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19.04.2016

14:15 Uhr

EZB-Politik fruchtet langsam

Unternehmen gelangen leichter an Banken-Kredite

Die Banken in Europa lockern die Anforderungen für Kredite. Die Geldflut der EZB scheint auch in der Wirtschaft anzukommen. Der harte Wettbewerb zwischen den Banken wird diese Entwicklung noch befeuern.

Die Wirtschaft in Europa kommt 2016 leichter an Kredite. dpa

Die EZB-Politik erleichtert die Kreditvergabe

Die Wirtschaft in Europa kommt 2016 leichter an Kredite.

BerlinDie Geldflut der Europäischen Zentralbank belebt zusehends das Kreditgeschäft in der Währungsunion. Firmen kommen immer leichter an Banken-Darlehen, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Kreditbericht der EZB hervorgeht. Der Umfrage zufolge haben die Geldhäuser ihre Kreditstandards von Januar bis März unter dem Strich weiter gelockert.

Zugleich wurden angesichts der sehr niedriger Zinsen Darlehen aller Art stärker nachgefragt. Allerdings legten die Geldhäuser bei Hypothekenkrediten an Privathaushalte strengere Maßstäbe an – auch in Deutschland. „Eine derartige Verschärfung spricht für eine vorsichtige Vergabepolitik der Banken und wirkt einer Immobilienpreisblase unmittelbar entgegen“, meint Ökonom Stefan Kipar von der BayernLB.

Die Bundesbank hatte jüngst gewarnt, der Immobilienboom in Deutschland nehme allmählich bedenkliche Züge an. Die Immobilienpreise in Städten, darunter Metropolen wie Berlin, München und Hamburg, waren 2015 nach oben geschnellt. Insgesamt gab es im Schnitt ein Plus von sechs Prozent. Wie die Bundesbank mitteilte, hat die „deutliche Verschärfung“ der Vergabestandards für Wohnungsbaudarlehen hierzulande auch damit zu tun, dass der Gesetzgeber im März die handelsrechtlichen Vorschriften neu gefasst hat: Bankberater müssen demnach Kunden umfassender informieren und deren Kreditwürdigkeit strenger prüfen.

Dass die Banken in der Euro-Zone Kredite an Firmen freizügiger vergaben, ist laut EZB auch auf den harten Wettbewerb unter den Finanzinstituten zurückzuführen. Für das laufende zweite Quartal wird mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung gerechnet. Die EZB hat für ihren vierteljährlichen Bericht im März 141 Banken aus dem Währungsraum befragt.

Die Frankfurter Währungshüter pumpen seit März 2015 über den Kauf von Staatsanleihen Monat für Monat Milliarden in das Bankensystem, um die Kreditvergabe anzuschieben. Geldhäuser sollen dazu bewegt werden, mehr Darlehen auszureichen, statt in Anleihen zu investieren. So will die Notenbank die maue Konjunktur anschieben und die aus ihrer Sicht viel zu niedrige Inflation nach oben treiben.

Für die nächste Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag rechnen Experten nicht damit, dass die Geldschleusen weiter geöffnet werden. Allerdings werden Details zum geplanten Ankauf von Firmenanleihen erwartet, womit Wirtschaft und Kreditgeschäft einen zusätzlichen Schub erhalten sollen.

Von

rtr

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