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21.09.2016

15:06 Uhr

EZB-Chefvolkswirt

Praet findet Deutschland zu exportabhängig

Daten des Ifo-Instituts zufolge wird Deutschland in diesem Jahr China überholen – in punkto Exportüberschuss. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet ist nicht der Einzige, der vor den Folgen warnt. Er sieht aber auch eine Chance.

Deutschlands Exportüberschuss beschäftigt auch die EZB. Der Belgier Peter Praet (Archivfoto vom 15.09.2010) fordert Gegenmaßnahmen. dpa

Peter Praet

Deutschlands Exportüberschuss beschäftigt auch die EZB. Der Belgier Peter Praet (Archivfoto vom 15.09.2010) fordert Gegenmaßnahmen.

Frankfurt/BerlinEZB-Chefvolkswirt Peter Praet fordert Deutschland auf, das günstige ökonomische Umfeld zu nutzen und die Inlandsnachfrage anzukurbeln. Der enorme Exportüberschuss betrage fast neun Prozent der Wirtschaftsleistung, sagte der oberste Ökonom der Europäischen Zentralbank (EZB) in einem am Dienstag verbreiteten Interview mit der französischen Zeitung "L'Opinion".

Die deutsche Volkswirtschaft sei zu stark abhängig von der externen Nachfrage. Deutschland müsse nun Reformen durchsetzen und den Binnenmarkt voranbringen. Dies könne über höhere Löhne, eine Erhöhung der Investitionen oder eine Senkung der Steuerlast geschehen. Das gute Umfeld biete eine einmalige Gelegenheit, sagte Praet.

Der Linkspartei-Chef Bernd Riexinger unterstützt die EZB-Kritik. „Ich kann EZB-Chefvolkswirt Peter Praet nur beipflichten. Es kann doch nicht angehen, dass Deutschland Land um Land ins Defizit treibt, die Kritik aus der EU und USA ignoriert und sogar China in diesem Jahr den Rang bei Exportüberschüssen ablaufen wird. „Und das alles auf Kosten der Bürger und Beschäftigten in Deutschland“, sagte Linkenchef Bernd Riexinger dem Handelsblatt.

Vielmehr müsse endlich die Binnennachfrage durch höhere Löhne gestärkt und die öffentliche Infrastruktur durch eine massive Erhöhung der Investitionen vor dem stetigen Verfall gerettet werden. „Aber die Bundesregierung pflegt stattdessen weiter die kultische Verehrung der schwarzen Null, während Straßen, Brücken und Schulen verfallen, Bibliotheken und Schwimmbäder geschlossen werden und die Behörden unterbesetzt und überlastet sind“, kritisierte Riexinger.

Schätzung des Ifo-Instituts: Deutschland wird 2016 wieder Exportweltmeister

Schätzung des Ifo-Instituts

Deutschland wird 2016 wieder Exportweltmeister

Deutschland zieht an China vorbei: 2016 wird die deutsche Wirtschaft wieder die exportstärkste der Welt sein, schätzt das Ifo-Institut. Der Bilanzüberschuss liegt bei 160 Milliarden Dollar. In der EU weckt das Sorge.

Deutschland wird nach Berechnungen des Ifo-Instituts China in diesem Jahr als Land mit dem weltweit größten Exportüberschuss ablösen. Die EU-Kommission rügt die Bundesregierung bereits regelmäßig und empfiehlt ihr, mehr zu investieren und so die Nachfrage im Inland zu stärken, wodurch der Überschuss schrumpfen würde.

Das US-Finanzministerium prangert die deutschen Überschüsse als Risiko für die weltweite Finanzstabilität an. Das Hauptargument lautet: Länder mit hohen Überschüssen tragen dazu bei, dass andere Staaten sich hoch verschulden, um ihre Importe zu finanzieren.

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