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14.01.2005

14:45 Uhr

EZB: Ein stärker Euro ist nicht willkommen

Weber: Erst stärkeres Wachstum führt zu höheren Zinsen

Bundesbankpräsident Axel Weber zufolge müsste die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen erst bei einem stärkeren Anziehen der Konjunktur erhöhen.

HB FRANKFURT. Derzeit habe die EZB keinen Handlungsbedarf, sagte Weber der Nachrichtenagentur Bloomberg am Rande des IHK-Neujahrsempfangs am Donnerstagabend in Frankfurt. Und im Moment erwarte die Zentralbank nur ein moderates Wachstum. „Wenn die Erholung Fuß fasst,... müssen unsere historisch niedrigen Zinsen wieder zur Normalisierung zurückgeführt werden.“ Auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wies auf die außerordentlich niedrigen Leitzinsen der EZB hin: „Wir haben ein ...geldpolitisches Umfeld, das außerordentlich günstig ist“, sagte er am Freitag bei einer Rede in einem Presseclub in Paris. Trichet warnte erneut vor einem zu starken Anstieg des Euro.

Die EZB hatte am Donnerstag wie erwartet den seit Juni 2003 geltenden Leitzins von 2,00 % bestätigt. EZB-Chef Trichet hatte die Aussichten für die Preisstabilität als weitgehend günstig bezeichnet, aber weiter vor Inflationsgefahren in der Zukunft gewarnt. Volkswirte sahen sich in der Einschätzung bestätigt, dass die EZB frühestens im zweiten Halbjahr die Zinsen erhöhen wird, falls die Konjunkturerholung anhalten sollte. „Aktuell sehen wir keinen Handlungsbedarf, das war die wichtige Nachricht“, sagte Weber mit Blick auf die Ratssitzung.

Die EZB habe bisher für Preisstabilität gesorgt und werde dies auch in Zukunft tun, versprach Trichet. Weber sagte, für die Zentralbank seien die Inflationserwartungen entscheidend, wie man sie etwa am Anleihemarkt beobachten könne. Dort gebe es gewisse Inflationsrisikoprämien. „Solche können kurzfristig entstehen, sie führen jedoch dann für eine Zentralbank zu einer Besorgnis erregenden Entwicklung, wenn sie sich in den Erwartungen manifestieren.“ Die EZB werde deshalb alles dafür tun, dass es nicht zu dauerhaft höheren Inflationserwartungen komme. Der Verbraucherpreisanstieg werde aber im Lauf dieses Jahres unter zwei Prozent sinken und damit der Stabilitätsnorm der EZB entsprechen. Erst bei mit zunehmender Konjunkturerholung werde wieder Inflationsdruck entstehen.

Die Konjunkturaussichten für den Euro-Raum sind Weber zufolge günstiger als für Deutschland. „In jüngster Zeit sind die Stimmungsbilder etwas positiver geworden. Das gibt uns Mut zur Hoffnung, dass dieses Jahr besser laufen wird als letztes Jahr. Das heißt nicht, dass wir euphorisch sind.“ Der hohe Ölpreis, der neben der Euro-Stärke die Konjunktur im vergangenen Jahr belastete, wird sich nach Einschätzung Webers graduell zurückbilden. Während die Wirtschaft der Euro-Zone entsprechend ihrer Möglichkeiten wachsen werde, bleibe die deutsche Wirtschaft mit arbeitstäglich bereinigten Raten von 1,1 oder 1,2 % derzeit unter ihrem Potenzial. Die Erholung werde zwar anhalten, doch es müsse Reformen und andere Maßnahmen geben, um wieder mehr Dynamik zu gewinnen.

Trichet bekräftigte in Paris, ein starker Anstieg des Euro sei nicht willkommen und für das Wachstum nicht wünschenswert. Auf die Frage nach Interventionen ergänzte er, diese seien immer ein Mittel der Zentralbank. Vor dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der sieben wichtigsten Industrieländer (G7) Anfang Februar in London wollte er zum Aufwertungsbedarf der asiatischen Währungen nichts sagen. Trichet erwähnte jedoch, die EZB habe gute Beziehungen zu Chinas Zentralbank und treffe sich regelmäßig mit ihr. Die feste Wechselkursbindung des chinesischen Yuan trägt dazu bei, dass sich die Abwertung des Dollar seit zwei Jahren fast nur gegenüber dem Euro entlädt. Der Euro hatte sich im vergangenen Jahr um fast acht Prozent zum Dollar nach knapp 20 % im Vorjahr verteuert.

Der Bundesbank-Chef äußerte die Hoffnung, dass die Dollar-Schwäche durch Zinserhöhungen der US-Notenbank und stärkeres Wachstum in den USA gebrochen werden könnte. An den Märkten habe zuletzt nur noch das hohe US-Leistungsbilanzdefizit im Mittelpunkt gestanden, während diese für den Dollar entlastenden Faktoren vernachlässigt worden seien.

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