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26.06.2015

14:24 Uhr

EZB-Maßnahmen

Kreditvergabe im Euro-Raum legt leicht zu

Nach langer Stagnation steigt im Mai die Anzahl der durch Banken im Euroraum vergebene Kredite – wenn auch nur minimal. Die Erwartungen von Experten wurden dennoch übertroffen, die EZB dürfte sich bestätigt sehen.

Die Banken der Euro-Zone haben im Mai mehr Kredite an Firmen und Haushalte vergeben. dpa

Ersehntes Plus

Die Banken der Euro-Zone haben im Mai mehr Kredite an Firmen und Haushalte vergeben.

FrankfurtNach dem Öffnen der Geldschleusen durch die EZB springt die Kreditvergabe in der Euro-Zone allmählich an. Die Banken reichten im Mai an Firmen und Haushalte insgesamt 0,5 Prozent mehr Darlehen aus als im Vorjahresmonat, wie die EZB am Freitag mitteilte. Dieser Anstieg gilt als Etappensieg für die Europäische Zentralbank (EZB), die seit März mit Anleihenkäufen massiv Geld ins Finanzsystem pumpt. Damit will sie das Kreditgeschäft und letztlich die Wirtschaft anschieben. Noch im April hatte die Darlehensvergabe stagniert.

Die EZB ist aber noch lange nicht am Ziel: Bereinigt um Kreditverkäufe und -verbriefungen legten die Darlehen an Firmen im Mai gegenüber April nur um eine Milliarde Euro zu. "Das ist keine spürbare Dynamik", sagt Ökonom Johannes Mayr von der BayernLB. Auch in den kommenden Monaten sei nur eine schleppende Erholung in diesem für die Konjunktur so wichtigen Bereich zu erwarten.

Gegen ein kräftiges Anziehen in diesem Sektor spreche, dass noch immer viele Banken im Euro-Raum mit Bilanzproblemen zu kämpfen hätten. So sitzen beispielsweise die Finanzinstitute in Italien auf einem Berg fauler Kredite in Höhe von 350 Milliarden Euro, der ihren Spielraum für die Vergabe neuer Kredite enorm einschränkt.

Positiv dürfte die EZB beurteilen, dass die Kredite an Haushalte in der Euro-Zone im Mai zum Vormonat um zehn Milliarden Euro zulegten - ein Großteil davon entfällt auf Hypothekendarlehen. Die für das Euro-Währungsgebiet wichtige Geldmenge M3 wuchs im Mai um fünf Prozent. Experten hatten mit etwas mehr gerechnet.

Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Zusätzliche Staatsanleihen und Wertpapiere

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

Schrittweise und auf breiter Basis

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Auch Papiere mit negativer Rendite

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Diese Papiere sollen gekauft werden

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Diese Anleihen sollen gekauft werden

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Vorkehrung gegen das Austrocknen

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

Auch im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (März bis Mai) erhöhte sich M3 um fünf Prozent. Die Geldmenge M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Wächst die Geldmenge sehr stark, sehen Volkswirte Inflationsgefahren heraufziehen. Momentan spielt dies aber keine Rolle. Aktuell kämpft die EZB mit ihrem über eine Billion schweren Anleihen-Kaufprogramm auch gegen die unerwünscht niedrige Inflation an.

Für die am Dienstag anstehenden Preisdaten für Juni erwarten Experten einen Anstieg um 0,3 Prozent. Die Währungshüter sind damit noch immer meilenweit von ihrem Ziel einer Inflation von knapp zwei Prozent entfernt.

Von

rtr

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