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16.10.2014

18:22 Uhr

EZB-Banker

Nowotny warnt vor Wirtschaftsabschwung in Europa

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny warnt vor einem Wirtschaftsabschwung in Europa. Positiv betrachtet er dagegen den derzeit niedrigen Euro-Kurs. Ein Plan der EZB, der die Konjunktur ankurbeln soll, ist umstritten.

Ewald Nowotny bezweifelt, dass die Wirtschaft je wieder drei bis vier Prozent wie vor der Finanzkrise 2008 wächst. Reuters

Ewald Nowotny bezweifelt, dass die Wirtschaft je wieder drei bis vier Prozent wie vor der Finanzkrise 2008 wächst.

WienDie niedrige Inflation in der Euro-Zone bereitet EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny zunehmend Sorge. „Die Wirtschaft im Euroraum ist noch nicht in einer Deflation, zeigt aber deutliche Zeichen einer Abschwächung“, sagte er in einem Donnerstag vorab veröffentlichten Interview mit dem österreichischen Magazin „Format“. Im September lag die Inflation in der Euro-Zone mit 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf dem niedrigsten Niveau seit Oktober 2009. Das nährt nach Einschätzung von Experten Sorgen, die Euro-Zone könnte in eine Deflation abrutschen. Ein solches Schreckensszenario aus sinkenden Preisen und schrumpfenden Investitionen kann eine Konjunktur abwürgen. Um das zu verhindern, habe die EZB versucht, mit Zinssenkungen auf 0,05 Prozent und günstigen Langfristkrediten für Banken gegenzusteuern, sagte Nowotny.

Positiv wirkt sich nach Einschätzung von Nowotny derzeit der niedrige Euro-Kurs aus. „Daher dürfen wir 2015 wieder höhere Wachstumsraten erwarten.“ Allerdings sei fraglich, ob die Wirtschaft je wieder drei bis vier Prozent wie vor der Finanzkrise 2008 wachse.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Um die Konjunktur anzukurbeln, plant die Notenbank, massenweise Verbriefungen und Pfandbriefe aufzukaufen. Der Plan ist jedoch umstritten – auch weil sich die EZB im Zuge dessen die Tür für den Kauf von Ramschpapieren aus Zypern und Griechenland offen gelassen hat. Insbesondere aus Deutschland hagelt es Kritik. Nowotny sieht jedoch keine Gefahr, dass die EZB mit dem Kauf solcher Papiere zu einer Bad Bank wird. „Die Bad-Bank-Debatte findet nur in Deutschland statt und ist bei Weitem überzogen. Das ist Panikmache ohne Substanz“, sagte der österreichischen Nationalbank-Chef.

Wie umfangreich das Aufkaufprogramm letztlich ausfallen könnte, ließ er offen. „Ich will über Zahlen nicht spekulieren. In den Märkten gab es jedenfalls übertriebene Vorstellungen über das Ankaufsvolumen.“ Man sollte sich nicht von vornherein auf ein bestimmtes Volumen an ABS-Ankäufen festlegen, sagte er.

Zudem verteidigte Nowotny die Entscheidung der EZB, sich bei dem Kaufprogramm vom Vermögensverwalter Blackrock beraten zu lassen. Dagegen war Insidern zufolge zuletzt Frankreichs Zentralbankchef Christian Noyer Sturm gelaufen. „Richtig ist, dass die EZB hier Neuland betritt. Es ist sinnvoll, sich dabei beraten zu lassen. Aber die Letztentscheidung, welche Risiken man übernimmt, liegt bei den EZB-Gremien. Beratung heißt nicht Entscheidung“, sagte Nowotny.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Uwe Reissner

16.10.2014, 19:25 Uhr

Ich würde behaupte, das wir schon in einer Deflation stecken, was auch das draghische Problem widerspiegelt. Trotz Niedrigzinsen kommt es kaum zu Investitionen weil das Umfeld nicht stimmt.
Dann ist nicht das Problem, dass die EZB Ramschpapiere aufkauft, sondern der Geldfluss. Wenn man schon den Staaten auf diese Art Geld zur Verfügung stellt, dann wenigstens mit Vorgaben und gesteuert. Denn sonst hat man die Probleme nur nach hinten verlagert, das Vertrauen in die Märkte verspielt und letztendlich sein Pulver verschossen und nichts erreicht.

Aber egal. Die Ursachen sind nicht erkannt und damit nicht zu lösen.

Herr Uwe Warschkow

17.10.2014, 18:49 Uhr

Wenn´s so einfach wäre,dass Geld drucken alle Probleme löst,gäbe es weltweit keine Armut mehr.

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