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28.01.2010

18:04 Uhr

EZB

Bedenken gegen Weber in Brüssel

VonRuth Berschens

Mitglieder der deutschen Abgeordneten der Europäischen Volkspartei sprechen sich für den italienischen Notenbankchef Mario Draghi anstelle von Bundesbank-Chef Axel Weber aus. Dieser sei besser für das Amt des EZB-Präsidenten geeignet. Die Amtszeit von Jean-Claude Trichet läuft im Herbst 2011 aus.

Gegen eine Berufung von Bundesbank-Chef Axel Weber als EZB-Chef formiert sich Widerstand. dpa

Gegen eine Berufung von Bundesbank-Chef Axel Weber als EZB-Chef formiert sich Widerstand.

BRÜSSEL. Gegen die mögliche Berufung von Bundesbank-Chef Axel Weber an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) formiert sich Widerstand im Europaparlament. "Die Zeit ist noch nicht reif für einen deutschen EZB-Präsidenten", sagte Werner Langen, Chef der deutschen Abgeordneten der Europäischen Volkspartei (EVP), im Europaparlament. Der italienische Notenbankchef Mario Draghi sei eindeutig besser für das Amt qualifiziert als Weber. Zuvor hatten deutsche und italienische Regierungsvertreter Weber und Draghi als mögliche Nachfolger von EZB-Chef Jean-Claude Trichet ins Gespräch gebracht. Trichets Amtszeit läuft im Herbst 2011 aus.

Während Draghi bei Anhörungen im Europaparlament mit seinen geldpolitischen Positionen überzeuge, habe Weber als Notenbanker in Europa noch kein Profil entwickeln können, sagte Langen weiter. Der CDU-Politiker übte deutliche Kritik an der Amtsführung Webers. Der Bundesbank-Chef habe den Grundsatz seiner Vorgänger, sich in die Tagespolitik nicht einzumischen, leider aufgegeben. Sein Umgang mit dem wegen einer umstrittenen Interview-Äußerung in die Kritik geratene Bundesbank-Direktor Thilo Sarrazin zeuge "von mangelnder Souveränität". Langen räumte ein, dass seine Vorbehalte gegen Weber mit seiner Fraktion EVP nicht abgestimmt seien.

Langen und der Chef der CSU-Gruppe im Europaparlament, Markus Ferber, sprachen sich außerdem explizit dagegen aus, den portugiesischen Notenbanker Vitor Constancio als Nachfolger von Lucas Papademos in das EZB-Direktorium zu entsenden. Der Portugiese habe sich bei einer Anhörung im Januar im Wirtschafts- und Finanzauschuss des Europaparlaments nicht eindeutig zur Geldwertstabilität und zur Sanierung der öffentlichen Haushalte bekannt, sagte Langen. Der luxemburgische Zentralbankchef Yves Mersch sei eindeutig der bessere Mann für das Amt des EZB-Vizepräsidenten. Ferber bezeichnete Constancio als "allerschlechtesten Kandidaten" für das Amt.

Mersch hatte lange als Favorit für die Papademos-Nachfolge gegolten. Doch neuerdings scheint nicht nur Frankreich, sondern auch Deutschland Constancio zu bevorzugen. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich Chancen Webers auf die Trichet-Nachfolge damit erhöhen. Denn der italienische Wettbewerber Draghi fällt wahrscheinlich aus, wenn zuvor ein anderer Südeuropäer Vizepräsident der EZB geworden ist.

Kommentare (1)

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Kronecker

29.01.2010, 00:55 Uhr

Mit Ruhm hat sich Axel Weber in der Finanzkrise nicht gerade bekleckert. Außer seinem stetigen Hinweis auf "Verwerfungen" kann ich mich bei Axel Weber an nichts erinnern. Zeitweise dachte ich sogar, ich wäre bei ihm auf einem Geologen-Kongress.

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