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19.04.2011

17:39 Uhr

EZB-Präsident

Bei Mario Draghi ist der Euro in guten Händen

VonMarietta Kurm-Engels

Alles spricht für den Italiener Mario Draghi als neuen Chef der Europäischen Zentralbank – außer seine Nationalität. Und die ist unwichtig.

Noch ist unklar, wer ab November an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen wird. Es wäre aber zu wünschen, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zügig ihrem Finanzminister anschließt und Mario Draghi, den Gouverneur der Banca d’Italia, unterstützt. Danach dürfte ihm nichts mehr im Weg stehen. Denn von Frankreich ist bekannt, dass es sich dem Urteil der deutschen Kanzlerin anschließen will.

Sollte Merkel nicht mitziehen, wäre das weitere Nahrung für die Unzufriedenheit, die sie vor allem in den kleineren europäischen Staaten verursacht hat. Auch an den Finanzmärkten wird immer wieder Kritik über die Bundeskanzlerin laut. Das Hin und Her der deutschen Regierung in der Euro-Krise hat die Märkte verunsichert. Daher würde es sie beruhigen zu wissen, dass jemand an die EZB-Spitze kommt, der reiche Erfahrung mit den Märkten hat.

Nach dem Ausscheiden von Bundesbank-Präsident Axel Weber aus dem Wettbewerb um die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ist Draghi bisher der einzige Kandidat, der für das Amt offiziell vorgeschlagen wurde – von der italienischen Regierung. Draghi ist 63 Jahre alt und seit fünf Jahren Chef der italienischen Notenbank. Er pflegt als Vorsitzender des Financial Stability Board (FSB) exzellente Kontakte zu den Regierungen der wichtigsten Wirtschaftsnationen. Dieser Board ist ein Rat von Aufsehern, Notenbankern und Politikern aus 24 Ländern, der verhindern soll, dass sich Ereignisse wie die jüngste Finanzkrise wiederholen. Als Chairman dieses Gremiums hat Draghi Experten, Regierungschefs und Kollegen beeindruckt. An seiner Qualifikation als Finanzmarktaufseher besteht nicht der geringste Zweifel.

Dass Draghi aus einem Land kommt, das es in Zeiten vor der europäischen Währungsunion mit der Geldwertstabilität nicht so genau genommen hat, kann man ihm nicht anlasten. Das war vor seiner Zeit. Heute sitzt er in einem EZB-Rat, der sich in Sachen Geldwertstabilität nicht zu verstecken braucht.

Auch seine Zeit als Investmentbanker kann man Draghi nicht zum Vorwurf machen. Im Gegenteil, er kann sie sehr leicht zum Vorteil nutzen: Draghi weiß, wie die Investmentbanker und die Banken ticken. Er weiß, worauf man als Aufseher beziehungsweise Notenbanker achten muss. Zudem hat der Italiener glaubhaft versichert, dass er in seiner Zeit als Vizepräsident der Investmentbank Goldman Sachs in London nicht für die Geschäfte seines damaligen Hauses mit der griechischen Regierung zuständig war. Die Bank soll damals der griechischen Regierung geholfen haben, mit komplizierten Transaktionen das wahre Ausmaß ihrer miserablen Haushaltslage zu verschleiern. Aber die Vorwürfe, die man Goldman Sachs deswegen gemacht hat, treffen Draghi nicht.

EZB-Chef

Kommentare (4)

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Rainer_J

19.04.2011, 23:40 Uhr

Und bei Dracula sind Jungfrauen in guten Händen!

Machiavelli

20.04.2011, 08:15 Uhr

@ Rainer_J,

Hauptsache kein Landsmann von Dir.
Beim dem Niveau das wäre schlimm.

Talleyrand

20.04.2011, 10:01 Uhr

@Machiavelli

Für jemanden, der seit geraumer Zeit enteignet wird, haben Sie eine große Klappe.

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