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25.01.2010

07:00 Uhr

EZB-Spitze

Kampf um Trichets Nachfolge spitzt sich zu

VonM. Kurm-Engels, K. Engelen, A. Rinke

Das Gerangel um den Chefposten der Europäischen Zentralbank wird zur Machtprobe. Die Qualifikation der Kandidaten spielt dabei offenbar eine untergeordnete Rolle. Mitte Februar entscheiden die Staats- und Regierungschefs.

EZB-Chef Trichet: Die Diskussion um seine Nachfolge ist entbrannt. Quelle: ap

EZB-Chef Trichet: Die Diskussion um seine Nachfolge ist entbrannt.

HB FRANKFURT/BERLIN. Der 15. Februar dürfte ein folgenschwerer Tag für die Europäische Zentralbank (EZB) werden. Denn dann werden die Finanzminister der Euro-Zone darüber entscheiden, wen sie den Staats- und Regierungschefs als Kandidaten für die Nachfolge von Lucas Papademos im Amt des Vizepräsidenten der EZB vorschlagen wollen. Damit falle dann auch die Entscheidung über die Nachfolge des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet, verlautete aus Berliner Regierungskreisen.

Sollte die Wahl zum EZB-Vize auf Vitor Constancio, den portugiesischen Notenbank-Gouverneur, fallen, wäre das ein klares Signal, dass Bundesbankpräsident Axel Weber Anfang November 2011 das Amt an der EZB-Spitze antreten werde. Wenn sich die Euro-Gruppe dagegen auf den luxemburgischen Notenbank-Chef Yves Mersch als EZB-Vize einigt, dürfte Italiens Notenbank-Gouverneur Mario Draghi EZB-Präsident werden.

In Berlin ist man optimistisch. Sollte Bundeskanzlerin Angela Merkel Weber an der EZB-Spitze sehen wollen, werde sie ihn auch durchsetzen, heißt es in Kreisen. Zumal davon auszugehen sei, dass die Bundeskanzlerin in ganz wichtigen Fragen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy an einem Strang ziehe. Die Franzosen misstrauen Draghi wegen seiner mutmaßlichen Nähe zu den Amerikanern.

Ganz so einfach dürfte die Sache für die Bundeskanzlerin aber nicht werden. Denn in der EU werden Personalien oft nach der informellen Richtschnur entschieden, dass nach Möglichkeit der Chef einer EU-Behörde nicht aus dem Land kommen sollte, in dem diese angesiedelt ist. Merkel muss Überzeugungsarbeit leisten, warum ein Deutscher an der Spitze der EZB stehen soll.

Über die fachliche Qualifikation der Kandidaten wird gar nicht mehr geredet, ebenso wenig darüber, was für die oberste europäische Währungsbehörde in diesen stürmischen Zeiten sinnvoll wäre. Alle Kandidaten hätten ein akzeptables Niveau, heißt es lapidar. Nur dass der Vize aus einem kleinen Land kommen soll, scheint noch zu gelten. Im Kern aber geht es um Macht und geographische Balance.

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