenbank wird ab 2015 regelmäßig Zusammenfassungen der Beratungen des EZB-Rates veröffentlichen – und zwar jeweils vor der folgenden Sitzung. Bislang lagen die Mitschriften für 30 Jahre unter Verschluss. Die neue Transparenz sei „ein weiterer Weg, um unsere Maßnahmen und die ihnen zugrundeliegenden Erörterungen zu erläutern“, erklärte Draghi. Schließlich sei das Vertrauen der Bevölkerung in die Geldpolitik immens wichtig.

Stimmrechte

Im EZB-Rat galt bisher das Prinzip: ein Land, eine Stimme. Mit dem Euro-Beitritt Litauens ändert sich das. Ab 2015 wird rotiert. Im Mai darf Bundesbank-Präsident Jens Weidmann deshalb erstmals keine Stimme bei den geldpolitischen Entscheidungen abgeben. Hintergrund ist ein EU-Beschluss von 2003, wonach das Stimmrecht in dem Gremium rotiert, sobald die Eurogruppe mehr als 18 Mitglieder hat. Das soll sicherstellen, dass auch dann rasch und effizient entschieden werden kann, wenn die Währungsunion größer wird. Das System tritt mit dem Eurobeitritt Litauens zum 1. Januar in Kraft.

Anleihenkäufe

Die Inflation ist gefährlich niedrig, das viele billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt die Wirtschaft bislang nicht wie von den Währungshütern gewünscht in Schwung. Viele Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die Notenbank Anfang 2015 den Weg für Anleihenkäufe in großem Stil freimachen wird („Quantitative Easing“, QE). Befürworter hoffen, dass der Erwerb von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die Notenbank die Wirtschaft ankurbelt – und zugleich die Inflation wieder in Richtung des EZB-Zieles befördert. EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass die Vorbereitungen für neue Eingriffe weit fortgeschritten seien. Ausdrücklich nannte er dabei QE, wobei auch Staatsanleihenkäufe im Rahmen des Mandats der EZB möglich seien.

Zinsen

„Die Zinsen werden niedrig, niedrig, niedrig bleiben. Die Geldflut der Zentralbanken wird anhalten“, prognostizierte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau im Dezember. Europas Währungshüter selbst haben immer wieder bekräftigt, dass sie die Zinsen auf absehbare Zeit nahe Null halten werden. Dass der Leitzins im Euroraum noch unter das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt wird, gilt allgemein als unwahrscheinlich. Draghi selbst hatte eingeräumt, beim Leitzins sei „der untere Rand erreicht“.

Sollte sich der EZB-Rat bei seiner Sitzung am Donnerstag für diese Option entscheiden, würde er damit der Bundesbank in einem zentralen Kritikpunkt entgegenkommen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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21.01.2015, 21:00 Uhr

DavosItalien dringt einen Tag vor der EZB-Ratssitzung auf ein rasches Anleihen-Kaufprogramm. „Ich gehe davon aus, dass ein Beschluss gefasst wurde, vor allem deshalb, weil wir nicht länger warten können“
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EU ist Pleite ???




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