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16.09.2014

11:30 Uhr

EZB schwächt Euro

Ökonomen warnen vor Abwertungswettlauf

Die Europäische Zentralbank unternimmt nichts, um die Abwertung des Euro zu stoppen. Im Gegenteil: Sie haben ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Ökonomen warnen nun vor den Folgen dieser Politik.

Deutsche Ökonomen warnen vor einer weiteren Abwertung des Euro. Ein weicher Euro sei schlecht für die Verbraucher. dpa

Deutsche Ökonomen warnen vor einer weiteren Abwertung des Euro. Ein weicher Euro sei schlecht für die Verbraucher.

BerlinÖkonomen warnen angesichts der Schwächung des Euro-Kurses durch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) vor der Gefahr eines Abwertungswettlaufs. „Es ist fraglich, ob andere Notenbanken eine weitere Euro-Abwertung passiv hinnehmen“, sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Clemens Fuest, der „Bild“-Zeitung (Dienstag). Auch Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sieht eine weitere Euro-Abwertung kritisch. „Es ist ein gefährlicher Weg, um die Eurozone aus der Krise zu führen und für mehr Wachstum zu sorgen“, sagte Heise. Ein weicher Euro sei schlecht für die Verbraucher, weil er dadurch importierte Waren wie Benzin oder Heizöl teurer würden, was wieder den Konsum dämpfe.

Der Euro kostet derzeit etwa 1,29 Dollar und damit rund acht Cent weniger als zu Jahresbeginn. Der französische Notenbankchef Christian Noyer sprach sich erst vorige Woche für einen billigeren Euro aus: „Wir mussten den Euro drücken und wir müssen den Euro immer noch drücken“.

Mario Draghis Krisenkurs in Zitaten

Amtsantritt am 3.November 2011 in Frankfurt

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung.“

26. Juli 2012 in London

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

EZB-Sitzung am 4. Juli 2013

„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“

Nach der Leitzinssenkung am 7. November 2013

„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern – das sehen wir nicht.“

Gespräch mit Altkanzler Schmidt am 7. November 2013

„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“

EZB-Sitzung am 3. April 2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

EZB-Sitzung am 8. Mai 2014

„Der EZB-Rat fühlt sich wohl damit, beim nächsten Mal zu handeln.“

EZB-Konferenz am 26. Mai 2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

Verantwortlich für den Kursrutsch ist die EZB-Zinspolitik. Die Währungshüter haben ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt, um mit billigem Geld die Konjunktur in den Krisenstaaten anzukurbeln. Dadurch legen Investoren ihr Geld lieber in Staaten wie den USA an, wo steigende Zinsen locken. Das drückt den Eurokurs, was wiederum Exporte in andere Währungsräumen preislich attraktiver macht. Da umgekehrt Importe teurer werden, kann das die Gefahr einer Deflation dämpfen.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Drittes Auge

16.09.2014, 12:13 Uhr

"Ökonomen warnen vor Abwertungswettlauf"

Aus welchem Mustopf kommen denn diese Ökonomoen schon wieder? Der Abwertungswettlauf iost mit den QE-Programmen der FED und BOJ längts eröffnet und die EZB zieht jetzt nach.

Defacto geht es darum den Widerspruch zwischen der realwirtschaftlichen Tatsache der Marktsättigung in vielen Wirtschaftsbereichen und einem auf quantitatives Wachstum fixierten Wirtschaftssystem aufzulösen. Die eigentlich anstehende Bereinigungskrise, die schwächere Marktteilnehmer ausscheiden lässt und so neuens Wachstum ermöglichen würde, will keine Volkswirtschaft bei sich haben. Insebsondere Länder, die im Wetbbewerb nicht mehr mithalten zu können glauebn, schützen ihre Industrie dann durch Zins- und Währungsmanipulation vor den notwendigen Pleiten/Deflation in der (unbewusten?) Hoffnung sie so in andere Länder verschieben zu können. Die relativ abgewitschafteten Amerikaner und Japaner haben das Spiel eröffnet.

Vor diesem Hintergrund sind auch die zunehmenden Spannungen in der Welt und das wachsen der Aggressivität (z.B. in der Ukraine) zu sehen. Damit erschliesst man sich entweder neue Einfluss-/Wachstumssphären oder erzeugt ebenfalls wachstumsfördernde Zerstöreung in einem Krieg - letztlich die totale Deflation, die wenn alle von diesem dümmlichen Stemmen gegen das Unvermeidliche entnervt genug sind, wohl nicht zu verhindern sein wird.

Herr Kurt Siegel

16.09.2014, 12:19 Uhr

Bedingt durch die Null-Zins-Politik der EZB wird keine Bank auch nur einen Kredit mehr bewilligen, denn eine schlechte Bonität wird durch null Zinsen auch nicht bessser; der Kredit wurde vorher nicht vergeben und wird also jetzt auch nicht bewilligt.

Will Draghi etwa in einem letzten Aufbegehren die Banken nötigen, jetzt vermehrt Ausfallkunden neue Kredite zu geben, damit beim späteren Ausfall die EZB dann als bad bank den ganzen Schrott aufkaufen kann; total gaga.

Man sieht, Null-Zins ist die falsche Politik und Draghi gehört in die geschlossene Abteilung.

Drittes Auge

16.09.2014, 12:30 Uhr

"Bedingt durch die Null-Zins-Politik der EZB wird keine Bank auch nur einen Kredit mehr bewilligen, denn eine schlechte Bonität wird durch null Zinsen auch nicht bessser; der Kredit wurde vorher nicht vergeben und wird also jetzt auch nicht bewilligt."

Richtig. Eigentlich müsste in Phasen gesättigter Märkte der Anteil am Zins, der die Risiko-/Kreditausfallprämie repräsentiert, steigen. Durch das Verzerren des Zinses in Richtung 0 -letztlich eine Aublenden des Risikos also die im Finanzbetrugssystem mittlerweile gewohnte Risikoverschleierung- bewirkt die EZB defacto den Ausstieg aus einer Marktwirtschaft (=Preisbildung gemäß Angebot- und Nachfrage) hin zu einer Planwirtschaft. Dass Planwirtschaften regelmäßig in der Systempleite enden, ist bekannt.

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