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13.11.2014

12:53 Uhr

EZB-Beobachter senken Inflationsprognosen

Experten rechnen weiter mit schwachem Wachstum

Erst 2019, so glauben Experten, wird die Inflationsrate sich den gewünschten zwei Prozent wieder annähern. In diesem und im nächsten Jahr wird diese Marke hingegen deutlich verfehlt. Auch die Wachstumsprognosen sinken.

Beobachter der EZB rechnen weiter mit einer schwachen Konjukturentwicklung für die Euro-Zone. dpa

Beobachter der EZB rechnen weiter mit einer schwachen Konjukturentwicklung für die Euro-Zone.

Frankfurt/BerlinDie Phase niedriger Inflation und schwachen Wachstums in der Euro-Zone wird Experten zufolge noch eine ganze Weile anhalten. Erst 2019 soll sich die Inflationsrate mit 1,8 Prozent wieder der Zielmarke von knapp zwei Prozent nähern, wie aus der am Donnerstag von der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlichten Umfrage unter professionellen Beobachtern ihrer Geldpolitik hervorgeht. 2016 soll die Rate mit 1,4 Prozent einen Tick niedriger ausfallen als noch im August erwartet.

Im laufenden und im nächsten Jahr wird das Inflationsziel wohl noch deutlicher verfehlt: Die Beobachter rechnen für 2014 mit einem Wert von 0,5 (bisher 0,7) Prozent. Nächstes Jahr werden 1,0 (1,2) Prozent erwartet. Die Experten senkten auch ihre Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt. Es soll in diesem Jahr nur um 0,8 (bisher 1,0) wachsen, 2015 um 1,2 (1,5) und 2016 um 1,5 (1,7).

Die EZB befragt vierteljährlich professionelle Beobachter ihrer Geldpolitik. Die Umfrage dient dem Abgleich der eigenen Sicht der Einschätzung der Akteure am Finanzmarkt. EZB-Chef Mario Draghi rechnet ebenfalls mit einer längeren Phase niedriger Inflation.

Für und Wider staatlicher Konjunkturprogramme

Weltweite Krisen...

... und sozialpolitische Weichenstellungen der Bundesregierung haben nach Einschätzung von Ökonomen die deutsche Wirtschaft ausgebremst. Auf der IWF-Jahrestagung ist die weltweit lahmende Konjunktur eines der wichtigsten Themen. Soll der Staat bei uns oder anderswo mehr investieren, um gegenzusteuern?

Pro: Mehr Aufträge

Mehr öffentliches Geld etwa für die Sanierung maroder Straßen, den Ausbau moderner Datennetze oder die Energiewende würden Bauwirtschaft und Handwerk Aufträge verschaffen. Das sichert auch Arbeitsplätze.

Pro: Mehr Konsum

Der Staat könnte Steuern und Abgaben senken, damit Haushalte und Unternehmen mehr konsumieren und investieren.

Pro: Mögliche Initialzündung

Idealerweise wird ein staatlicher Investitionsschub zur Initialzündung für die gesamte Konjunktur und bringt den Wachstumsmotor in Schwung.

Contra: „Konjunkturelle Strohfeuer“

Ein Mehr an staatlichen Investitionen ist keine Gewähr für dauerhaftes Wachstum. Kritiker sprechen von „konjunkturellen Strohfeuern“.

Contra: Staat holt Geld an anderer Stelle

Gibt der Staat an einer Stelle mehr Geld aus, muss er dies an anderer Stelle wieder reinholen. Schließlich will die Bundesregierung schon 2015 möglichst keine neuen Schulden machen.

Contra: Steigende Kreditzinsen

Staatliche Konjunkturprogramme können sogar nach hinten losgehen: Die Aussicht auf einen Anstieg des Staatsdefizits könnte die Kreditzinsen steigen lassen und so private Investitionen vermindern.

Als Abwehrmittel gegen einen konjunkturschädlichen Preisverfall hat die Zentralbank eine Reihe von Maßnahmen beschlossen. So wurde der Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Frau Margrit Steer

13.11.2014, 16:00 Uhr

Es müsen erst wieder viele Betriebe Kurzarbeit mchen oder entlassen, vorher wird der dumme deutsche Michl nicht wach

Herr Eckhard Behrens

13.11.2014, 20:39 Uhr

Henne oder Ei? -
Sinken die Wachstumsraten, weil es die EZB nicht schafft, die Inflationsraten in der Nähe ihres Zieles zu halten, - oder sinken die Inflationsraten nur deshalb, weil die Wachstumsraten sinken? Die zweite Meinung ist vorherrschend, aber in jeder Variante offensichtlich erfolglos. Strukturreformen scheitern an demokratischen Widerständen, die besonders hoch sind, weil europaweit hohe Arbeitslosigkeit andauert. Konjunkturpolitik durch höhere Staatsausgaben scheitert am hohen Schuldenstand. - Also alles aussichtslos?

Nein, wenn man die Lösung vorurteilsfrei in einer anderen Geldpolitik der EZB sucht. Sie sollte ein höheres Inflationsziel verkünden, weil sich dieses leichter stabilisieren lässt, als ein niedriges Inflationsziel, das noch als Geldwertstabilität empfunden wird und deshalb die bereitgestellte Geldmenge nicht in den Umlauf treibt, wie wir das von ausgeprägter Inflation kennen. Stabil bleiben Inflationsraten nur, wenn sie eine Mindesthöhe haben und wirklich gefühlt werden. 5% dürften ausreichen. Stabile Inflationsraten sind besser als schwankende Inflationsraten, weil sich auf stabile jeder einstellen kann. Schwankende Inflationsraten sind das wahre Übel - wir haben sie seit Jahren, weil das alte Inflationsziel zu niedrig ist, zu wenig Antriebskraft auf die Geldmenge, also ihre Umlaufgeschwindigkeit ausübt.

Eine stabile Konjunktur setzt stabile Inflationsraten voraus. Sie ist ohne schuldenfinanzierte Staatsausgaben allein durch die Geldpolitik zu erreichen. Bei stabiler Konjunktur sinkt die Arbeitslosigkeit und dann werden wachstumsfördernde Strukturreformen endlich im ganzen Euro-Raum demokratisch durchsetzbar sein. Steigende Steuereinnahmen werden die Rückzahlung von Staatsschulden ermöglichen und neben einem wachsenden Inlandsprodukt zu sinkenden Quoten der Staatsschulden führen.

Die Nachteile ganz stabiler Inflationsraten sind weit geringer als die Nachteile der Massenarbeitslosigkeit, die nicht nur die Arbeitslosen treffen.

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