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08.09.2011

11:59 Uhr

EZB-Sitzung

Trichet wird beim Leitzins stur bleiben

VonNorbert Häring

Trotz der Rezessionsgefahr wird Jean-Claude Trichet seinem Kurs treu bleiben und den Leitzins unangetastet lassen. Es müsste schon ein Ereignis ähnlich der Lehman-Pleite eintreten, bevor die EZB das Ruder herum legt.

Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank. dapd

Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank.

Wenn Jean-Claude Trichet heute um 14.30 Uhr vor die Kameras und Mikrophone tritt, um in einem eingespielten Ritual die Fragen von Journalisten zu beantworten, dann wird bereits klar sein, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins bei 1,5 Prozent belassen will. Denn ihre Zinsentscheidung teilt Trichets Notenbank schon um 13:45 Uhr schriftlich der Öffentlichkeit mit. Fast niemand traut der EZB die von manchen Ökonomen verlangte Kehrtwende zu, die eine Zinssenkung darstellen würde.

Zwar hat sich der Wirtschaftsausblick stark eingetrübt und die von der EZB bisher erwartete Fortsetzung des Wirtschaftswachstums ist bei weitem nicht mehr so sicher, wie sie schien. Aber, noch vor einem Monat hat Trichet Signale ausgesandt, die klar machten, dass er in den nächsten Monaten vor hat, den Leitzins weiter zu „normalisieren“, also auf ein Niveau zu bringen, das eher dem langjährigen Durchschnitt entspricht.

Es braucht schon ein Ereignis wie die Lehman-Pleite, damit die EZB von einem Monat auf den anderen von einem Zinserhöhungskurs auf Zinssenkungskurs geht.

Der Europa-Chefvolkswirt von Barclays Capital, Julian Callow, der eine sofortige Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt angesichts der Rezessionsgefahr für angemessen hielte, prognostiziert daher nicht einmal, dass die EZB heute eine solche explizit in Aussicht stellt. Die meisten Analysten erwarten vielmehr, dass Trichet erst einmal auf neutral schaltet, indem er nicht weiter von „Aufwärtsrisiken“ für die Preisstabilität spricht, sondern  davon, dass die Risiken nach oben und unten mehr oder weniger ausgeglichen seien.

Die neuen Wachstumsprognosen des EZB-Stabs dürften deutlich machen, dass auch in den Augen der Notenbankexperten die Aussichten schlechter geworden sind. Im Juni hatten sie noch für nächstes Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent vorausgesagt. Das lag nahe bei den Erwartungen, die unter den Experten außerhalb vorherrschten. Inzwischen sind letztere erheblich niedriger. So liegt die Durchschnittprognose des EZB-Schattenrats nur noch bei 1,1 Prozent, mit sinkender Tendenz. Der EZB-Schattenrat ist ein Gremium von 15 prominenten europäischen Volkswirten, das 2002 vom Handelsblatt ins Leben gerufen wurde.

Bei der Inflationsprognose dürfte sich relativ wenig tun. Hier wird außerhalb der EZB weiterhin damit gerechnet, dass sie von rund zweieinhalb Prozent in diesem Jahr im nächsten Jahr wieder etwas unter zwei Prozent sinkt.

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